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Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Druckversion

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RE: Netzfundstücke - Robb - 19.09.2019

(19.09.2019, 10:16)nico schrieb: In allen Punkten Recht? wer soll das bezahlen? Regierung, DLV, wir als Steuerzahler?

Solange wir Politiker und Funktionäre an der Spitze haben, die sportlichen Erfolg nach der Zahl der gewonnenen Medailen bewerten, sollten sie die Sportler auch entsprechend unterstützen. Das war schließlich der Grund für Hörmanns Spitzensportreform, mehr Geld für die Topathleten und dadurch höhere Medaillenausbeute.


RE: Netzfundstücke - aj_runner - 19.09.2019

Natürlich ist die fehlende finanzielle Absicherung ein wesentlicher Punkt, warum viele ihre Karriere vorzeitig abbrechen bzw. erst gar nicht entwickeln und nach den U20-Jahren aufhören. Wir hatten da auch mal eine 8,50 m-Weitspringer der auf einmal weg war ...
Eine andere Frage ist, wer das finanzieren soll. Alina und Koko (bis zum NOP-Wechsel) haben z.B. ein Elternhaus, die das entsprechend unterstützen. Ein Florian Orth ist jetzt Zahnarzt in Teilzeit und bringt dementsprechend auch nur Teilzeit-Leistungen. Alexandra Wester modelt und verliert den Fokus... Die Liste könnte endlos weitergeführt werden.
Das gleich gilt für die Trainer. Immer nur (bei BT auf 4 Jahre) befristete Verträge, ungesicherte Anstellungsverhältnisse usw. Nicht umsonst ging  u.a. Ralf Bartels als Trainer verloren.


RE: Netzfundstücke - Jo498 - 19.09.2019

Manches kann man kaum übers Knie brechen. Dass jemand auf dem Level von Alina Reh oder auch Ringer nicht wenigstens ein paar Jahre solide gesponserter Vollzeitprofi sein kann, wäre in den USA wohl kaum denkbar. Dafür ist aber der Markt in D einfach nicht groß genug, dass Adidas oder Asics hier sagen würden, wir geben Dir 4 Jahre lang 50k pro Jahr (was immer noch mickrig ggü. NOP wäre). So etwas kann man aber nicht einfach so erzwingen, die USA sind nun einmal ein 4-5mal so großer Laufschuhmarkt.

Was die Verbände und die Politik machen könnten, wäre zB eine Ausdehnung des Sportsoldaten/polizistenmodells auf den gesamten öffentlichen Dienst. Sicher ist Verwaltungsfachangestellter o.ä. auch nicht jedermanns Traumberuf. Aber man könnte hier Ausbildungsgänge einrichten, die entsprechend gestreckt werden können und bei denen die Sportler dann die Option auf Teilzeitanstellung haben bzw. freigestellt werden und eben nach Ende der Karriere dann einen Anspruch auf einen sicheren ÖD-beruf hätten, wenn sie wollen. Da wären auch Berufe dabei, die nicht die Anforderungen und den Anspruch eines vollakadem. Studiums haben. Denn nicht alle Sportler sind auch anderweitig überdurchschnittlich begabt.

Was Kinder/Jugend betrifft. Bei einem meiner ersten WK mit 13 wurde ich, wenn ich recht erinnere, 2. von drei TN (Kreismeisterschaften Cross A-Schüler). Das war 1985, bevor die Jahrgangsklassen eingeführt wurden.
Ein Jahr später waren die Felder so dünn, dass ich mich erinnere, wie ich und ein Vereinskamerad kurzfristig nachgemeldet wurden, weil drei TN Mindestzahl war und Hochsprung und Speer bei den Kreismeisterschaften 1986 sonst ausgefallen wären, da vorher nur einer oder zwei gemeldet hatten. Da wurde ich dann mit lächerlichen 21,18 m 2. im Speer und mit 1,45 2. im Hochsprung. Ob es über 100m Vorläufe gab, weiß ich nicht mehr, da ich auch dort 2. werden konnte (14,2 handgestoppt auf Asche) war das Niveau auch recht dürftig.
Zugegebenermaßen waren das "Wellen". Die Mädchen in unserem Jahrgang waren sehr viel stärker besetzt und sowohl bei den etwas älteren 70/71 und etwas jüngeren Jahrgängen war es ebenfalls dichter und besser und vielleicht hat sich das landes- oder bundesweit irgendwie rausgemittelt. Aber verglichen mit der Dichte, die die Trainer und ältere noch aus den 70ern kannten, waren die 1980er bei den Schüler/Jugendklassen auch schon ziemlich dürftig. (Entspricht teils einfach der Demographie: Der stärkste Jahrgang war 1965 und spätestens ab ca. 1975 wurden die Jahrgänge deutlich kleiner.)


