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Training Schnelligkeit/Ausdauer - Druckversion

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RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - hkrueger - 11.04.2014

(10.04.2014, 20:50)lor-olli schrieb:
Zitat:Wird der Trainingsreiz für die Schnelligkeit dann auch durch das Ausdauertraining überlagert?

 Montag Sprinttraining, Dienstag lange Ausdauerläufe, Mittwoch Sprint, Donnerstag lange Ausdauer etc. macht keinen Sinn, ...

Warum macht das keinen Sinn?
Weil das Ausdauertraining das Schnelligkeitstraining überlagert auch wenn 1 Tag Pause zwischen den TE lag?

Wenn es keinen Sinn macht: Macht es dann Sinn innerhalb von 72 Stunden (angenommene, erforderliche Anpassungszeit) nach einem Sprinttraining eine neue TE anzusetzen?

Ich frage das ganz unvoreingenommen, einfach weil ich verschiedene "Empfehlungen" nicht unter einen Hut bringe. Wenn die Anpassung 48-72 Tage dauert, dann wäre es doch folgerichtig für einen Sprinter nur 2-3 mal die Woche zu trainieren, oder?

(Ein Manfred Germar zeichnete sich meines Wissens doch auch nicht durch hohe Trainingsumfänge aus. Entweder hat er ein richtiges Gefühl für die Trainings-Dosierung bzw. Trainingseffizienz oder ungewöhnlich gute körperliche Anpassungsreaktionen)



Die Frage geht in eine ähnliche Richtung wie
http://leichtathletikforum.com/showthread.php?tid=120


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - lor-olli - 11.04.2014

Grundsätzlich entscheidet man doch VOR dem Training (zumindest Leichtathleten) was man erreichen möchte, Schnelligkeit / Explosivität ODER Ausdauer, beides gleichzeitig ist kontraproduktiv, weil man mit dem einen Training die des anderen konterkariert (übertrieben ausgedrückt, aber man macht einen Teil der erreichten Leistungsteigerung wieder zunichte).

Ich kann so selbstverständlich eine Steigerung der allgemeinen Fitness erreichen, in Sportarten wie z.B. dem Fußball macht das auch Sinn, weil ja beides gefordert ist, in der Leichtathletik versucht man in der Spezialisierung das Maximum des Möglichen zu erreichen.

Mehrkämpfer beispielsweise brauchen auch eine Ausdauer, aber die ist nicht so laufspezifisch, es macht einfach keinen Sinn ein "richtiges" Mittelstreckentraining zu absolvieren, wenn in den anderen neun Diziplinen die Schnellkraftentwicklung leidet. Ich kann als Mehrkämpfer ja auch nicht nur den Hochsprung trainieren. Es wird in der Summe oft viel Hürdentraining und Stabhochsprung trainiert, einfach weil diese beiden Diziplinen einen Großteil der nötigen Fertigkeiten eines Zehnkämpfers bedienen. (Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination).

Etwas anders liegt die Sache bei den Mittelstrecklern - ein 800m - 1500m Läufer sollte nicht nur die nötige Ausdauer haben, es ist auch eine Grundschnelligkeit und Sprintfähigkeit notwendig, trotzdem setzt das Training auch hier Schwerpunkte und eben nicht den ständigen Wechsel Sprint / Ausdauer. (Der Sprint eines Mittelstrecklers unterscheidet sich auch deutlich von dem eines Sprinters, hier gibt es keinen "Start" sondern meist einen Steigerungslauf - der endet dann manchmal im "mit völlig übersäuerten Muskeln über die Ziellinie stolpern", ach nee, dass galt nur für mich, aber ich war ja auch Zehnkämpfer Smile)

Die Häufigkeit: Man trainiert doch auch andere Inhalte, Sprinter optimieren den Start, sie üben auch Staffelübergaben, sie trainieren um die Beweglichkeit zu erhalten (Sprinten allein macht steif!), stärken die Rumpfmuskulatur, auch der Oberkörper ist für einen explosiven Start interessant, insofern trainiert man natürlich mehr als 2 mal die Woche, aber eben nicht immer die gleichen Muskeln jede Einheit mit gleicher (maximaler) Intensität.

Beim reinen Laufen werden sowohl beim Ausdauertraining als auch beim Sprint die gleichen Muskeln / Muskelgruppen in eine andere Richtung optimiert - der Ausdauerläufer braucht keine zusätzliche Masse, für Sprinter ist die Leistung des Muskels bei 30 min Dauerbelastung uninteressant. Ist das nachvollziehbar?


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - MZPTLK - 11.04.2014

Abermals WOW! Thumb_up
Da sind wir mitten im Leichtathletik-Leben!


