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Verletzte Sprinterinnen - die Wiederkehr des letzten Jahrzehnts - Druckversion

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RE: Verletzte Sprinterinnen - die Wiederkehr des letzten Jahrzehnts - Atanvarno - 09.07.2017

(09.07.2017, 15:58)Robb schrieb: Lisa Mayer war verletzungsanfälig, bevor sie zu Harksen wechselte,
 
Zitat:Lisa erzählte mir mal, sie fühlt sich bei Ihnen »gut aufgehoben«. Wie erklären Sie sich das?

Finkernagel: Ich gehe halt auf sie ein. In den letzten Jahren hatte sie verletzungsbedingte Probleme. Das war nicht vom Training her, sondern wachstumsbedingt. Nachdem es wieder ging, haben wir beide beschlossen, wir trainieren mal anders. Nicht nach Plan, sondern so, wie es Lisas Körper hergibt. Und wenig später stellten sich die Erfolge ein. Das System haben wir bis heute beibehalten, auch wenn einige darüber ablästern. Das ist uns egal. Der Erfolg spricht für uns.
Quelle


RE: Verletzte Sprinterinnen - die Wiederkehr des letzten Jahrzehnts - Gertrud - 09.07.2017

(09.07.2017, 15:05)alex72 schrieb:
(09.07.2017, 15:00)Atanvarno schrieb: Mayer bei Harksen ist auch keine Kombination die für Optimismus in der Beziehung sorgt.
Man kann sich ja über Gertruds redundante Beiträge bezüglich des Umgangs deutscher Trainer mit dem Thema Verletzungspropyhlaxe aufregen so lange man möchte, aber sie hat verdammt nochmal Recht!
Thumb_up Thumb_up Thumb_up Thumb_up Thumb_up Thumb_up Thumb_up Thumb_up

Das Schlimme ist, dass ich gar nicht Recht haben möchte. Es kommen bei Verletzungen multiple Gründe dafür in Frage: individuelle und generelle. Fragen der funktionellen Anatomie (deren individuelle und generelle Schwachstellen), der exakten Technik, der angemessenen strukturellen Unterstützung, der Trainingsdosierung, des Umganges mit dem Energiesystem, der richtigen Entspannungszeit, der entsprechenden neuronalen Ansteuerung, der abgestimmten temporären Ernährung, dem Umgang mit alltagstauglichen Sachen ... Ich kenne z.B. den Körper meines jetzigen Schützlings so gut wie meine linke Westentasche. Am nächsten Sonntag geht´s gemeinsam nach einem Wettkampf mit dem Vater (Neurochirug HWS vornehmlich) und Mutter (Krankenschwester) in meinen Keller zur gemeinsamen Inspektion des Körpers ihres Sohnes. Was kann mir Besseres passieren, als mit einem solchen Wirbelsäulenfachmann spezielle Schwachstellen dingfest zu machen. Ich erkläre meine Handlungsweisen der Beseitigung kleiner Skoliosen mit ganz speziellen segmentalen Einflussnahmen durch sehr spezielle Übungen und lasse mich selbstverständlich auch fachmännisch korrigieren. - Mein Schützling hat ein enormes Ernährungsproblem, das wir im Gespräch gemeinsam in den Griff bekommen wollen. Mein Spruch ist immer: "Willst du ein Auto ohne Benzin fahren, geht das nicht. Du kannst es auch nicht mit unangemessenem Brennstoff fahren. Der Körper benötigt auch den richtigen Treibstoff!" Ich achte auch sehr genau bei Verletzungen auf die Körpersprache des Schützlings im Zeigen der Verletzung und ziehe daraus meine Schlüsse. Das alles setzt enorme autodidaktische Fortbildung und Querdenken voraus. 

Ich könnte bei folgenden Sachen immer ausrasten. Ich habe letztens aufgrund einiger hervorragender Vorlagen und eigener Recherchen eine Spezifik in der strukturellen Ansteuerung beim Hürdenlauf im Krafttraining entwickelt. Wenn ich dann mit der TKB konfrontiert werde, fühle ich mich hinsichtlich Verletzungsprophylaxe ins vorherige Jahrhundert versetzt.  Thumb_down Wenn man sich dann das Übungspotenial bei einem Athleten, der unter einer Osteitis pubis gelitten hat, ansieht, fallen einem die Fehler sprungartig ins Auge!!! Ich wundere mich dann über so viele Wissensdefizite und leide still mit den Athleten.

Ich habe hinsichtlich dieser Problematiken einen Vortrag im letzten Jahr im Ausland gehalten, der wohl einige Trainer zum Umdenken gebracht hat. Ein Toptrainer hat von mir ganz spezielle Übungen und Formen von speziellem Schuhmaterial bezüglich einer sehr ausgeprägten Fußproblematik und -korrektur erhalten. 

Gertrud


RE: Verletzte Sprinterinnen - die Wiederkehr des letzten Jahrzehnts - EAF2017 - 09.07.2017

Ich war vor Ort und habe den Lauf gesehen. Mayer wirkte von Anfang an nicht ganz fit. Aber: Jetzt wieder mit "Krise" und "Seuche" zu kommen, halte ich für übertrieben. Ohne Mayer und Lückenkemper waren im Finale DREI Sprinterinnen unter 23 Sekunden. Gina hätte gestern auch die 11 Sekunden fast geknackt. Diese Sorgen halte ich also für übertrieben (auch wenn mir die Probleme von Pinto und Mayer wegen der Staffel gar nicht gefallen).


RE: Verletzte Sprinterinnen - die Wiederkehr des letzten Jahrzehnts - Gertrud - 09.07.2017

(09.07.2017, 15:54)Atanvarno schrieb:
Zitat:Niemand hat jemals behauptet, dass ein Verletzungen verhinderndes Training soft oder anspruchslos ist. Anspruchsvoll ist es auf jeden Fall für den Trainer, sich vernünftige Übungen auszudenken, statt einfach draufzuknüppeln.

Im "Streichelzoo" wird keine Leichtathletin Weltklasse. Das muss aber nicht immer in 100kg zur Anwendung kommen. Manchmal können 5kg schon 100% sein. Genau dieses Abwägen, wo man Gas geben muss, ist wichtig. Man muss die strukturellen Hauptantreiber kennen. Die Übungskonstruktion in maßgeschneiderter Form ist aus meiner Sicht das wichtigste Instrument eines Trainers. 

Gertrud