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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion

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RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 11.09.2025

(10.09.2025, 21:48)h3inz_h4rtm4nn schrieb:
(05.09.2025, 20:29)runner5000 schrieb: Thorwirth hat sogar die Initialien der Person benannt. Ich finde auch nicht richtig, dass der Name wie Bild schrieb aus Persönlichkeitsschutz geheim gehalten wird, obwohl in der Szene die meisten darüber Bescheid wissen. Aber offensichtlich auch nicht alle, sonst würde er ja nicht immer noch irgendwie tätig sein.

Für mich war es beispielsweise neu und hat mich wahnsinnig schockiert. Ich kannte ihn noch als Athleten. Meine Menschenkenntnis hat mich wieder einmal enttäuscht, oder aber die Person hat sich in den vergangenen 10 Jahren total verändert durch welchen Einfluss auch immer. Fakt ist, dass weder den Opfern noch ihm selbst geholfen ist, wenn es von seiner Seite aus immer wieder abgestritten wird und er dann einfach nur den Stützpunkt wechselt. Seiner fachlichen Expertise in allen Ehren, aber das Amt des Trainers ist absolut nicht das richtige für ihn, wenn er die Kontrolle über sich selbst mehrfach verliert und das in unterschiedlichen Kontexten. Aber ehrlicherweise muss man sich da auch fragen: Welcher Job ist überhaupt der richtige bei so einem Verhaltensmuster? Da bedarf es ganz dringend professioneller Hilfe und dafür braucht es erstmal Einsicht, die ich z.Z. nicht erkenne bei ihm. Sich selbst einmal hinterfragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte… Aber diese Fragen stellt man sich einfach nicht, wenn man immer wieder vor einer neuen Tür stehen kann und diese einem auch geöffnet wird. Damit sollte nun aber nach der Veröffentlichung Schluss sein.

Diese Erfahrungen müssen absolut schlimm für die jungen Menschen gewesen sein, und das Traurige ist: Egal, was am Ende für ein Urteil getroffen wird, kann es das Erlebte nicht rückgängig machen.

Nach Missbrauchsvorwürfen: Chemnitzer Verein suspendiert Leichtathletik-Trainer

Nach Missbrauchsvorwürfen: Chemnitzer Verein suspendiert Leichtathletik-Trainer | MDR.DE

Zitat:Drei Athletinnen werfen darin einem früheren Landestrainer sexuellen Missbrauch vor. Der Mann hat auch Verbindungen nach Chemnitz. Der Verein LAC Chemnitz hat nun Konsequenzen gezogen.



RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 11.09.2025

Auch im Saarland gibt es Neuigkeiten:

- gestern gab es eine Anhörung im Innenausschuss des Landtags. Eingeladen waren Vizepräsident Raphael Schäfer und die Präventionsbeauftragte Shanta Gosh, beide erschienen jedoch nicht. Stattdessen legte der Anwalt des Verbandes ein schriftliches Statement vor, in dem die Abwesenheit Schäfers mit dem Fehlen neuer Erkenntnisse begründet wurde.
https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/innenausschuss_missbrauchsvorwuerfe_saarlaendischer_leichtathletik_bund_100.html

- parallel gibt es nun auch Vorwürfe gegen die Landestrainerin Lauf. Der Athlet Lennart Zehfeld wirft ihr u.a. vor, einen Ermüdungsbruch trotz ärtzlicher Diagnose ignoriert bzw. angezweifelt zu haben und Athleten (auch minderjährigen) zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (es ist explizit nicht von verbotenen Substanzen die Rede) gedrängt zu habe,
https://www.saarbruecker-zeitung.de/sport/sz-sport/leichtathletik-lennart-zehfeld-macht-trennung-von-verbandstrainerin-oeffentlich_aid-134586101

- besonders pikant: Die Landestrainerin ist die Ex-Frau des mittlerweile im Zuge der (Nicht)-Aufarbeitung des ersten Falls aus dem Saarland zurückgetretenden Vizepräsidenten des Verbandes dort, der zugleich DLV-Angestellter ist. Auch seine Rolle damals im Fall Benfares wurde medial mal kritisch hinterfragt:
https://www.sueddeutsche.de/sport/leichtathletik-doping-benfares-sportsystem-deutschland-1.6569136


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Q-Li - 11.09.2025

Ich lese das hier jetzt schon ein Weile mit, wollte mich eigentlich nicht dazu äußern, aber manchmal gewinnt der Bauch und nicht der Kopf.

