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Zu frühe Spezialisierung? - Druckversion

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RE: Zu frühe Spezialisierung? - Sprunggott - 10.09.2020

(10.09.2020, 10:03)Jo498 schrieb: Von Turnen und Eislauf gar nicht anzufangen. LA ist eh schon eine der Sportarten, in denen man junge Teenager relativ "schonen" kann, sowohl was das Training als auch die Spezialisierung betrifft. Darüber können wir froh sein, denn zB beim Turnen gibt es im Grunde nur die Entscheidung, Kinder einem heftigen Training zu unterziehen oder international völlig bedeutungslos zu sein.
Es gibt Beispiele für starke relative Späteinsteiger (zB Mohumed, aber auch Probst, früher Schultze und Schumann), aber spätestens seit Jakob I. (und zahlreichen Afrikanern und Amerikanern) wissen wir, dass sich frühe Spezialisierung und professionelles Training außerordentlich lohnen kann. Man kann natürlich immer noch meinen, dass das für Teenager zu riskant ist, aber das ist einfach eine andere Frage.
Beim Turnen o. Eiskunstlauf hat man aber auch weniger Zeit - int. pick bei 16-20 Jahren (bis auf Außnahmen).
Nadine Visser, Dafne Schippers, David Oliver, Félix Sánchez wären mal ein par Bsp. die später ihre Disziplin fanden.
Es gibt auf beiden Seiten Argumente!


RE: Deutsche Jugendmeisterschaften 2020 - Heilbronn, 04.-06.09.2020 - Nanobot - 10.09.2020

(10.09.2020, 08:42)Jo498 schrieb:
(09.09.2020, 19:52)Nanobot schrieb: Mir ging es darum ob es nicht sinnvoll wäre z.B. bis zum Ende der U23 "breiter" zu trainieren und dann (wenn klar(er) absehbar ist in welcher Disziplin das größte Potential (zu guten Platzierung bei Weltmeisterschaften/Olympia) vorhanden ist) erst zu spezialisieren. Könnte man nicht z.B. bis zum Ende der U23 sagen, dass alle Sprinter auch den Weitsprung und die Hürden trainieren und wenn man dann merkt dass es über die 100 m nie für ganz oben (im internationalen Maßstab) reicht, dann konzentriert man sich auf die Hürden oder den Weitsprung.
Hohe Hürden (Männer) und Weitsprung sind Disziplinen, die man nicht einfach so "mitmachen" kann (und beide auch verletzungsträchtig). Die Idee, bis ca. 16-17 ein breites "Mehrkampftraining" zu machen, ist vermutlich bei vielen Jugendlichen sinnvoll. Aber bis über 20 ist i.A. sicher zu lange. Es gibt auch erfolgreiche späte Wechsel, bei denen man sich fragt, warum man das nicht eher ausprobiert hat (Krawczik von Kurz.- zu Langhürden). Aber gerade in einer eher brotlosen Sportart wie LA muss man dem Nachwuchs Gelegenheit geben, an internat. U18/20/23-Meisterschaften teilzunehmen und ggf. Medaillen zu gewinnen. Wenn da jemand bessere Chancen im Dreisprung, über Hürden oder Hindernis sieht, wird er/sie das natürlich machen, statt über 100m, 400m oder 1500m zu Hause zu bleben Wink Und ähnliches gilt auch für die Athlet/innen eine Reihe dahinter, die eher über 400 Hürden eine DM-Quali schaffen als über die Flachstrecke.
Wenn Gesa Krause nicht schon in der Jugend Hindernis gelaufen wäre, wäre sie nicht mit 19 in einem (Erwachsenen)WM-Finale gelaufen und ein Jahr später bei den OS London, tatsächlich hätte sie über 1500m vielleicht gerade so an einer oder zwei WM teilgenommen, ohne jede Finalchance.
Zwar gibt es bei den Herren keine solchen Nischendisziplinen mehr wie 400h und Hindernis bei den Frauen, aber auch da ist nicht alles so stark besetzt wie die flachen Laufstrecken.
Zitat:aber aus Verbandssicht wäre es mMn "besser" 1 oder 2 Athleten zu haben die das Finale erreichen und eventuell eine Medaille gewinnen als 1 oder 2 Staffeln die relativ chancenlos im Vorlauf ausscheiden.

