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Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit (/showthread.php?tid=2725) Seiten:
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RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - Robb - 27.01.2018 Ne, ich hab Bolt die 9.58 laufen sehen und weiß, dass er nichtmal durchgezogen hat. Mathematisch ein Ausreißer, aber an dem Tag wäre er die auch dreimal hintereinander gelaufen. Hat denn mal jemand Kiltys beste Reaktionszeiten zusammengerechnet? Er wurde ja mehrfach mit 0.98, 0.99 etc disqualifiziert, da würde mich schon interessieren, wie sein Schnitt ist. Ich sag ja auch nicht, dass die Reaktionszeiten grundsätzlich zu schaffen sind, aber ich glaube an Ausnahmetalente. RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - dominikk85 - 27.01.2018 Früher war es mit der 2 Fehlstart Regel glaube ich auch noch gebräuchlicher zu raten. Wenn der Starter Ben gleichmäßigen Rhythmus hatte und man den kannte hat man halt versucht da zu tricksen und hoffte nicht erwischt zu werden. War teilweise recht nervig, gut das die Regel da geändert wurde. RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - Atanvarno - 27.01.2018 Wie ärgerlich, da suche ich noch ein paar wissenschaftliche Studien, um meine Position zu untermauern und stoße stattdessen auf eine, die mir den Boden unter den Füßen wegreisst ![]() Sprint starts and the minimum auditory reaction time Zitat:The results demonstrate that the neuromuscular-physiological component of simple auditory reaction times Ob sich Richard Kilty eventuell bewusst bremsen muss? RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - lor-olli - 27.01.2018 Die erlaubte Reaktionszeit ergibt sich aus den physilogischen Grundlagen der menschlichen Anatomie - die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) ist abhängig von verschiedenen Faktoren: Dicke, myelinisiert oder nicht, saltatorische Erregungsleitung (kurze Distanzen), Temperatur, etc. Ausgehend davon, dass die menschliche Physiologie annähernd identisch ist, ergibt sich so aus der Wegstrecke vom Gehirn zu den Extremitäten eine Geschwindigkeit die bei Menschen annähernd gleich ist. Kleine / "kurze" Menschen profitieren in Bezug auf die Länge und die Leitungsgeschwindigkeit nur minimal, bzw. nicht messbar, dazu ist die Strecke im menschlichen Körper zu kurz, ein großer Sprinter kann also durchaus die gleiche Reaktionszeit haben wie ein Kleiner, allerdings sind gerade beim Start seine Hebel ungünstiger - das wirkt sich aber nur auf die ersten Schritte aus. 0,12 sec ergeben sich aus der Länge der Erregungsstrecke, mutlipliziert mit den Durchschnittswerten der Erregungszeit (intrafusale und extrafusale, der Prozess läuft nicht nur innerorganisch) ergibt sich so die Grenze. Funktionsbedingt (Chemische Prozesse) sind gleiche Zellen beim Menschen gleich schnell, es gibt also eine gute Begründung für diesen Grenzwert. Die Absenkung auf 0,100 sec soll aber auch eventuelle Messfehler berücksichtigen, ansonsten müsste jede Startanlage vor jedem Wettkampf neu geeicht werden… Starter sollen übrigens einen möglichst gleichen Rhytmus einhalten (wenn die Läufer den Vorgang nicht durch Unruhe stören), damit der Ablauf über mehrere Läufe fair bleibt, schließlich ermüdet ein Muskel der 5 Sekunden in der "Fertig-Position" hängt mehr, als einer der nur 2 Sekunden warten muss. Natürlich versuchen Sprinter so schnell wie möglich zu reagieren und durch das Antizipieren (DAS ist individuell !) kommen einige immer ganz gut an die Grenze. Über 60m kann das entscheidend sein. RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - lor-olli - 27.01.2018 @Atanvarno, Das eigentliche Problem schildern die Autoren in dem von Dir verlinkten Artikel aber auch - die Messung des Startvorgangs selbst. Jede Startmaschine, jede elektrische Zueitung, der Standort des Starters, sogar die Akkustik vor Ort und einiges mehr, beeinflussen das Messergebnis. Unter Laborbedingungen ist die Messung sehr genau, im Wettkampf aber so nicht zu gewährleisten. 85ms sind aber bezogen auf die Reaktion in den Beinmuskeln (und diese sollten schließlich den Ausschlag geben), grenzwertig. Mit den Händen kann man sogar schneller sein (gemessen mit professionellen Revolverschützen), Augenreflexe sind schneller etc. Im konkreten Fall kann der Läufer auf den Unterschied von 85ms zu 100ms auch nicht anders reagieren - "zurückhalten" führt zu einem verschlafenen Start. Um einen Fehlstart gesichert feststellen zu können, müssten wir direkt am Muskel messen, denn auch die Messdrucksensoren weisen eine gewisse Trägheit auf (wenn auch nur im Bereich von wenigen ms), in der Summe addieren sich aber die möglichen Fehlerfaktoren. Die 0,100 sec liegen meiner Meinung nach im sicheren Bereich. Das ist ähnlich wie im Diskuswurf bei der Frage, ob die Sohle des drehenden Fußes den Stahlreifen nun seitlich oder doch geringfügig oben berührt hat - kann man messen, der technische Aufwand wäre aber riesig. RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - runny - 28.01.2018 Ich tue mich ebenfalls schwer mit dieser Grenze, gerade weil es gut und schlecht reagierende Athleten gibt und weil die Reaktion eben auch in gewissem Maß trainierbar ist. Gehen wir davon aus, dass 0,12s die menschenmögliche Grenze ist um auf einen Startschuss zu reagieren, dann haben Kambundji und Mayer den Start also geraten? Leider bin ich medizinisch nicht so bewandert aber ist es nicht denkbar, dass durch gezieltes Training der Körper den "Umweg" über das Gehirn vermeidet und über polysynaptische Reflexe die Beine direkt angesprochen werden? RE: Fehlstartregel - warum 0,100 Reaktionszeit als Limit - TranceNation 2k14 - 29.01.2018 (28.01.2018, 23:10)runny schrieb: ist es nicht denkbar, dass durch gezieltes Training der Körper den "Umweg" über das Gehirn vermeidet und über polysynaptische Reflexe die Beine direkt angesprochen werden? Das dürfte ohne haptischen Stimulus (Berührung, Stromschlag) schwierig werden... |