RE: Netzfundstücke - laulau - 19.09.2019

Ich denke das Sport heutzutage nicht mehr so im Fokus der 15-30 Jährigen ist.
Früher gab es noch Idole im Sport.
Jetzt sind es die ganzen Influencer die im Fokus stehen. 
Immer weniger Jugend schaut Öffentlich Rechtliches Fernsehen. 
Es wird gestreamt, Nachrichten werden auch kaum konsumiert.
Mann liest viel zu wenig über Leichtathletik und andere Sportarten. Sei denn es ist ein neuer Doping Skandal. 
Ausser natürlich Fußball. 
Wie viele Leute haben mich schon nach Koko befragt.
Wie die denn aufeinmal  diese Leistung bringt. 
Das geht doch nur mit Doping.
Dabei hatte sich das ganze ja schon über Jahre angedeutet. 
Aber es ist halt nie wirklich darüber berichtet worden. 
Es kannte sie ja kaum jemand.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - gera - 21.09.2019

ich finde den Anspruch mancher Leistungssportler zu hoch, wenn sie mehr finanzielle Absicherung fordern.
Oder wie schon gehört bei Olympiasieg eine lebenslange Rente , usw.
Der Staat, also auch die Nicht- sportinteressierten bezahlen das.
Schließlich ist Sport doch hauptsächlich ein privates Hobby.
Ich nehme gern ein niedrigeres Niveau der paar Spitzenleute in Kauf, mehr zählt für mich die Ehrlichkeit der Sportler.
Der Anspruch, einmal was außergewöhnliches geleistet, und nun kann ich ein davon ein Leben lang gut leben, ist für mich einfach zu hoch.
Wenn es sich so ergibt, na dann. Aber fordern? Nein.
Wer sich in seinen aktiven Zeiten nicht mindest gleich intensiv um seine berufliche Zukunft kümmert, ist schlecht beraten, so klar sehe ich das. 
Fördern sollte man als erstes die Sicherung der Möglichkeit der Sportausübung für Kinder und Jugendliche. Das macht aus gesellschaftliche Sicht mehr Sinn.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Jo498 - 21.09.2019

Die lebenslange Rente für Olympiasieger gab es schon bei den alten Griechen.
Wenn ich mir ansehe, was es in D für Versorgungsleistungen von der Sozialhilfe bis zum "Ehrensold" (u.ä. golden handshakes) gibt, schiene mir eine lebenslange Grundrente für Spitzensportler weder die abwegigste noch die ungerechteste in diesem Spektrum. Wobei es sicher besser wäre, eine vernünftige Vereinbarkeit von Sport und Ausbildung herzustellen. Warum das bei Kleinert bis Mitte 30 nicht möglich? war, verstehe ich auch nicht ganz.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Gertrud - 21.09.2019

(21.09.2019, 09:26)Jo498 schrieb: Die lebenslange Rente für Olympiasieger gab es schon bei den alten Griechen.
Wenn ich mir ansehe, was es in D für Versorgungsleistungen von der Sozialhilfe bis zum "Ehrensold" (u.ä. golden handshakes) gibt, schiene mir eine lebenslange Grundrente für Spitzensportler weder die abwegigste noch die ungerechteste in diesem Spektrum. Wobei es sicher besser wäre, eine vernünftige Vereinbarkeit von Sport und Ausbildung herzustellen. Warum das bei Kleinert bis Mitte 30 nicht möglich? war, verstehe ich auch nicht ganz.

Genau die Frage stelle ich mir auch. Es gibt mehrere Faktoren, die für die beiden Richtungen richtig und falsch in Frage kommen. Zunächst einmal ist das Elternhaus prägend. Ich würde als Mutter Kinder immer so schulen, dass sie den Beruf nicht zugunsten des Sportes vernachlässigen - never!!!