Es müssen welche im VL ausscheiden, sonst könnte man die VL gleich sparen und die Meisterschaft wäre kleiner. Staffeln sind eigene Wettbewerbe und als solche zu betrachten.
V.a. ist es aber doch nicht so, dass man da die Wahl hätte! Die besten Sprinterinnen in Deutschland haben bei WM/OS eine kleine Solofinalchance, die Staffel hat aber meistens eine Medaillenchance. Bei den Männern hat momentan keiner eine Finalchance, die Staffel aber mit etwas Glück.

Es ist sicherlich richtig, dass Jugendliche Erfolgserlebnisse brauchen um dabei zu bleiben, aber mMn ist auch die Art der Förderung ein Problem. Soweit ich weiß, werden vor allem diejenigen gefördert, die in einem bestimmten Alter die besten Leistungen bringen, das sind aber nicht unbedingt diejenigen mit dem größten Potential. Ein langfristigerer Aufbau und die Vermeidung von Übertraining im Jugendalter wird also gewissermaßen bestraft. Das Ziel sollte eigentlich sein, dass jemand möglichst lange an seinem Leistungsoptimum agiert und nicht dass er möglichst schnell möglichst gut ist und dann eventuell schnell wieder abfällt. Natürlich macht frühe Spezialisierung auch in vielen Disziplinen (Wurfdisziplinen, Stabhochsprung etc.) Sinn, aber mMn wäre es sinnvoll ein "2. Standbein" zu haben, falls man merkt, dass die Grundgeschwindigkeit nicht reicht um über die Flachstrecken (100 m/400 m/3000 m) ganz nach vorne zu kommen. Wenn man die letzten Jahre oder sogar Jahrzehnte betrachtet, dann ist es für deutsche Athleten relativ aussichtslos auf diesen Strecken auch nur annährend weltklasse zu werden. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, wie sinnvoll es ist jedes Jahr die besten/schnellsten Talente in Disziplinen zu "stecken" in denen sie internatioal nie etwas erreichen werden, anstatt die besten Talente in Disziplinen zu "stecken" in denen sie realistischerweise zumindest ein WM-/Olympia-Finale erreichen können. Meiner Meinung nach findet aktuell einfach eine wahnsinnige systematische Verschwendung von Talenten statt. Das ist als hätte ich 500000 € um mir ein Grundsück zu kaufen und ein Haus zu bauen und anstatt mir ein Grundstück irgendwo in Deutschland zu kaufen und ein Haus darauf zu bauen, kaufe ich von dem Geld ein 10 qm Grundstück in Monaco und baue darauf ein Haus, das so klein ist, dass ich darin nicht wohnen kann ...

Noch etwas zum Mehrkampftraining: Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass viele der besten europäischen Sprinter der letzen Jahre (Roleder, Visser, Schippers, Warholm) alle ursprünglich Mehrkämpfer waren und sich dann erst relativ spät spezialisiert haben. Ich denke all den gerade genannten hat die späte Spezialisierung auch nicht unbedingt geschadet.