Sagen wir mal, ich bin mit dem Fall in Hannover durchaus mehr vertraut als viele hier im Forum. Als der Landestrainer damals nach Niedersachsen gewechselt ist, war mein erster Gedanke, dass das eine "kritische" Personalie ist.

Ich möchte das Alles gar nicht weiter kommentieren, finde es richtig und bemerkenswert, dass sich die Athleten nun öffnen und das Ganze nicht in sich hineinfressen.

Was mich bei der Sache aber stört ist die Tatsache, dass der Landesverband hingeht und sagt, er habe damals davon nichts gewusst. Die damalige interne Kommunikation muss ja extrem schlecht gewesen sein.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - RunSim - 11.09.2025

(11.09.2025, 08:31)Q-Li schrieb: Ich lese das hier jetzt schon ein Weile mit, wollte mich eigentlich nicht dazu äußern, aber manchmal gewinnt der Bauch und nicht der Kopf.

Sagen wir mal, ich bin mit dem Fall in Hannover durchaus mehr vertraut als viele hier im Forum. Als der Landestrainer damals nach Niedersachsen gewechselt ist, war mein erster Gedanke, dass das eine "kritische" Personalie ist.

Ich möchte das Alles gar nicht weiter kommentieren, finde es richtig und bemerkenswert, dass sich die Athleten nun öffnen und das Ganze nicht in sich hineinfressen.

Was mich bei der Sache aber stört ist die Tatsache, dass der Landesverband hingeht und sagt, er habe damals davon nichts gewusst. Die damalige interne Kommunikation muss ja extrem schlecht gewesen sein.

Warum kritische Personalie? Weil da schon bekannt war, dass es Vorfälle beim letzten Arbeitgeber/Verein/Verband gab? 
Und d.h. wenn du das wusstest, dann hätte es der Verband eigentlich schon recht wissen müssen?


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - aj_runner - 11.09.2025

(11.09.2025, 08:11)Reichtathletik schrieb: Auch im Saarland gibt es Neuigkeiten:


- parallel gibt es nun auch Vorwürfe gegen die Landestrainerin Lauf. Der Athlet Lennart Zehfeld wirft ihr u.a. vor, einen Ermüdungsbruch trotz ärtzlicher Diagnose ignoriert bzw. angezweifelt zu haben und Athleten (auch minderjährigen) zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (es ist explizit nicht von verbotenen Substanzen die Rede) gedrängt zu habe,
https://www.saarbruecker-zeitung.de/sport/sz-sport/leichtathletik-lennart-zehfeld-macht-trennung-von-verbandstrainerin-oeffentlich_aid-134586101

Hatte ich mir schon länger gedacht, dass das Kaputt-trainieren eigentlich auch auf die Liste gehört. Das würde dann aber ein weitreichendes Fass aufmachen.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Q-Li - 11.09.2025

Zitat:Und d.h. wenn du das wusstest, dann hätte es der Verband eigentlich schon recht wissen müssen?


Ja!


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 11.09.2025

(11.09.2025, 09:54)Q-Li schrieb: Und d.h. wenn du das wusstest, dann hätte es der Verband eigentlich schon recht wissen müssen?

Ja!

Der (inoffizielle) Informationsfluss in dem Fall ist glaube ich sehr vielschichtig. Das Beschäftigungsverhältnis im NLV wurde ja damals recht abrupt und nach außen ohne Nennung von Gründen beendet. Ich weiß, dass es gut vernetze Menschen gibt, die auch danach noch nichts darüber wussten, weshalb. Gleichsam weiß ich sicher, dass es ebenfalls gut vernetze Menschen – teils geografisch weit weg aktiv – gab, die im Bilde waren, in welche Richtung die Vorwürfe gingen.