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - hkrueger - 11.04.2014

(11.04.2014, 11:18)lor-olli schrieb: Grundsätzlich entscheidet man doch VOR dem Training (zumindest Leichtathleten) was man erreichen möchte, Schnelligkeit / Explosivität ODER Ausdauer, beides gleichzeitig ist kontraproduktiv, weil man mit dem einen Training die des anderen konterkariert (übertrieben ausgedrückt, aber man macht einen Teil der erreichten Leistungsteigerung wieder zunichte).

Beides ist kontraproduktiv! Da sind wir uns einig! Im Grunde zweifele ich das auch nicht an! Aber mir geht es um die Dauer zw. zwei TE?

Noch mal ganz konkret: 
1 Wielange konterkariert man mit dem einen Training das andere?
2. Die kompletten 72 Stunden nach einem Sprinttraining?
3. Oder überspitzt gefragt: Reicht es jeden 3. Tag zu trainieren?


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - Flitzer - 11.04.2014

Ja, es reicht die maximalen Sprints nur alle 3 Tage zu machen bzw. nur 1 mal die Woche. Tempoläufe, Kraft und Technik muss man jedoch auch noch trainieren und das kann man in der Zwischenzeit machen.


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - lor-olli - 11.04.2014

Konkret wäre mein Vorschlag das Training weitestgehend zu trennen.
Die Grundlagenausdauer holt man sich in der Vorbereitungsphase /Winter - Sprinter wie Langläufer.
Dann käme die Phase des Kraftaufbaus, da trainieren Sprinter "richtig" mit Gewichten, den Rumpf und den "restlichen Körper" (auch um Dysbalancen vorzubeugen!) etc. Ausdauerläufer natürlich anders, aber auch bei ihnen stehen nicht nur "Beine" auf dem Programm, völlig untrainierte Arme z.B. verursachen gern mal Schmerzen im Schulter und Nackenbereich bei langen Läufen, der Rumpf sollte stabil sein um einen sauberen Laufstil beizubehalten - nix für schwache Bauch und Rückenmuskeln, allerdings auch keine "Berge"
Danach steht die Konzentration auf das primäre Ziel entweder den Sprint oder die Strecke, hier wird dann das Training sehr spezifisch. Schau Dir mal im Netz oder in der Literatur typische Trainingspläne für die unterschiedlichen Diziplinen an, da bekommt man ein Gefühl dafür worauf es abzielt und da wird auch nicht "gemischt". Der Körper hält eine gewisse Belastung aus in diesem Bereich gilt es das "Maximum" an Leistungssteigerung zu erzielen, alles was von diesem Ziel abbringt wird weggelassen (z.B. auch in der Ernährung Wink, die Junk-Food-Orgien sollte man ganz besonders jetzt lassen).

Man trennt also die Trainingsinhalte, dass heißt aber nicht, dass man untätig ist, die Muskeln der "interessanten Hauptgruppe" brauchen aber die Regeneration, insofern empfiehlt es sich nicht während einer Sprinttrainingsphase Ausdauerläufe zu trainieren. Gemeint ist hier das systematische Ausdauertraining, gegen lockere Läufe in der Regenerationsphase spricht nichts, aber es wird nicht hochbelastet und nicht stundenlang, das unterstützt die Regeneration sogar. Auch Trainingsformen die andere Muskelgruppen stärken, Gymnastik, Koordinationstraining etc. kann stattfinden. Die Dosierung ist von einigen Faktoren wie Trainingszustand, Alter, individueller Belastbarkeit abhängig (die Erholung ist nicht bei allen gleich).

Reicht es jeden 3.Tag zu trainieren? In der Jugendphase kann das  sogar sein, je nachdem welches Ziel man hat auch später, ein Sprinter der 10,3 sec läuft und 10,1 erreichen möchte muss deutlich mehr tun (selbst wenn er faul ist und NICHT künstlich nachhilft). Es ist eine Kunst (ehrlich) ein Training so aufzubauen, dass der Athlet maximal gefördert wird mit möglichst minimalem Einsatz. (Minimal heißt nicht faulenzen, sondern auf Effektivität trimmen. Sind "60 mal 400m" effektiv / ZatopekWink, oder 8 mal 2000m? Lasse ich Sprints 20 mal voll "durchziehen", oder konzentriere mich auf Phasen wie Starts, Überlängen etc.) Jeder Athlet ist ein wenig anders, es gibt Marathonis die "schruppen" 300km die Woche (die japanischen Frauen hatten/haben unglaubliche Umfänge), andere würden dabei sehr schnell "kaputt" gehen, einige Japanerinnen haben das über fast 10 Jahre gemacht. Link

So, ich bin dann mal für einige Tage offline - meine Regeneration und meine (Reise-)Pläne sehen ein paar Tage ohne Bildschirm vor Wink...


