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Carbonfederschuhe - verbieten, stärker regulieren, laufen lassen? - Druckversion

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RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - gera - 08.12.2020

vedo  hat das gut beschrieben.

die verschiedenen Hersteller versuchen mit unterschiedlichen Schaumstoffen in unterschiedlichen Schichtdicken die Energierückgewinnung bei jedem Schritt zu verbessern.
Hört sich erstmal postiv an.
Aber ist das nicht - ich nenne es mal so - technologisches Doping ? Diese Schaumstoffschichten wirken ja wie kleine Federn, die Energie aufnehmen und sie dann wieder abgeben.
Beim natürlichen Laufen eines Menschen ist sowas nicht vorgesehen. Es muß keiner mehr barfuß laufen wie Abebe Bikila oder Bruce Tulloh. Aber im Wettbewerb soll doch geklärt werden, wer nur mit seinen Körperfähigkeiten der Beste ist.
Oder sollen hier im technologischen Wettbewerb Marktanteile der Konzerne gesichert werden ?
Es geht m.m. nach nicht um die Verfügbarkeit eines Schuhes für alle, sondern es sollte schon jetzt eine Grenze gezogen werden , welche technischen Hilfsmittel, egal in welcher Disziplin , noch erlaubt sind ,  sonst wird die LA bald eine andere sein.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - Andreas - 08.12.2020

(08.12.2020, 16:05)gera schrieb: Es muß keiner mehr barfuß laufen wie Abebe Bikila oder Bruce Tulloh.


Das wäre "natürlich" das Fairste für alle barfuß zu laufen, so wie von Gott gegeben. Wäre bloß ein bissel hart für die Knochen, aber nur die Harten kommen in den GartenBig Grin


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - OldSchoolRunner - 08.12.2020

(08.12.2020, 16:05)gera schrieb: vedo  hat das gut beschrieben.

die verschiedenen Hersteller versuchen mit unterschiedlichen Schaumstoffen in unterschiedlichen Schichtdicken die Energierückgewinnung bei jedem Schritt zu verbessern.
Hört sich erstmal postiv an.
Aber ist das nicht - ich nenne es mal so - technologisches Doping ? Diese Schaumstoffschichten wirken ja wie kleine Federn, die Energie aufnehmen und sie dann wieder abgeben.
Beim natürlichen Laufen eines Menschen ist sowas nicht vorgesehen. Es muß keiner mehr barfuß laufen wie Abebe Bikila oder Bruce Tulloh. Aber im Wettbewerb soll doch geklärt werden, wer nur mit seinen Körperfähigkeiten der Beste ist.
Oder sollen hier im technologischen Wettbewerb Marktanteile der Konzerne gesichert werden ?
Es geht m.m. nach nicht um die Verfügbarkeit eines Schuhes für alle, sondern es sollte schon jetzt eine Grenze gezogen werden , welche technischen Hilfsmittel, egal in welcher Disziplin , noch erlaubt sind ,  sonst wird die LA bald eine andere sein.
Ich sehe die ganze Entwicklung ebenfalls etwas kritischer als vedo oder Andreas und würde auch eher den Vergleich mit den nur für ein paar Jahre erlaubten Schwimmanzügen ziehen wollen.
Vedo hat die Entwicklung zwar gut beschrieben, aber ich würde eine etwas andere Konsequenz daraus ziehen: zwar kein Verbot, aber stärkere Regulierung der Sohlendicke (also in Richtung dünner). Das hätte m.E. zwei Vorteile- erstens: der Vorteil würde stärker begrenzt (in Richtung Gerechtigkeit gegenüber früher) und zweitens wäre das Laufen wieder näher an einer natürlicheren Form. Wie oft stolpern die Läufer heute und wie oft haben sie Schwierigkeiten in den Kurven? Das hängt doch vor allem mit den dicken Sohlen zusammen, oder?