Ergo: In teils wichtigen Positionen gab es Personen, die keine Ahnung hatten und solche, die wussten, dass bereits in der vorherigen Stelle wohl Vorkommnisse waren.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Q-Li - 11.09.2025

(11.09.2025, 10:05)Reichtathletik schrieb:
(11.09.2025, 09:54)Q-Li schrieb: Und d.h. wenn du das wusstest, dann hätte es der Verband eigentlich schon recht wissen müssen?

Ja!

Der (inoffizielle) Informationsfluss in dem Fall ist glaube ich sehr vielschichtig. Das Beschäftigungsverhältnis im NLV wurde ja damals recht abrupt und nach außen ohne Nennung von Gründen beendet. Ich weiß, dass es gut vernetze Menschen gibt, die auch danach noch nichts darüber wussten, weshalb. Gleichsam weiß ich sicher, dass es ebenfalls gut vernetze Menschen – teils geografisch weit weg aktiv – gab, die im Bilde waren, in welche Richtung die Vorwürfe gingen.

Ergo: In teils wichtigen Positionen gab es Personen, die keine Ahnung hatten und solche, die wussten, dass bereits in der vorherigen Stelle wohl Vorkommnisse waren.

Das kann und will ich gar nicht bestreiten. Mir geht es nur um Niedersachsen, alles andere kann ich nicht beurteilen. Es ist für mich sehr schwer bis gar nicht nachzuvollziehen, dass so ein Fall jemand aus dem direkten Umfeld nicht mitbekommt, zumal es ja, wie du ja schreibst, zu einem abrupten Ende der Beschäftigung kam. Das bekommt doch jeder mit! Wer unterschreibt denn die Kündigung? Fragt man sich dann nicht automatisch, warum das so geschehen ist?


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 11.09.2025

(11.09.2025, 08:03)mariusfast schrieb:
(10.09.2025, 21:48)h3inz_h4rtm4nn schrieb:
(05.09.2025, 20:29)runner5000 schrieb: Thorwirth hat sogar die Initialien der Person benannt. Ich finde auch nicht richtig, dass der Name wie Bild schrieb aus Persönlichkeitsschutz geheim gehalten wird, obwohl in der Szene die meisten darüber Bescheid wissen. Aber offensichtlich auch nicht alle, sonst würde er ja nicht immer noch irgendwie tätig sein.

Für mich war es beispielsweise neu und hat mich wahnsinnig schockiert. Ich kannte ihn noch als Athleten. Meine Menschenkenntnis hat mich wieder einmal enttäuscht, oder aber die Person hat sich in den vergangenen 10 Jahren total verändert durch welchen Einfluss auch immer. Fakt ist, dass weder den Opfern noch ihm selbst geholfen ist, wenn es von seiner Seite aus immer wieder abgestritten wird und er dann einfach nur den Stützpunkt wechselt. Seiner fachlichen Expertise in allen Ehren, aber das Amt des Trainers ist absolut nicht das richtige für ihn, wenn er die Kontrolle über sich selbst mehrfach verliert und das in unterschiedlichen Kontexten. Aber ehrlicherweise muss man sich da auch fragen: Welcher Job ist überhaupt der richtige bei so einem Verhaltensmuster? Da bedarf es ganz dringend professioneller Hilfe und dafür braucht es erstmal Einsicht, die ich z.Z. nicht erkenne bei ihm. Sich selbst einmal hinterfragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte… Aber diese Fragen stellt man sich einfach nicht, wenn man immer wieder vor einer neuen Tür stehen kann und diese einem auch geöffnet wird. Damit sollte nun aber nach der Veröffentlichung Schluss sein.

Diese Erfahrungen müssen absolut schlimm für die jungen Menschen gewesen sein, und das Traurige ist: Egal, was am Ende für ein Urteil getroffen wird, kann es das Erlebte nicht rückgängig machen.