RE: Zu frühe Spezialisierung? - Jo498 - 10.09.2020

Mehrkampf in der Jugend und dann Spezialisierung ist ja nichts irgendwie neues, sondern der klassische Weg. Warholm konnte nicht so gut werfen, daher ist er gewechselt. Mit 20 zu den Hürden, 400 flach ist er vorher schon auch einzeln gelaufen. Bei den Siebenkämpferinnen ist es nochmal was anderes, da bei den Frauen die Leistungsdichte insgesamt nicht so hoch ist und der Siebenkampf sehr sprint/sprunglastig ist.
Zitat:Wenn man die letzten Jahre oder sogar Jahrzehnte betrachtet, dann ist es für deutsche Athleten relativ aussichtslos auf diesen Strecken auch nur annährend weltklasse zu werden. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, wie sinnvoll es ist jedes Jahr die besten/schnellsten Talente in Disziplinen zu "stecken" in denen sie internatioal nie etwas erreichen werden, anstatt die besten Talente in Disziplinen zu "stecken" in denen sie realistischerweise zumindest ein WM-/Olympia-Finale erreichen können.
Erstens ist das ja keine feststehende Tatsache, wo "man" gut ist; irgendwann früher war Deutschland über 400m Männer oder beim Hammerwerfen ziemlich gut, im Stabhochsprung weniger. Das ist inzwischen anders, hängt von sehr vielen Faktoren ab, nicht nur von selbsterfüllenden Prophezeihungen. Zweitens halte ich es für nicht richtig, dass die besten Talente häufig in aussichtslosen Disziplinen agieren, in denen sie international keine Chance haben. Wie kommst Du darauf, dass das so wäre und jemand wie Reus zB im Weitsprung eher konkurrenzfähig wäre? Sicher gibt es manchmal Fälle, in denen jemand nicht zur idealen Disziplin findet, das wird sich nie ganz vermeiden lassen und das Ausprobieren von Nebendisziplinen sollte in der Jugend jedenfalls normal sein, klar. Aber ich glaube nicht, dass in D massenhaft Athleten in der "falschen" Disziplin unterwegs sind. Wirklich ändern kann man das nur unter einem extremen Konkurrenzdruck wie in den USA, die fast überall so eine Leistungsdichte haben, dass man sonst keine Chance hat.
Drittens kann man nicht alles nur unter dem Hinblick der absoluten Weltspitze betrachten, denn dann müsste man eine Anzahl Disziplinen "dicht machen" und hätte dann auch nie mehr später eine Chance auf Spitzenleistungen. Außerdem besteht auch Leistungssport nicht nur aus Weltspitze.
Und nochmal: Es müssen auch Leute teilnehmen, die nicht ins Finale kommen, sonst könnte man die WM gleich nur mit 8 Finalisten machen.


RE: Zu frühe Spezialisierung? - RalfM - 10.09.2020

Und selbst, wenn man erst mal leichtathletischer Mehrkämpfer war, kann man hinterher noch Erfolg im Sport haben,
wie schon Hans-Peter Briegel bewies.


RE: Zu frühe Spezialisierung? - Gertrud - 11.09.2020

Zitat:
(06.09.2020, 19:46)Hürdenfan schrieb: Die beiden Überfliegerinnen aus 2018 Braun und Buschendorf sind über die 0,84 Hürde bisher nicht annähernd an die Zeiten rangekommen,  Niedermayer 2016 und Butzek 2013 sind auch solche Beispiele. 2008 und 2009 hat jeweils eine Elke Boxhammer die U 18 gewonnen, danach hat man nie mehr was von ihr gehört. Von daher muss man immer abwarten.
Als Laie frage ich mich, wie sinnvoll es ist sich so früh schon auf die Hürden (100/110/400 m) zu spezialisieren? Sollten man sich in diesem Alter nicht darauf konzentrieren die Grundschnelligkeit zu maximieren? Ich habe das Gefühl, dass den deutschen Spezialisten oft einfach die Schnelligkeit fehlt, wodurch man selbst bei perfekter Technik international kaum eine Chance auf Medaillen ist. 

Es ist sicherlich nicht verkehrt, die koordinativen Belange frühzeitig zu fördern. Da gibt es ein Zeitfenster altersmäßig, dass man möglichst nicht versäumen sollte. Allerdings ist die Schnelligkeit schon auch in die Wiege gelegt worden. "Aus einem Gaul kann man kein Rennpferd machen" - auch mit den besten Mitteln nicht. Wenn dazu dann manchmal noch Trainerwechsel vorgenommen werden, wobei man sich qualitativ nicht verbessert, enden solche Karrieren oft in der Sackgasse. 

Der Wechsel der Hürdenhöhen kann ebenfalls wie der Wechsel des Kugelgewichtes "die Spreu vom Weizen trennen". Daher sind manchmal so hochgezogene Jugendliche später nicht erfolgreich, weil schlichtweg die Falschen gefördert werden. Ich bin damals als DLV-Trainerin nicht nach der Bestenliste in der Kadernominierung gegangen, sondern habe mit Steffi Storp und Claudia Mues Athletinnen als Kadermitglieder ausgesucht, die von ihrem Talent, aber nicht ihrer damaligen Leistung entsprechend prädestiniert schienen.