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - RalfM - 08.12.2020

(08.12.2020, 16:33)OldSchoolRunner schrieb:
(08.12.2020, 16:05)gera schrieb: Wie oft stolpern die Läufer heute und wie oft haben sie Schwierigkeiten in den Kurven? Das hängt doch vor allem mit den dicken Sohlen zusammen, oder?

Die sehen auf diesen Sprungknochen auch lächerlich aus.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - RalfM - 08.12.2020

(08.12.2020, 11:10)Andreas schrieb: Ich sehe an den neuen Schuhen nur einen technologischen Fortschritt wie in allen Bereichen auch außerhalb des Sports.

Was den Sport an sich ausmacht, ist seine Autonomie. Sport findet eben gerade nicht in den Regeln außerhalb des Sports statt. Das ist seine Begründung. Seine Existenzberechtigung.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - vedo - 08.12.2020

(08.12.2020, 16:33)OldSchoolRunner schrieb: Ich sehe die ganze Entwicklung ebenfalls etwas kritischer als vedo oder Andreas und würde auch eher den Vergleich mit den nur für ein paar Jahre erlaubten Schwimmanzügen ziehen wollen.
Vedo hat die Entwicklung zwar gut beschrieben, aber ich würde eine etwas andere Konsequenz daraus ziehen: zwar kein Verbot, aber stärkere Regulierung der Sohlendicke (also in Richtung dünner). Das hätte m.E. zwei Vorteile- erstens: der Vorteil würde stärker begrenzt (in Richtung Gerechtigkeit gegenüber früher) und zweitens wäre das Laufen wieder näher an einer natürlicheren Form. Wie oft stolpern die Läufer heute und wie oft haben sie Schwierigkeiten in den Kurven? Das hängt doch vor allem mit den dicken Sohlen zusammen, oder?
Ich sehe das übrigens auch überhaupt nicht unkritisch. Gäbe es einen Knopf, mit dem man die Entwicklung der letzten Jahre zurücksetzen und diesbezügliche Ideen aus den Köpfen der entsprechenden Leute bei den Herstellern löschen könnte, würde ich diesen sofort drücken (Marathonschauen vor fünf Jahren hat definitiv mehr Spaß gemacht als heute. Damals hätte ich z. B. die Entwicklung eines zwar talentierten, aber lange nicht auf einem Überniveau unterwegs gewesenen Amanal Petros, zu einem 2:07-Läufer sehr beeindruckend gefunden, jetzt fand ich sie in Zeiten, in denen etwa vor zehn Tagen in Nanjing gleich vier No-Name-Chinesen unter 2:10 geblieben sind, eher erwartbar). Ich wollte nur darlegen, dass es nicht einfach damit getan ist, ein Verbot zu fordern. Eine auch auf der Straße stärkere Beschränkung der Sohlendicke könnte ich mir durchaus vorstellen (ohne jedoch genau zu wissen, wie viel Vorteil dann noch übrig bliebe. Der erste "Superschuh" bei Asics hat interessanterweise eine so geringe Sohlendicke, dass er momentan auch auf der Bahn noch erlaubt ist. Man könnte sich da also durchaus was bei gedacht haben, wobei Sara Hall in London dann doch auch wieder mit einem deutlichen dicksohligeren Asics-Prototypen unterwegs war), allerdings ist das seitens des Weltverbandes wohl eher unrealistisch.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - RalfM - 08.12.2020

(08.12.2020, 17:43)vedo schrieb: Eine auch auf der Straße stärkere Beschränkung der Sohlendicke könnte ich mir durchaus vorstellen (ohne jedoch genau zu wissen, wie viel Vorteil dann noch übrig bliebe. Der erste "Superschuh" bei Asics hat interessanterweise eine so geringe Sohlendicke, dass er momentan auch auf der Bahn noch erlaubt ist. Man könnte sich da also durchaus was bei gedacht haben, wobei Sara Hall in London dann doch auch wieder mit einem deutlichen dicksohligeren Asics-Prototypen unterwegs war), allerdings ist das seitens des Weltverbandes wohl eher unrealistisch.

