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Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - Druckversion

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RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - dominikk85 - 15.03.2017

Mehr Kraft kann auch die Technik verbessern weil man weniger ausweicht und direkter trifft. Natürlich muss die kraft dennoch richtig einsetzen und sie hat sicher auch an der Technik gearbeitet, aber imo ist schon klar das hier massiv gedopt wurde.


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - MZPTLK - 15.03.2017

(15.03.2017, 19:04)dominikk85 schrieb: Mehr Kraft kann auch die Technik verbessern weil man weniger ausweicht und direkter trifft. Natürlich muss die kraft dennoch richtig einsetzen und sie hat sicher auch an der Technik gearbeitet, aber imo ist schon klar das hier massiv gedopt wurde.

Durch das höhere energetische Niveau werden Reserven für die Koordination frei.
Und man kann Fehler besser kompensieren.
Auf unterem Niveau(Atrophie durch Inaktivität, Alter oder Rekonvaleszens) merkt man es noch krasser,
man braucht viel Kraft, um überhaupt einigermassen zu koordinieren.


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - icheinfachma - 15.03.2017

(15.03.2017, 12:47)eierluke schrieb: 1) Habe ein Verständnisproblem, was bedeutet "ungeradere Beinführung"?

2) Einspruch: Ihr Abdruck war phänomenal. Als nur 1,70 große Läuferin brauchte sie bei ihren 10.49 (auch wenn wohl windbegünstigt) lediglich 47 Schritte für die Distanz.
Die Muskulatur (wie auch immer entstanden) half nicht nur in der Start-Beschleunigungsphase oder bei längerer Sprintausdauer, sondern auch sehr stark im Highspeedsegment. Dafür muss doch eigentlich alles perfekt sein Kraft, Technik, etc.?
Bei den 10,49 legte sie die Distanz von 60 - 70 m in 0,89s zurück. Das schnellste je gemessene/analisierte 10m Segment bei einer Sprinterin.
(Die ersten 60 m dabei "nur" in 6,87. "Nur" weil Marian Jones das auf dem Wege zu 10,65 in 6,85 schaffte)

Ihr Kniehub war sicherlich ungewöhnlich flach, aber ich traue mir nicht zu zu behaupten mehr Kniehub sei stets besser (schneller)?
Wir haben in der LA ja glücklicher Weise keine Haltungsrichter. Sind Zeit/ Topspeed da nicht der Beweis für Perfektion (natürlich nicht in moralischer, sondern lediglich technischer Hinsicht)?


Nicht Abdruck, sondern Impulsübertragung. Ihr Hinterstütz war relativ gering ausgesprägt, was Hüftstreckung anging. Horizontale Kräfte braucht man nur soviel auzubringen, wie horizontale Bremskräfte (Luftwiederstand, Bremsstoß Vorderstütz) auftreten. Die mussten bei ihr auch nciht wesentlich größer sein als bei anderen Sprinterinnen. FloJo landete sehr nah an ihrem KSP. Die vertikalen Kräfte kann man aber erhöhen und damit die Stützzeiten verringern (was eine Erhöhung der der F mit sich bringt), gleichzeitig aber ergeben sich daraus auch höhere Flugkurven, sodass sie länger in der Luft ist und in dieser längeren Zeit weiter fliegt. Das macht die langen Schritte. Lange Schritte machen heißt nicht, sich lang abzudrücken, sondern weit zu fliegen (Übertragung großer Impulse auf den Boden).

Der Sprint ist auch nicht als Druck, sondern als Schlag aufzufassen. Mit einem Hammer würdest du auch nicht auf einen Nagel drücken, sondern schlagen, um große Kräfte zu übertragen. ("to hit the ground hard")


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - eierluke - 16.03.2017

Den Sprint als Schlag aufzufassen leuchtet mir ein.

"ihr Hinterstütz war relativ gering ausgeprägt"?
Ja, braucht man den denn und wohin soll der Stütz eigentlich gehen?
Beim Weitsprung zum Beispiel ist es ja ziemlich klar. Man muss sich nur mit Ballistik beschäftigen und bekommt schnell raus, dass wer sich nur nach vorne und nicht auch nach oben abdrückt eher landet.
Aber wohin soll der Stütz im 100m Lauf gehen (einer Aneinanderreihung von Sprüngen, bei denen es aber nicht primär um Weite, sondern Zeit geht)? Nach oben, wo das Ziel im Lauf doch vorne ist?
Anders als z.B. beim Weitsprung (und selbst hier gibt es in der Praxis dann Abweichungen von der ballistischen Theorie, man denke nur an Powell vs Lewis) leuchtet mir nicht ein, wie man eine generell optimale Richtung und Dauer des Stützes beim Lauf vorgeben kannl?


