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Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Druckversion

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RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - dominikk85 - 21.09.2019

Ich denke das mit dem öffentlichen Dienst über Polizei und Bundeswehr hinaus wäre keine schlechte Idee.

je nach leistungsstärke würde man entweder ganz freigestellt für einige Zeit oder Teilzeit arbeiten und bei passabler Leistung im Dienst dürfte man nach seiner Karriere dort bleiben.

Das wäre für den Staat dann nicht so teuer wie komplett Rente zu zahlen weil er ja auch eine Arbeitskraft für diese Versorgung bekommt.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - krebsan - 22.09.2019

Dieses geforderte "Sowohl als auch" ist zwar sinnvoll und pragmatisch. Aber halt im Kern nicht professioneller Sport. Wenn das unser Weg ist, müssen wir einfach akzeptieren, dass "unsere" Athleten international vielleicht nicht ganz mithalten können.
Zum anderen: Die finanzielle Absicherung sollte, wenn schon, natürlich nicht nur erfolgreiche Sportler oder gar Olympiasieger umfassen. Wenn ein Sportler wieder für einen Olympiazyklus zusagt, muss er doch gewisse Sicherheiten haben, ganz unabhängig davon, ob der Plan schliesslich aufgeht oder nicht. Es ist also zwischen Anstellung/Absicherung und Erfolgsprämie zu unterscheiden.
Dass nicht nur der Sportler, sondern auch der Trainer unterstützt werden sollte, kommt noch dazu.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Gertrud - 22.09.2019

AuA sollten sich im momentanen Leistungssport auf einen harten Kurs einstellen. Ich habe morgens vor der Studienzeit in einm angemieteten Keller in der Nachbarschaft mein Krafttraining absolviert und war dann um 8 Uhr in der DSHS Köln zum Studium. Ich musste im Winter meinen Kugelstoßkreis beim ASV Köln bei Eis und Schnee selbst mit Spitzhacke freischaufeln. Ich konnte nicht jeden Tag in den ersten vier Semestern (ohne Auto) nach Leverkusen mit der Straßenbahn fahren. Meine Mutter hat für mich gearbeitet. Sie hat mir als Witwe mit einem Textilgewerbe das Studium und den Sport weitgehend ermöglicht und mir dann einen nagelneuen VW für fast 6000DM gekauft. Das waren noch andere Zeiten. Sie hat aber von mir verlangt, dass ich das Studium schnell durchziehe, was dann auch folgte.

Also, deshalb lehrt die AuA mal ruhig einen harten Weg und kein Leben auf dem Tablett!!! Das Leben ist nicht in die Cloud auszulagern. Man muss es auch schon selbst mitgestalten. Daher geht immer wieder meine Bitte dahin, dass der Verband für berufliche AuA-Verpflichtungen bei Team-Veranstaltungen Verständnis haben sollte. AuA haben nicht viel Zeit für andere Dinge außerhalb des Sportes und des Berufes. Das hatte ich als Trainerin auch nie.

Für sehr entscheidend halte ich, dass man bei Talenten Hilfe leistet, die damals bei mir die Familie aufgefangen hat. Das ist heute aus vielen Gründen nicht mehr so möglich. Was mich im Innern sehr stört, ist, dass AuA oft 10 Versicherungsjahre bis zur Rente im Rückstand sind. Es wird folglich in dem Bereich viel Altersarmut geben. Da müsste man Abhilfe schaffen.

Eine Sache halte ich auch für sehr wichtig. Nicht jeder hat die Kapazitäten für ein Studium. Der Mensch fängt nicht erst da an. Wir brauchen jede Arbeitssparte und auch die Achtung davor!!! Auch Paketzustellerin haben ihre gute Berechtigung. Die Gehälter stimmen in dem Bereich nicht. Das ist das Problem. Mein Nachbar, ein Top-Handwerker, ist für mich mehr wert als ein Akademiker. Der Spagat zwischen den unteren und oberen Gehältern stimmt heute nicht, weil sie meistens teilweise prozentual ansteigen.