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - hkrueger - 11.04.2014

(11.04.2014, 12:23)Flitzer schrieb: Ja, es reicht die maximalen Sprints nur alle 3 Tage zu machen bzw. nur 1 mal die Woche. Tempoläufe, Kraft und Technik muss man jedoch auch noch trainieren und das kann man in der Zwischenzeit machen.

Ok, jetzt bin ich fast am Ziel:
Beeinflussen Tempoläufe und Kraft nicht auch das Schnelligkeits-Training?

Oder kann man sagen, dass nach einer Nacht (oder vllt. bereits nach 10 Stunden?) der neue Trainingsreiz den alten nicht mehr überlagert?


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - hkrueger - 11.04.2014

@lor-olli
Vielen Dank für deine Geduld und deine ausführlichen Antworten!


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - Hellmuth K l i m m e r - 11.04.2014

(11.04.2014, 10:23)hkrueger schrieb: Ein Manfred Germar zeichnete sich meines Wissens doch auch nicht durch hohe Trainingsumfänge aus.
Entweder hat er ein richtiges Gefühl für die Trainings-Dosierung bzw. Trainingseffizienz oder ungewöhnlich gute körperliche Anpassungsreaktionen.
Angesicht der Kompliziertheit der Schnelligkeitsausbildung glaube/te ich auch schon oft, dass langjährig trainierende Sprinter sich viel öfters auf ihr Körpergefühl verlassen sollten. Also, wenn sie meinen, genau jetzt müssten sie trainieren, noch 2...3 Hunderter machen - dann verhalten sie sich richtig. 
Voraussetzung allerdings: Unbegrenztes Zeitpotenzial, keine zeitlich unveränderlichen Rahmenbedingungen, kein Trainerdruck, und vor allem E r f a h r u n g. - Aber wer hat solche Voraussetzungen? Sad

Vor sehr langer Zeit las ich einmal, dass  (franz. ?) Profi- Bahnradsportler das konnten. Sie wohnten auf/bei der Trainingsanlage, und immer, wenn's ihnen "so war", tobten sie sich auf der Bahn aus. Ihr Vorankommen (in der post-anabolen Zeit!) soll hervorragend gewesen sein.

Und die Generation GERMAR / LAUER / HARY / FÜTTERER / STEINBACH* wird sicher umfangsmäßig weniger und mit mehr "Gefühl" (feeling) trainiert haben.

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*) Wie mir Trainingspartner von M. STEINBACH versicherte, war M. S. selten und nur kurzzeitig auf der Anlage der MLU Halle an der Saale; das Kurzprogramm (bei Trainer W. Richter) war aber höchst intensiv (Steigerungen, 3 ... 4 150er, Antritte, Weitsprünge mit vollen AL, ...) Alles war geprägt von Intensität, konzentrierter Aktivität - "rummgammeln" war verpönt. Dafür soll in der Tr.gruppe aber viel gelacht worden sein. Wink

H. Klimmer / sen.


RE: Training Schnelligkeit/Ausdauer - MZPTLK - 11.04.2014

(11.04.2014, 13:24)Hellmuth K l i m mmer schrieb: Angesicht der Kompliziertheit der Schnelligkeitsausbildung glaube/te ich auch schon oft, dass langjährig trainierende Sprinter sich viel öfters auf ihr Körpergefühl verlassen sollten. Also, wenn sie meinen, genau jetzt müssten sie trainieren, noch 2...3 Hunderter machen - dann verhalten sie sich richtig. 
Voraussetzung allerdings: Unbegrenztes Zeitpotenzial, keine zeitlich unveränderlichen Rahmenbedingungen, kein Trainerdruck, und vor allem E r f a h r u n g.

... immer, wenn's ihnen "so war", tobten sie sich auf der Bahn aus. Ihr Vorankommen (in der post-anabolen Zeit!) soll hervorragend gewesen sein.

Und die Generation GERMAR / LAUER / HARY / FÜTTERER / STEINBACH* wird sicher umfangsmäßig weniger und mit mehr "Gefühl" (feeling) trainiert haben.

--Alles war geprägt von Intensität, konzentrierter Aktivität.... soll in der Tr.gruppe aber viel gelacht worden sein. Wink

H. Klimmer / sen.
Hellmuth, Du läufst zur Hochform auf!
Da kriegt man richtig Appetit, so geht's, das ist Leichtathletik!