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Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Druckversion

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RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mark1967 - 10.09.2025

(10.09.2025, 09:31)Reichtathletik schrieb:
Zitat:Es ist aber auch nicht so, dass Hinweisen nachgegangen wird. Ich gewinne den Eindruck, dass sich der DLV dafür gar nicht verantwortlich sieht.

Es gibt halt auch nicht den DLV. Der Verband (insbesondere inkl. Landesverbände und Spitzenvereine und Trainer) besteht aus einer Summe sehr unterschiedlicher Akteure. Das ist manchmal ein Vorteil, aber auch ein Problem.

Brechen wir es doch mal auf:
- die absolute Führung kann man in der Frage z.Z. schwer einschätzen. Was man bislang gehört hat (keine Drehgenehmigung in Dresden, eilig eingerufene Briefings zur Schadenbegrenzung, der Vorwurf eines Versuchs die Ausstrahlung zu verschieben/verhindern) lässt darauf schließen, dass die primäre Devise ist, negative Presse zu verhindern. Aber es kann sein das im Hintergrund viel mehr Läuft und man Opfer und Unbeteiligte vor ungewollter Öffentlichkeit schützen möchte. Es wirkt allerdings nicht, als stelle man sich an die Speerspitze eines Kulturwandels.

- die Ebene DLV als "System": Es darf die Frage erlaubt sein, was ein Lizenzentzug bringt, wenn eine Lizenz für die Ausübung der Trainertägitkeit weitestgehend irrelevant ist. Und wie viel weiß der Verband systemisch über die Trainer, die "seine" Athleten betreuen, wenn systemisch kaum Kontakt zu Landes- und Vereinstrainern besteht und man sich das Umfeld insbesondere außerhalb der BSP eigentlich nicht mit ernsthaften Interesse anschaut?

- die Ebene der Trainer: Sicher sehr vielfälltig. Zum Teil leider von oben vorgegeben, aber klare Kante wäre sicher nicht verkehrt. Wir alle wissen, es gibt eine zu große Zahl an Personen, die zumindest Dinge geahnt haben oder gar gewusst und es nicht als ihre Baustelle ansehen. Ja, welche Handhabe hat man? Kann ich schwer beantworten. Aber es gab Getuschel. 

- der Personkreis derer, die – drücken wir es vorsichtig aus – auffällige Nähe zu Tätern über Jahre haben, auch wenn man über sie keine Vorwürfe kennt

- die Athleten, die z.T selbst Opfer wurden/sind und sich nicht trauen, sich zu äußern (wofür es individuelle, persönliche Gründe sowie systemsche gibt), sowie die, die vielleicht was mitbekommen haben – aber nicht die Möglichkeit haben (oder sehen), was zu tun

- die Vereine, die zum Teil zu spät reagieren. Der Fall Germay Athletics aus der Doku lässt ja die Frage offen, warum man im Vorfeld sich nicht umgehört hat. Es wurden dort ja 3(!) Trainer entlassen. Mindestens in einem Fall war zuvor sehr viel bekannt, wenn man sich umgehört hätte. In Sachsen wo der Ex-NLV-Mann untergekommen ist, gab es laut Medienbericht der Sächsische Zeitung zuvor auch klare Warnungen/Bedenken.

Das lässt sich sicher noch viel weiter fassen.
Die Frage ist, was in diesen vielen Perspektiven ist "der DLV" und welche sollte "etwas" tun? Ich würde sagen: Im besten Fall alle. Aber wir haben z.T. sehr unterschiedliche Interessen. Der Anfang muss sein, einzugestehen: Es gibt ein problem, wir müssen es lösen. Hoffen wir, es scheitert nicht bereits daran. Ausdrücke wie "schwarze Schafe" gehen in die andere Richtung.

Man könnte meinen, du schreibst über die katholische Kirche. Und das ist ja kein Zufall. Jenseits von aktuellen, persönlichen Dingen wäre ein sinnvoller nächster Schritt: der DLV setzt eine Kommission ein, die systematisch aufgrund der vorliegenden Akten und Aussagen Betroffener das Missbrauchssystem der letzten - sagen wir 35 - Jahre untersucht.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 10.09.2025

Naja, die Vorgänge sind überall wo entsprechende Organisationen entstehen ähnlich. Ob das nun Kirche, Handball, Internate oder Leichtathletik sind...

Ob eine Kommission zur Aufklärung der richtige Ansatz ist weiß ich nicht.

Ich glaube es bräuchte neben den Ansprechpartnern eine anonyme Möglichkeit, Vorfälle/Hinweise zu geben (ähnlich wie man es im Fall von Doping tun kann).
Und es braucht eine striktere Rangehensweise. Es ist doch niemand arbeitsrechtlich gezwungen mit Leuten zussammenzuarbeiten, zu denen man kein Vertraunsverhältnis hat. Und das hätte ich grundätzlich nicht zu Leuten, zu denen entsprechende Warnungen im Umlauf sind oder die mit nachweislich wegen Vorfällen entlassenen Personen Jahrelang eng zusammenwirken, ohne das sie was mitbekommen haben. Hätte ich auch grundsätzlich nicht zu Menschen, die den Anschein erwecken, gewissen Mustern nicht entgegenzutreten.


Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Zitat:Regelmäßige gemeinsame Restaurantbesuche waren normal. Ich musste immer wieder anzügliche Bemerkungen und unnötige Berührungen über mich ergehen lassen
...
Gespräche zu meinem Gesundheitszustand wurden vor der gesamten Trainingsgruppe oder in anderen unangemessenen Kontexten geführt, um mich bloßzustellen.
...
Von den romantischen Beziehungen, die er mit vielen seiner Athletinnen geführt hat, ganz zu schweigen.



RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 10.09.2025

Reichtathletik war schneller. Artikel wurde bereits hier verlinkt.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - aj_runner - 10.09.2025

(10.09.2025, 10:01)Reichtathletik schrieb: Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Bestätigt leider meinen Verdacht einer geskripteten Reportage. Auch das ist in meinen Augen institutionell (ist sicherlich ein anderes Theman) und schadet dem eigentlichen Anliegen.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - runner5000 - 10.09.2025

(10.09.2025, 10:15)aj_runner schrieb:
(10.09.2025, 10:01)Reichtathletik schrieb: Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Bestätigt leider meinen Verdacht einer geskripteten Reportage. Auch das ist in meinen Augen institutionell (ist sicherlich ein anderes Theman) und schadet dem eigentlichen Anliegen.
Und das ist nicht der einzige Dortmunder Fall. Wobei der aktuellere auch mehrere Standorte betrifft.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - Reichtathletik - 10.09.2025

(10.09.2025, 10:17)runner5000 schrieb:
(10.09.2025, 10:15)aj_runner schrieb:
(10.09.2025, 10:01)Reichtathletik schrieb: Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Bestätigt leider meinen Verdacht einer geskripteten Reportage. Auch das ist in meinen Augen institutionell (ist sicherlich ein anderes Theman) und schadet dem eigentlichen Anliegen.
Und das ist nicht der einzige Dortmunder Fall. Wobei der aktuellere auch mehrere Standorte betrifft.

Korrekt. Gibt mindestens zwei Trainer und weitere Mitakteure, die über Jahre(!) aktiv waren.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - muffman - 10.09.2025

(10.09.2025, 10:15)aj_runner schrieb:
(10.09.2025, 10:01)Reichtathletik schrieb: Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Bestätigt leider meinen Verdacht einer geskripteten Reportage. Auch das ist in meinen Augen institutionell (ist sicherlich ein anderes Theman) und schadet dem eigentlichen Anliegen.

Was meinst du mit geskriptet? Der Fokus der Doku hat sich halt geändert. Man kann in einer einzigen Doku nicht immer alles abdecken. Vielleicht kommt ja doch nochmal etwas über psychische Gewalt. Klar ist es schade, dass es Linn Kleins Fall nicht in die Doku geschafft hat, auch für sie persönlich bestimmt schwierig. Es ist aber gut, dass das Thema generell auch von anderen Medien aufgegriffen wurde. Und damit hat die Sendung offensichtlich einiges richtig gemacht.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - runner5000 - 10.09.2025

Linn Kleine hat eine Main Athlet Podcast Folge angekündigt, in der sie sich ausführlich zu ihren Erfahrungen äußern möchte. Sie sagt, dass sie in der Zeitung das Schwerwiegende bewusst ausgespart hat, weil dies nicht der richtige Rahmen sei.


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - mariusfast - 10.09.2025

Es soll noch eine Sonderpodcastspezialfolge kommen vom Auslaufenpodcast, in der auch betroffene AthletInnen zu Wort kommen. Jedoch ist sThorwirth wegen seiner Rolle als Athletensprechers sich unsicher, wann die Folge gemacht und hochgeladen werden soll. Hintergrund ihm wurde von WM Teilnehmenden die Bitte herangetragen, dies erst nach der WM zu tun, um den Fokus zu behalten. Deshalb gab es auch keine weiteren Details über das Thema von Thorwirth in dem aktuellen Podcast, weil dies ja dann von den Journalisten aufgegriffen werden könnte und damit auch wiederrum alle WM Teilnehmer in den Interviews damit befragt werden könnten.

Dem Auslaufenpodcast ist schon klar, dass es jetzt natürlich ein besserer Zeitpunkt wäre, um mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen. Es wird noch überlegt


RE: Schutz von Athleten vor körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt - RunSim - 10.09.2025

(10.09.2025, 10:20)Reichtathletik schrieb:
(10.09.2025, 10:17)runner5000 schrieb:
(10.09.2025, 10:15)aj_runner schrieb:
(10.09.2025, 10:01)Reichtathletik schrieb: Übrigens gibt es einen neuen Beitrag der WA zu den Dortmunder Fällen, die nicht in der Doku waren:
https://www.wa.de/sport/hamm/psychische-gewalt-unter-den-tisch-gekehrt-doku-beitrag-ueber-linn-kleine-gestrichen-93925488.html

Bestätigt leider meinen Verdacht einer geskripteten Reportage. Auch das ist in meinen Augen institutionell (ist sicherlich ein anderes Theman) und schadet dem eigentlichen Anliegen.
Und das ist nicht der einzige Dortmunder Fall. Wobei der aktuellere auch mehrere Standorte betrifft.

Korrekt. Gibt mindestens zwei Trainer und weitere Mitakteure, die über Jahre(!) aktiv waren.

Insgesamt ist die Anzahl der "auffälligen" Trainer in Dortmund dann ja recht hoch. 
Sind die anderen Fälle auch im Laufbereich? 
Und warum werden die nicht öffentlich gemacht? Weil keine strafrechtliche Relevanz?