Der Verband ist schon sehr gefordert, kann aber auch nicht die Lösung für alles sein. Das sollte man auch mal klar sehen. Deshalb gibt es für mich nicht den globalen Verband, der mit DLV nur als schlecht dargestellt wird. Es gibt aus meiner Sicht gut und schlecht funktionierende Menschen dort. Im Service werde ich z.B. bisher, was Veranstaltungen anbetrifft, hervorragend "bedient". So ein kleines Lob kann uns auch mal über die Lippen gehen.  WinkThumb_up

Gertrud


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - gera - 22.09.2019

ich möchte eines noch einmal klarstellen.

Ich bin nicht dagegen, dass Athleten während iher aktiven Zeit möglichst gut finanziell abgesichert sind.
Aber bitte nicht als Forderung an vom Staat.
Verständniss habe ich dagegen für die Forderung von Athletenvertretern, an den Erlösen großer internationaler Ereignisse beteiligt zu werden.
Das sind Gewinne, die sie erst ermöglicht haben. Weshalb soll diese Geld in nicht bekannten Kanälen verschwinden.?
Nötig wäre da aber eine Offenlegung der Bilanzen der großen internationalen und nationalen Verbände, die ich mir im Moment nicht vorstellen kann.
Es bleibt natürlich die Betreibung von gleichzeitigem Leistungssport und beruflicher Bildung, was Aufgabe von Athlet und verband ist.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Astra - 22.09.2019

Ich möchte nochmal auf Kleinerts Problem eingehen an dem Beispiel des Interviews mit David Wrobel auf LA.de.
https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/71959-Hochzeitsglueck-und-WM-Premiere-%E2%80%93-das-Jahr-des-David-Wrobel
Dort sagt er:
Er selbst ist Sportsoldat, in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Ein Studium im Fach Gesundheitsmanagement ließ sich nicht so recht mit dem Sport und den vielen Trainingslagerreisen vereinbaren. „Dann habe ich mir gesagt, ich konzentriere mich ganz auf den Sport bis Olympia 2020.“ Nach seiner Karriere will er bei der Bundeswehr eine Trainer-Ausbildung machen. Wenn es die Zeit zulässt, betreut er heute schon mal den einen oder anderen Nachwuchsathleten bei Wettkämpfen.

Das ist doch das Problem und genau daran ist Kleinert gescheitert. Die Sportler wollen alle als Trainer arbeiten, aber so viele gut bezahlte Dauerstellen gibt es garnicht. Die Bundeswehr hat zwar einige Stellen für Spitzenathleten geschaffen (z.B. für Bartels) aber die sind jetzt erst mal auf Jahrzehnte besetzt.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Gertrud - 22.09.2019

(22.09.2019, 09:36)Astra schrieb: Ich möchte nochmal auf Kleinerts Problem eingehen an dem Beispiel des Interviews mit David Wrobel auf LA.de.
https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/71959-Hochzeitsglueck-und-WM-Premiere-%E2%80%93-das-Jahr-des-David-Wrobel
Dort sagt er:
Er selbst ist Sportsoldat, in der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Ein Studium im Fach Gesundheitsmanagement ließ sich nicht so recht mit dem Sport und den vielen Trainingslagerreisen vereinbaren. „Dann habe ich mir gesagt, ich konzentriere mich ganz auf den Sport bis Olympia 2020.“ Nach seiner Karriere will er bei der Bundeswehr eine Trainer-Ausbildung machen. Wenn es die Zeit zulässt, betreut er heute schon mal den einen oder anderen Nachwuchsathleten bei Wettkämpfen.

Das ist doch das Problem und genau daran ist Kleinert gescheitert. Die Sportler wollen alle als Trainer arbeiten, aber so viele gut bezahlte Dauerstellen gibt es garnicht. Die Bundeswehr hat zwar einige Stellen für Spitzenathleten geschaffen (z.B. für Bartels) aber die sind jetzt erst mal auf Jahrzehnte besetzt.

