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Tim Lobinger verstorben - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: Tim Lobinger verstorben (/showthread.php?tid=2385) |
RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - TranceNation 2k14 - 13.04.2018 Um als Selbstständiger längere Zeit Meisen beobachten zu können, müsste es aber schon unschlagbar gut laufen... Dein Engagement, vor allem zu Berufszeiten, in Ehren, aber in diversen Berufsfeldern funktioniert es leider nicht, "die Grenzen alleine zu bestimmen"... RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - MZPTLK - 13.04.2018 (13.04.2018, 08:46)TranceNation 2k14 schrieb: Um als Selbstständiger längere Zeit Meisen beobachten zu können, müsste es aber schon unschlagbar gut laufen...Davon kann ich ein Lied singen. Aber es kommt weniger auf die Quantität oder Intensität an als auf die Identifikation/Sinnträchtigkeit, die Motivation und den Spass. Fremdbestimmung ist auf Dauer natürlich immer frustierend, kraftraubend und leider oft auch krankmachend. Jedenfalls wünsche ich Tim eine schnellstmögliche und nachhaltige Genesung! RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - dominikk85 - 13.04.2018 Ich denke mal gertrud hat da als Lehrer auch nen guten job gewählt um job und sport zu vereinen. Lehrer ist natürlich auch nicht mehr "hat Morgens recht und nachmittags frei" but man hat inzwischen viel vorbereitung und stress mit eltern, aber es geht sicher schon besser sich da die nachmittage frei zu schaffen als wenn man z.b. consultant mit viel kundenkontakt ist. ist aber natürlich auch kein beruf für jeden manchen würden 30h die woche unterrichten mehr stressen als 50h die woche I'm büro, da muss man mit umgehen können. RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - lor-olli - 13.04.2018 Die durchschnittliche Arbeitszeit eines Lehrer an deutschen Schulen beträgt cirka 48,3 Stunden… (trotz Ferienzeit, aber mit Unterrichtsvorbereitung, Klausuren, Vertretungen, Elternsprechtagen, Konferenzen, Schulfreizeiten, AGs - … eine Zahl die das Kultusministerium übrigens nicht so gern preisgibt, könnte ja jemand auf die Idee kommen es müssten mehr Lehrer eingestellt werden, bzw. das Bildungssystem besser aufgestellt werden…). Obwohl alle zur Schule gegangen sind, ist vielen nicht bewusst, was für ein Rattenschwanz an zusätzlichen Aufgaben einen Lehrer beschäftigt der auch nur halbherzig seinen Dienst versieht. Gilt natürlich auch für andere Berufe (Ärzte etwa oder viele Selbstständige - wie lor-olli belegen kann…) Der Stressfaktor ist ein ganz anderer Aspekt und sehr individuell zu bewerten, ich kenne einen Kollegen, der locker 70h die Woche arbeitet und dabei beste Laune und Gesundheit hat, es macht ihm einfach Spaß diese Arbeit zu erledigen, sogar wenn er über manche Auftraggeber und deren Vorstellungen oder völlige Unkenntnis den Kopf schütteln mag. (So in etwa als wenn man Trump beraten dürfte ) Das Gebäude dieser Stabilität kann jedoch dramatisch zerbrechen, wenn eine lebensbedrohliche Erkrankung ALLES in Frage stellt, der Weg zurück - selbst nach gelungener Genesung - will wohl überlegt sein!
RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - Gertrud - 13.04.2018 (13.04.2018, 09:48)dominikk85 schrieb: Ich denke mal gertrud hat da als Lehrer auch nen guten job gewählt um job und sport zu vereinen. Lehrer ist natürlich auch nicht mehr "hat Morgens recht und nachmittags frei" but man hat inzwischen viel vorbereitung und stress mit eltern, aber es geht sicher schon besser sich da die nachmittage frei zu schaffen als wenn man z.b. consultant mit viel kundenkontakt ist. Der Vorteil im Lehrerberuf besteht darin, dass man sich die freie Zeit einteilen kann. Ich hatte die Doppelbelastung Lehrerin und Trainerin über Jahre und das in meiner Intensität. Ich habe es teilweise so perfektioniert, dass keine Zeit mehr für mich selbst blieb. Ich hatte meine Mutter, meine Schwägerin und meinen Bruder im Rücken, die mir die Hausarbeiten abnahmen; aber ich habe auch manuell am Haus sehr viel selbst erledigt. Ich habe bis 60 nicht eine Waschmaschine angestellt. Dafür war ich in Anatomie absolute Spitze - total verrückt; aber es war so. Ich habe unheimlich viele Studien und Dissertationen durchgeackert - "nebenbei"! Ich habe dieses "Hineinschlittern" in diese Sackgasse selbst nicht bemerkt oder besser, nicht wahrhaben wollen. Mein Körper hat in der jüngsten Vergangenheit hart reagiert. Man befasst sich dann notgedrungen mit der Endzeitstimmung, was bei mir aber zum Glück sehr schnell beiseitegeschoben wird. Ich stehe wieder voll im Saft, allerdings mit meinem Internisten im Rücken, der mir eine an sich gute Konstitution bestätigt hat. Ich reagiere heute auch mit einer gewissen Lässigkeit. Ich neige dazu, Belastungen zu übertreiben. Da habe ich auch vor mehreren Nachschichten in der Woche nicht zurückgeschreckt. Ich habe jetzt eine gesunde Struktur in mein Leben gebracht. Es stehen sich im Leistungssport immer Leidenschaft mit allen Fehlern und Vernunft gegenüber. Das Pendel schlägt oft zur falschen Seite aus, wenn man die Emotionen überwiegen lässt. Ich hatte letztens von einem Mehrkampftrainer Besuch in meinem Haus, dem ich meine "Schätze" gezeigt habe. Er war überwältigt ob der vielen Aufzeichnungen. Ich möchte natürlich nicht, dass meine gesammelten Werke und Werte verbrannt werden. Ein sehr guter, junger Trainer steht in der "Warteschleife" dafür. Gertrud RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - MZPTLK - 13.04.2018 Was das Lehrertum angeht, so gibt es viele Unterschiedlichkeiten und damit Ungerechtigkeiten. Wer keine Korrekturfächer unterrichtet, dazu keine Fächer mit vielen Innovationen und damit Fortbildungserfordernissen, schiebt eine vergleichsweise ruhige Kugel. Wer 'Dienst nach Vorschrift' macht, im Gegensatz zu engagierten, idealistischen, darum unterbezahlten Pädagogen, ist hoffnungslos überbezahlt. Das Leben ist hart, aber ungerecht. Vive la Revolution! RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - dominikk85 - 13.04.2018 (13.04.2018, 10:48)Gertrud schrieb:Es wird oft unterschätzt das man auch nen burn out bekommen kann wenn man seinen job liebt. Man brennt schneller aus wenn man die Arbeit hasst und sich hinschleppt, aber ne Freundin von mir hatte nen schweren burn out schon mit Ende 20 obwohl sie job und Kollegen geliebt hat (auch nach der arbeit viel unternommen). Sie hat 70h die woche in ner Führungsposition in einer(13.04.2018, 09:48)dominikk85 schrieb: Ich denke mal gertrud hat da als Lehrer auch nen guten job gewählt um job und sport zu vereinen. Lehrer ist natürlich auch nicht mehr "hat Morgens recht und nachmittags frei" but man hat inzwischen viel vorbereitung und stress mit eltern, aber es geht sicher schon besser sich da die nachmittage frei zu schaffen als wenn man z.b. consultant mit viel kundenkontakt ist. Werbeagentur gearbeitet und es hat ihr so viel Spaß gemacht das sie das gar nicht gemerkt hat und irgendwann einfach zusammengebrochen ist. es ist natürlich dennoch toll wenn man im Beruf aufgeht und ist tausend mal besser als die Arbeit zu hassen, aber auch da muss man aufpassen. RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - Gertrud - 14.04.2018 Zitat:es ist natürlich dennoch toll wenn man im Beruf aufgeht und ist tausend mal besser als die Arbeit zu hassen, aber auch da muss man aufpassen. Wenn man etwas liebt (ob Menschen oder Sachen) unterliegt man immer der Gefahr, mehr zu geben, als die eigentlichen gesunden Grenzen zu sehen. Man schaltet oft einfach den Verstand aus. Wenn solche Situationen über lange Zeiträume gehen, wird´s manchmal kritisch. Man sieht durch die rosarote Brille die Gefahrquellen nicht mehr. Wenn ich heute interessante Artikel oder Bücher lese, höre ich um 22-23 Uhr konsequent auf. Früher habe ich bis 4 Uhr morgens manchmal durchgemacht und bin dann nach drei Stunden Schlaf wieder aufgestanden. Der Schlaf wird dann irgendwann auf drei Stunden getaktet und man steht nach drei Stunden senkrecht im Bett. Das Immunsystem gerät völlig aus den Fugen. Mein genetisches Potential liegt sicherlich bei 100 Jahren. Meine Mutter ist 99 Jahre alt geworden. Ich habe aber totalen Raubbau über Jahre betrieben und bin dabei, die kranken Stellen wieder einigermaßen gesund zu pflegen. Ich bin da im Verbund mit einem anderen ehemaligen Bundestrainer mit denselben Symptomen. Wir beide arbeiten konsequent an den "Baustellen". Wenn die Vernunft siegt, geht´s auch wieder aufwärts. Junge Menschen wie Tim geraten vornehmlich durch Begeisterung für die Sache auf eine derartige Schiene. Man vergisst die kleinen Auszeiten und "Oasen". Wenn ich heute in meinem Garten arbeite und von meinem Rotkehlchen "verfolgt" werde, erzeugt das in mir ein Glücksgefühl. Früher wollte ich die Arbeit möglichst schnell hinter mich bringen. Die Perspektiven müssen stimmen, um gesund zu bleiben. Wir Deutschen haben Probleme mit der Psychologie. Die Amerikaner nehmen sofort fachmännische Hilfe in Anspruch. Hier verbindet man das eher mit einem geistigen Schaden, was absolut falsch ist. Es gibt in dieser Hinsicht enorme fachliche Hilfen, die uns als Nicht-Fachleuten nicht vertraut sind. Man muss sich dieser Unfähigkeit nicht schämen. Der unfreiwillige Abschied vom absoluten Leistungssport besonders durch eine Person aus meinem damaligen Umfeld durch Mobbing herbeigeführt hat in mir eine unheimliche Enttäuschung und Leere und auch ein psychisches Loch hervorgerufen. Ich habe mir lange danach eine eigene Philosophie erarbeitet. Bei geplatzten Träumen - wodurch auch immer - gibt es verschiedene Inseln, die uns zur Verfügung stehen. Wenn man zu fest auf einer Insel zu weit von den anderen Inseln entfernt steht, sieht man die anderen nicht. Ich habe gelernt, dass es auch andere Inseln mit tollen Inhalten gibt, die sich lohnen, entdeckt zu werden. Ich würde heute niemals mehr nur auf eine Insel setzen. Insofern sehe ich meine damalige Situation heute als eine ungeheure Chance an, anderes außer Leistungssport in mein Leben zu lassen und Freude daran zu haben. Diese Chancen muss man lernen zuzulassen. Es ist sehr wichtig, sein Haus auf verschiedenen Fundamentstützen zu bauen; ansonsten fällt es wie ein Kartenhaus zusammen. Ich habe meine Emotionen heute so unter Kontrolle, dass ich z.B. die damalige Mobbingsituation viel eher erkannt hätte. Mich kann so leicht kein Mensch mehr täuschen und für seine Ziele ausnutzen. Man muss auch im Zusammenhang mit Athleten lernen, frühzeitig einen Cut zu machen, wenn Situationen aus dem Ruder laufen oder beginnen, Wunden zu hinterlassen. Ich beende solche Situationen heute sofort!!! Für den Athleten wird alles gemacht. Wo bleibt aber der Trainer mit seinen Bedürfnissen? Das sieht kaum ein Verband vor. Dabei wäre es sehr wichtig, auch ihn auf die gesunde Schiene mitzunehmen. Ich habe an unserem Gymnasium damals Prof. Dr. Hans Eberspächer eingeladen, der den Eltern und Schülern unglaubliche Mechanismen gezielter Verfahrensweisen vermittelt hat. Wir haben in Köln zur selben Zeit studiert. Gertrud RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - Atanvarno - 03.04.2019 Gute Nachrichten Tim Lobinger nach Leidenszeit gesundheitlich stabil und "krebszellenfrei" RE: Tim Lobinger an Leukämie erkrankt - dominikk85 - 04.04.2019 Gut zu hören. Ist natürlich immer noch keine Garantie das es komplett überstanden ist, aber es klingt doch wesentlich besser als das was man vor nem halben Jahr gelesen hat. Ich hatte schon das schlimmste befürchtet als ich den Thread angeklickt habe. ich hoffe es ist jetzt wirklich erstmal durch und auch das das mit dem Athletik Training für ihn gut läuft. |