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - eierluke - 16.03.2017

Was mir bei Flo-Jo auffällt (hätte ich mir schon viel früher mal auf YouTube ansehen sollen) ist die Power, die sie aus den Fußgelenlken herausholt; insektengleich, wie kleine Katapulte.
Die biomechanische Bewertung macht das unendlich viel komplexer (wie PKW Rückwärtsfahren vs LKW Rückwärtsfahren mit Anhänger), weil es angesichts dessen eben nicht nur um die großen Gelenke Hüfte und Knie geht ...


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - MZPTLK - 16.03.2017

(15.03.2017, 21:08)icheinfachma schrieb: Der Sprint ist auch nicht als Druck, sondern als Schlag aufzufassen. Mit einem Hammer würdest du auch nicht auf einen Nagel drücken, sondern schlagen, um große Kräfte zu übertragen. ("to hit the ground hard")

Das ist eine falsche, zumindest irreführende Analogie.
Beim Hammerschlag wird der allermeiste Druck durch den vor-beschleunigten Hammer erzeugt,
während des Kontakts passiert wenig bis nichts.
Beim Sprint wird der allermeiste, jedenfalls effektive Druck(meinetwegen auch Schlag) während des Kontakts erzeugt.
Die Vorbeschleunigung trägt dazu bei, aber nur, wenn sie beim Kontakt auf den KSP wirkt und nicht vorbei- oder leerläuft.


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - lor-olli - 16.03.2017

Wir sollten mit der Terminologie ein wenig vorsichtiger sein… Angel

Hammerschlag ist gar keine Analogie, ein Hammerschlag ist kein dynamisches System, ein Laufschritt (oder auch nur der Abdruck der Vorfußes vom Boden) aber schon.

Die "power" kam auch bei FloJo NICHT aus den Fußgelenken, streng genommen sind diese nur der Mittler, Fußgelenke selbst (bzw. die Muskeln drumherum) haben kaum Kraft - man kann aus den Fußgelenken allein nicht einmal leicht anhüpfen, einfach mal ausprobieren. Die Kraft kommt überwiegend aus den Oberschenkeln und zum kleineren Teil aus der Wadenmuskulatur.

Ich kann aber nachvollziehen was luke meint, FloJo war eine, bis auf die Oberschenkel, eher kleine und zierlich Person, ihr Laufschritt und besonders durch den Vortrieb gegen Ende des Sprints (da wo allen anderen an Schrittlänge nachlassen), konnte sie die Schrittlänge stabil halten. Es gab dazu mal ein Video, wo ein Techniker die Schrittlänge präzise analysierte. (Hatte ich noch auf Kassette, alle mal schmunzeln…)

Sie verwendete den Fußaufsatz wie es Katzen tun, eine eher "scharrende" Bewegung die den Körper beschleunigte und gleichzeitig die Bremskräfte eines Auftretens gering hielt. Dieser Schritt wurde oft analysiert, allein ihn praktisch genauso nachzuvollziehen scheiterte bei den meisten am Kraft / Lastverhältnis. (Beinkraft zu Körpergewicht - günstig also wenn der Körper "nur aus Beinen" besteht).

Besonders augenscheinlich ist dieses bei ihrem 200m Weltrekordlauf, ihre Frequenz ist nicht höher als bei der Konkurrenz, aber die Schrittlänge - insbesondere ab 150m - ist signifikant größer obwohl sie nicht besonders groß war (Bei Usain Bolt ist die Schrittlänge natürlich auch eine Folge seiner Körpergröße und den verhältnismäßig auch noch langen Beinen).

Die Frage ob das Kraft-Lastverhältnis bei FloJo ein natürlich antrainiertes war… bleibt unbeantwortet, auch weil sie zügig eingeäschert wurde nach einem natürlichen Tod (Epileptischer Anfall).


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - icheinfachma - 16.03.2017

Nein, mein Beitrag ist vollkommen richtig.


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - MZPTLK - 17.03.2017

(16.03.2017, 21:11)icheinfachma schrieb: Nein, mein Beitrag ist vollkommen richtig.
Du hast es nicht verstanden.
Einer der Hauptgründe für die AS-Probleme der letzten Jahre resultieren aus falscher Bewegungsvorstellung.


RE: Florence Griffith-Joyner - natürliche Leistungssteigerung? - MZPTLK - 17.03.2017

@Lor-Olli: Ich verstehe noch nicht ganz, Ich... hatte einen Vergleich, eine Ähnlichkeit bemüht, und das ist eine Analogie.
In Bezug auf den Hammerschlag(Hat Ich...jemals Holz gehackt oder Nägel fachgerecht in die Wand geschlagen?)
habe ich eine Analogie zum Sprint verneint, bzw. stark eingeschränkt.