Nach Missbrauchsvorwürfen: Chemnitzer Verein suspendiert Leichtathletik-Trainer

Nach Missbrauchsvorwürfen: Chemnitzer Verein suspendiert Leichtathletik-Trainer | MDR.DE

Zitat:Drei Athletinnen werfen darin einem früheren Landestrainer sexuellen Missbrauch vor. Der Mann hat auch Verbindungen nach Chemnitz. Der Verein LAC Chemnitz hat nun Konsequenzen gezogen.

Wieso ist eigentlich überall, wie bspw. hier, wenn über den Hannover Fall berichtet wird, "nur" von den sex. Vorfällen die Rede? Es ging doch auch noch um diese Geschichte mit der Anweisung einer Medikamenteneinnahme 10 Tage vor dem Wettkampf ohne zu sagen was da drinnen ist? 
Das finde ich auch sehr suspekt. Zeigt, dass bei dem Trainer Leistung über alles steht.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Notalp - 11.09.2025

(11.09.2025, 08:11)Reichtathletik schrieb: Auch im Saarland gibt es Neuigkeiten:

- gestern gab es eine Anhörung im Innenausschuss des Landtags. Eingeladen waren Vizepräsident Raphael Schäfer und die Präventionsbeauftragte Shanta Gosh, beide erschienen jedoch nicht. Stattdessen legte der Anwalt des Verbandes ein schriftliches Statement vor, in dem die Abwesenheit Schäfers mit dem Fehlen neuer Erkenntnisse begründet wurde.
https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/innenausschuss_missbrauchsvorwuerfe_saarlaendischer_leichtathletik_bund_100.html

- parallel gibt es nun auch Vorwürfe gegen die Landestrainerin Lauf. Der Athlet Lennart Zehfeld wirft ihr u.a. vor, einen Ermüdungsbruch trotz ärtzlicher Diagnose ignoriert bzw. angezweifelt zu haben und Athleten (auch minderjährigen) zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (es ist explizit nicht von verbotenen Substanzen die Rede) gedrängt zu habe,
https://www.saarbruecker-zeitung.de/sport/sz-sport/leichtathletik-lennart-zehfeld-macht-trennung-von-verbandstrainerin-oeffentlich_aid-134586101

- besonders pikant: Die Landestrainerin ist die Ex-Frau des mittlerweile im Zuge der (Nicht)-Aufarbeitung des ersten Falls aus dem Saarland zurückgetretenden Vizepräsidenten des Verbandes dort, der zugleich DLV-Angestellter ist. Auch seine Rolle damals im Fall Benfares wurde medial mal kritisch hinterfragt:
https://www.sueddeutsche.de/sport/leichtathletik-doping-benfares-sportsystem-deutschland-1.6569136

Betrachtet man sich die Vorwürfe um Erniedrigungen, um die umfassende Kontrolle von Kindern und Jugendlichen sowie den Eingriff in die körperliche Selbstbestimmung im Detail, reibt man sich verwundert die Augen. Man dachte, dass solche Methoden des Umgangs längst passė sind. Und dann muss man den Eindruck gewinnen, dass sie nicht nur lebendig sind, sondern sich sogar im ‘unteren’ Leistungsbereich beobachten lassen. Wäre solcher Umgang die Regel, müsste man nicht nur den Sport vor gefährlichen Trainern, sondern die Jugend vor dem Leistungssport schützen. 

PS: Ich frage mich aber generell, wo die Elternschaft bleibt: die doch ansonsten bereits allergisch reagiert, wenn der eigene Nachwuchs vom Lehrer ungerecht behandelt wird. Ist das leistungssportliche Metier etwa eine ‘geheiligte’ Sphäre? Wenn - wie in der ZDF-Doku - das menschliche Versagen von betroffenen Athletinnen sogar als hinzunehmender Preis überragender Zielorientierungen erachtet wurde, dann ist das nicht weniger verstörend wie die Grenzüberschreitung selbst. (Und die wird von Tätern ja nicht ohne strategische Raffinesse vorbereitet!) Insofern muss es auch einen inneren Schutzwall gegen das Missverhältnis von Zielsetzungen und Mitteln geben. Wenn jugendliche Athletinnen das alleine oder unter der Dominanz leistungssportlicher Kompetenzen austarieren müssen, ist das kein gutes Zeichen.