Nehmen wir aber die frühe Hinwendung von Armand Duplantis! Er hat sicherlich trotz der frühen Spezialisierung wahrscheinlich doch in einem sehr weiten Rahmen viele Fähigkeiten entwickelt, u.a. den Bereich der Schnelligkeit. 

Gertrud


RE: Zu frühe Spezialisierung? - patrese - 11.09.2020

Zitat: Daher sind manchmal so hochgezogene Jugendliche später nicht erfolgreich, weil schlichtweg die Falschen gefördert werden. 
Klingt interessant.

Darf man das so verstehen, dass hochgezogene Jugendliche erfahrungsgemäss in jungen Jahren eher schwächere Leistungen bringen als jene die kompakter sind? Falls ja, wie lässt sich das am ehesten erklären?

Oder habe ich die Aussage falsch verstanden Blush


RE: Zu frühe Spezialisierung? - Gertrud - 11.09.2020

(11.09.2020, 10:06)patrese schrieb:
Zitat: Daher sind manchmal so hochgezogene Jugendliche später nicht erfolgreich, weil schlichtweg die Falschen gefördert werden. 
Klingt interessant.

Darf man das so verstehen, dass hochgezogene Jugendliche erfahrungsgemäss in jungen Jahren eher schwächere Leistungen bringen als jene die kompakter sind? Falls ja, wie lässt sich das am ehesten erklären?

Oder habe ich die Aussage falsch verstanden Blush

Mit hochgezogen meine ich in der Leistung in der Jugend forciert. Hochgezogene Jugendliche haben insgesamt früher sehr gute Leistungen, die aber später nicht nachhaltig sind. Hochgezogene Jugendliche nenne ich solche, bei denen schon sehr früh Erwachsenen-Trainingsinhalte angewendet werden, bei denen aber im Grunde klar ist, dass die Leistungskurve relativ früh seinen Zenit erreicht. Es fehlen die Zubringer für die Spitze im Erwachsenenalter. Das "Gesamtpaket" muss mich faszinieren. Es kommt auch ganz stark darauf an, wie viel und was trainiert wird. Wenn schon sehr viel spezifisch mit Defiziten in der Breite trainiert wird, halte ich das für verbesserungswürdig. 

Man muss als Trainer/in ein Auge für "Rohdiamanten" haben. Das heißt, dass man das Talent in den Fähigkeiten erkennen muss. Da sind für mich nicht immer die Ergebnisse maßgebend. Ich habe mich bisher noch nie im Talent geirrt und vor allem nicht in der Zuordnung der Disziplinen. Bei Mues und Storp wollten die Eltern den Weg zum Mehrkampf, was ich sofort begradigt habe. Ich würde z. B. auch eine L. Grauvogel eher in einer Einzeldisziplin als im Mehrkampf sehen. Ich müsste sie in ihrer Lernfähigkeit im Mehrkampf aber testen, ob sich Schwächen beseitigen lassen. Schwierig wird es auch bei Athletinnen, die nicht so die Schnelligkeit mitbringen. Da kommen dann später durch die Punktesammlung in den anderen Bereichen sehr schnell Verletzungen hinzu. Dazu muss ich dann sagen, dass kaum ein Trainer die Hintertür in Richtung Schnelligkeit für mittlere Begabungen kennt. Wink ‌Ich merke auch hier immer wieder, wie wenig übergreifend Unfähigkeiten betrachtet und ins Positive transferiert werden.

Ich habe bei meinen AuA immer erst mein volles Repertoire an Übungen und Wissen angewendet, wenn ich vom absoluten Talent, den Zubringern, der Chemie zwischen den Beteiligten überzeugt war und einfach Vertrauen bestand. Ich habe noch nie "Wackelkandidatinnen" mit meinem vollen Wissen konfrontiert. 

Ich selbst brauche absolut im Mehrkampf, Kugelstoßen, Speerwurf und Diskuswurf keinen BT als "Einmischer". Ich bin dazu in der Lage, Talente stark prophylaktisch und in der Disziplin von unten bis oben ohne Zeitverschwendung und in dualer Weise zu führen. "Viele Köche verderben den Brei!!!"