Genau um diese "Blauäugigkeit" geht es. Zudem eignet sich nicht jede/r ehemalige Spitzenathlet/in zu/r/m Trainer/in. Es ist auch nicht jede/r bei der Polizei glücklich; aber es wichtig, dass es diese Stellen bei der Polizei für die geeigneten AuA gibt. Entscheidend sind die AuA in ihrem Wollen und Handeln, vor allem auch in ihren Verzichten und in ihren Forderungen. Es handelt sich um eine "Lastenverteilung auf mehrere Schultern", die es gemeinsam zu stemmen gilt. Ich habe mir auch meinen Arbeitsplatz neben meiner Trainertätigkeit erarbeiten müssen. Es kommt nichts von selbst angeflogen. Der mündige Athlet ist für mich das Ziel, der seinem Leben insgesamt die Richtung vorgibt und anstrebt!!! 

Es sollten ganz klare Konzepte hinsichtlich Sport und Beruf vorliegen. Wenn man ein Gesundheitsmanagementstudium eigentlich anstrebt, zieht man es auch durch. Man muss dann eben auch mal privat und TL-mäßig verzichten und "einen A... in der Hose" bei Konfrontationen haben. Das habe ich nie gescheut. AuA brauchen in der Hinsicht auch klare Ansagen durch die Trainer/innen. Ich "schenke" den AuA, die bei mir trainieren wollen, von vorneherein "reinen Wein ein". 

Gertrud


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Oliver - 22.09.2019

Wird Wrobel zur Teilnahme an den vielen Trainingslagern gezwungen? Kann man nicht viele Einheiten stattdessen dort machen, wo man auch seine Ausbildung macht?

Es gibt genug positive Beispiele, die zeigen, dass man sportlichen Erfolg haben kann, mit einer vernünftigen Ausbildung. Spontan fallen mir hier Thomas Wessinghage, Arne Gabius, Nadine Hildebrand und Linda Stahl ein.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - UliH. - 22.09.2019

(22.09.2019, 10:43)Oliver schrieb: Es gibt genug positive Beispiele, die zeigen, dass man sportlichen Erfolg haben kann, mit einer vernünftigen Ausbildung. Spontan fallen mir hier Thomas Wessinghage, Arne Gabius, Nadine Hildebrand und Linda Stahl ein.
Diese Beispiele werden immer genannt. Es werden dabei aber mindestens 2 Punkte außer acht gelassen:
-Wie weit hätten es diese Sportler mit ihrem Talent bei einer Konzentration auf den Sport bringen können, vielleicht könnte jetzt ein Olympiasieg oder Weltmeistertitel hinter ihrem Namen stehen und hätte N. Kleinert bei einer Doppelbelastung mit Studium etc. insgesamt 14 internationale Medaillen gewonnen oder wäre sie dadurch womöglich nur bis zu einem 3.Platz bei HEM gekommen?
- Wie viele Jahre Lebenszeit wird diese Dopplebelastung die o.a. Athleten gekostet haben? Wer Leistungssport betreibt, weiß, wie wichtig Ruhephasen sind. Diese sehe ich z.B. bei einem Medizinstudium mit all seinen Praktika, OP-Einsätzen und der mentalen Belastung nicht.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - lor-olli - 22.09.2019

Ein Studium bietet zumindest eine gewisse Flexibilität, es muss aber auch nicht immer ein Studium sein!
Ein paar weitere NAmen die mir spontan einfallen, die Sport und Ausbildung "gebacken bekommen" oder schon fertig haben:
Florian Orth
Maren Orth (ehem. Kock)
Maximilian Bayer
Alexandra Burghardt
Katharina Bauer
Hendrik Pfeiffer
Lisa Mayer
Thomas Röhler


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Atanvarno - 22.09.2019

(22.09.2019, 11:59)UliH. schrieb: - Wie viele Jahre Lebenszeit wird diese Dopplebelastung die o.a. Athleten gekostet haben? Wer Leistungssport betreibt, weiß, wie wichtig Ruhephasen sind. Diese sehe ich z.B. bei einem Medizinstudium mit all seinen Praktika, OP-Einsätzen und der mentalen Belastung nicht.

Linda Stahl hat in einem Interview erzählt, dass sie zeitweilig mit vier, fünf Stunden Schlaf die Nacht auskommen musste. Manche verkraften das, andere würden da innerhalb kürzester Zeit krank werden oder sich aufgrund mangelnder Regeneration verletzen.