Dann sehe ich eine gewisse Verantwortung auch bei TuT. Ich kann mich gut erinnern, dass ich damals mit Sabine Braun zu Herrn Steilmann gegangen bin und sie in die Lehre mit gewissen Vergünstigungen ging und die Lehre mit "gut" abschloss. Allerdings hat sie danach die Weichen aus meiner Sicht nicht richtig gestellt. Das hat Steffi Storp beim VW-Werk besser angetroffen. Ich hätte mir für Sabines Fähigkeiten einen anderen Einsatz gewünscht. Sie kann Abitur und Ausbildungen als Industriekauffrau, Ernährungsberaterin und im Sportmanagemant vorweisen und müsste aus meiner Sicht mehr im Management mit entsprechenden Konditionen eingesetzt werden. Das müsste man aber auf Führungsebenen erkennen. Wink ‌ 

Der DLV sollte ebenfalls im Rahmen seiner Möglichkeiten behilflich sein. Vor allem sollte er vom Druck abweichen, wenn es um Team-TL geht. Prüfungen und Arbeiten sind einfach wichtiger für die spätere Lebensausrichtung als obligatorische TL und auch TL kurz vor der WM, wenn danach berufliche Nachteile entstehen. Da wäre ich als Trainerin ganz auf hart eingestellt. Die Medaillen und Urkunden bringen später im Beruf recht wenig. 

Arbeitsstellen, Universitäten, Ausbildungsstätten allgemein und Schulen können in einem sehr großen Rahmen für Erleichterungen der Vereinbarkeit sorgen.

Letzten Endes entscheidet die mündige Athletin über ihren Weg sukzessive oder in dualer Form in der entsprechenden Richtung. Das bedeutet Einsicht und Arbeit auf beiden Gebieten. Sicherlich ist die Machbarkeit auch eine Frage der Intelligenz und Eignung. 

Den Weg, den MM bestreitet, finde ich mutig und richtig. Es wird in dem Team Weber/Mihambo aus meiner fernen Sicht alles zum Wohle der Athletin vorrangig durchgeführt - und das ist gut so!!!

Gertrud


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Astra - 21.09.2019

Kleinert war doch bei der Bundeswehr. Ich erinnere mich, dass sie am Ende dort eine Ausbildung bekommen hat (wie alle die länger bei der BW sind).
Vermutlich hat sie sich eine Ausbildung zum Diplontrainer bezahlen lassen - und dann ebenso wie Bartels keine längerfristige Stelle in einem Verein gefunden, der allerdings das Glück hatte als Sportlehrer übernommen zu werden.
Vielleicht sollten die Sportler mal darüber nachdenken und sich etwas sinnvolleres bezahlen lassen.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - aj_runner - 21.09.2019

Ich finde, dass die Diskussion am Kern vorbei geht. Nadine Kleinert hat die These aufgestellt, dass die LA den Bach runter geht und das liegt u.a. an der schlechten finanziellen Absicherung sowohl der Athleten als auch der Trainer.
Ich kenne persönlich einen BT der am Ende des Olympia-Zyklus immer im Unklaren war, wie es beruflich weitergeht. Nicht jeder Trainer hat die Möglichkeit wieder in den Beamtenstatus zurückzukehren!! Ebenso haben die wenigsten einen Herrn Steilmann im Hintergrund oder sind durch die Familie abgesichert.
Dass viele Athleten im Zweifel die berufliche Karriere vorziehen wird ja hier von den meisten gefordert. Auch ich finde das gut. Gleichzeitig ist es aber so, dass uns dadurch viele Athleten verloren gehen. Für mich wäre daher vielmehr die Frage, welche Lösungsmöglichkeiten für ein sowohl als auch gibt. Das entweder oder beschreibt den Status quo.


RE: Nadine Kleinert bei spiegel-online: "In zehn Jahren ist die Leichtathletik tot" - Jo498 - 21.09.2019

Was an Kleinerts These und den Problemen ist denn überhaupt LA-spezfisch? Betrifft das nicht zB die anderen der "Finals"-Sportarten und etliche weitere ganz genauso, oder jedenfalls sehr ähnlich?

Bei den Trainern weiß ich es auch nicht, weil ich schlicht zu wenig über das System weiß.
Bzgl. der Athleten habe ich oben einen Vorschlag einer Art Vorzugsbehandlung im öffentlichen Dienst jenseits von Polizei und Militär gemacht. Wie man andere AG "bestechen"/verlocken könnte, Sportlern Teilzeitmodelle, die funktionieren, anzubieten, weiß ich auch nicht. Wenn man sich aber überlegt, welche riesigen Mittel in andere Formen "sozialer Arbeit", also alle möglichen Formen mit öffentlichen Mitteln unterstützter Arbeitsplätze von Behindertenwerkstätten bis zu Wiedereingliederungs/Resozialisierungs etc. Maßnahmen, regionale Subventionen... fließen, kann es eigentlich nicht sein, dass man für Sportler nicht ein paar Millionen locker machen kann, um denen mehr Flexibilität zu ermöglichen.