Gertrud


RE: Zu frühe Spezialisierung? - dominikk85 - 11.09.2020

Wer gewinnt hat RechtSmile. Am Beispiel der Norweger sieht man ja den mehrkämpfer warholm und die Früh spezialisierten ingebrigtsens die beide sehr erfolgreich sind.

Und dann kommt es auch auf die Disziplin an. Bei technisch anspruchsvollen Sportarten wie Stabhochsprung ist ein relativ früher Start sinnvoll. Es muss keine Spezialisierung sein aber Grundlagen müssen da sein.

Im Sprint ist es dagegen so das schon Grundlagen gelegt werden müssen, aber das muss nicht im Sprint passiert sein, es gibt ja z.b ein paar Sprinter um 10.00 (z.b adam gemili) die bis 15-16 Fußballer waren wo ja auch im Spiel und manchmal im Training gesprintet wird.


RE: Zu frühe Spezialisierung? - Gertrud - 11.09.2020

Es spricht nichts dagegen, wenn frühzeitig eine Disziplin favorisiert wird, wenn auch andere Grundlagen gelegt werden. Es kommt wesentlich darauf an, dass nicht bestimmte Sachen total überbetont und überbelastet werden. Bei den Ingebrigtsens hat auch ein Athletiktraining stattgefunden. Es kommt immer auch auf den Einzelfall an und natürlich auch auf die ausreichenden Regenerationsphasen. Es kommt auch darauf an, in welcher Form die Wirbelsäule z. B. in die Zange genommen wird, wie Fehlbelastungen schon relativ früh nicht beachtet werden. 

Gertrud


RE: Zu frühe Spezialisierung? - Nanobot - 12.09.2020

(11.09.2020, 14:27)dominikk85 schrieb: Wer gewinnt hat RechtSmile. Am Beispiel der Norweger sieht man ja den mehrkämpfer warholm und die Früh spezialisierten ingebrigtsens die beide sehr erfolgreich sind.

Und dann kommt es auch auf die Disziplin an. Bei technisch anspruchsvollen Sportarten wie Stabhochsprung ist ein relativ früher Start sinnvoll. Es muss keine Spezialisierung sein aber Grundlagen müssen da sein.

Im Sprint ist es dagegen so das schon Grundlagen gelegt werden müssen, aber das muss nicht im Sprint passiert sein, es gibt ja z.b ein paar Sprinter um 10.00 (z.b adam gemili) die bis 15-16 Fußballer waren wo ja auch im Spiel und manchmal im Training gesprintet wird.

Das ist eine andere Diskussion ...
Mir ging es vor allem darum, ob es nicht sinnvoll wäre sich ein "2. Standbein" aufzubauen, falls man merkt, dass die reine Geschwindigkeit über 100/400/3000 m nicht für die Spitze reicht. Ingebrigtsen ist ja z.B. auch mit 16 oder 17 die 3000 m Hindernis gelaufen. Wenn man sich die letzen Jahre oder sogar Jahrzehnte anschaut, dann kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass es für europäische Männer fast aussichtslos ist über 100/400/5000/10000 m eine Medaille bei einer WM/Olympia zu gewinnen. Es ist kein rein deutsches Problem, sondern betrifft alle europäische Nationen. Lässt man Farah (in Somalia geboren, die meiste Zeit in den USA trainiert) außen vor, dann hat (soweit ich weiß) seit der WM 2011 kein Europäer mehr eine Medaille über 100/400/5000/10000 m bei einer WM/Olympia gewonnen. In der gleichen Zeit haben viele Europäer Medaillen über die 110 m/400 m Hürden/3000 m Hindernis (14 Medaillen, wenn man die Medaillen von Ortega und Copello nicht mitzählt) gewonnen. Angesichts dieser Tatsache frage ich mich, wie sinnvoll es ist die besten/schnellsten Talente auf Disziplinen zu konzentrieren in denen man nachweislich (deutlich) schlechtere Medaillenchancen hat? Würde eine (natürliche) Umverteilung der Talente stattfinden, wenn es nicht die "Hintertüre" der Staffeln gäbe, durch die man "einfach(er)" zu Großereignissen kommt?