Genau das! Klingt wie Formel 1, nicht wie Laufsport.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - Andreas - 08.12.2020

Angenommen man würde jetzt die Sohlendicke tatsächlich reglementieren, wie soll das in der Praxis funktionieren. Muss man zukünftig, Corona-Krise jetzt mal ausgenommen, hunderte Läufer bei hochdotierten Marathons kurz vor dem Start einzeln die Sohlendicke ausmessen, ob sie wie die Skispringer bei den Anzügen, regelkonform sind und auch starten dürfen. Dazu gehört ein nicht zu unterschätzender Zeit-Aufwand. Am besten hinterher nochmal kontrollieren, ob sich nicht jemand doch noch kurz vorher andere Schuhe angezogen an. Wenn jemand eine nur um 1 mm dickere Sohle hat soll man ihn deswegen gleich disqualifizieren und ihn wie bei Dopingsündern sperren ?


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - OldSchoolRunner - 08.12.2020

(08.12.2020, 18:01)Andreas schrieb: Angenommen man würde jetzt die Sohlendicke tatsächlich reglementieren, wie soll das in der Praxis funktionieren. Muss man zukünftig, Corona-Krise jetzt mal ausgenommen, hunderte Läufer bei hochdotierten Marathons kurz vor dem Start einzeln die Sohlendicke ausmessen, ob sie wie die Skispringer bei den Anzügen, regelkonform sind und auch starten dürfen. Dazu gehört ein nicht zu unterschätzender Zeit-Aufwand. Am besten hinterher nochmal kontrollieren, ob sich nicht jemand doch noch kurz vorher andere Schuhe angezogen an. Wenn jemand eine nur um 1 mm dickere Sohle hat soll man ihn deswegen gleich disqualifizieren und ihn wie bei Dopingsündern sperren ?
Wenn WA die Reduzierung wirklich wollte, könnten die Schuhhersteller das locker umsetzen. Die könnten regelkonforme Schuhe produzieren, die irgendeine Kennzeichnung haben (Farbe, Aufdruck, was auch immer). Wenn dann trotzdem noch jemand einen Schuh fälscht, dann muss man eben bei Verdachtsfällen den Schuh untersuchen.


RE: Valencia Marathon - 06.12.2020 (Kandie WR 57:32 - Petros DR 2:07:18) - vedo - 08.12.2020

(08.12.2020, 18:01)Andreas schrieb: Angenommen man würde jetzt die Sohlendicke tatsächlich reglementieren, wie soll das in der Praxis funktionieren. Muss man zukünftig, Corona-Krise jetzt mal ausgenommen, hunderte Läufer bei hochdotierten Marathons kurz vor dem Start einzeln die Sohlendicke ausmessen, ob sie wie die Skispringer bei den Anzügen, regelkonform sind und auch starten dürfen. Dazu gehört ein nicht zu unterschätzender Zeit-Aufwand. Am besten hinterher nochmal kontrollieren, ob sich nicht jemand doch noch kurz vorher andere Schuhe angezogen an. Wenn jemand eine nur um 1 mm dickere Sohle hat soll man ihn deswegen gleich disqualifizieren und ihn wie bei Dopingsündern sperren ?
Das passiert sogar jetzt schon so mit der Regulierung auf 40mm auf der Straße und 25mm auf der Bahn. World Athletics führt eine Liste von erlaubten Schuhen (siehe https://www.worldathletics.org/news/press-release/list-of-approved-competition-shoes-published) und vor dem Rennen wird das scheinbar zumindest bei den großen Rennen abgeglichen, siehe z. B. ein Zitat aus diesem Artikel (London-Marathon):
Zitat:An official checked the shoes against the new list of approved models. It was a nervous affair for some. “The Hoka athletes panicked because their shoes weren’t on the list,” Cockram says. But it turned out to be an admin error.