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200m - Taktisch oder Vollgas? - Druckversion +- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com) +-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1) +--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2) +--- Thema: 200m - Taktisch oder Vollgas? (/showthread.php?tid=1320) Seiten:
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RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - dht - 26.08.2015 (26.08.2015, 17:22)runny schrieb: Ich bleibe dabei - möglichst schnell läuft man 200m, wenn man von vorne bis hinten so schnell läuft wie es einem möglich ist. Ohne jetzt jedes Wort auf die Goldwaage legen zu wollen: Deine ursprüngliche Aussage war, dass von von vorne bis hinten Vollgas laufen soll. Das sehe ich eben nicht so. Und scheinbar bin ich nicht der einzige. http://speedendurance.com/2012/01/16/yohan-blake-200-meter-splits-why-blake-will-beat-bolt/ Da sind split times von MJ, Bolt und Blake. Bei MJ mag es funktioniert haben, Bolt und Blake haben aber beide eine Schonzeit von rund 0.3s. Sicherlich kostet die Kurve etwas an Zeit, so viel aber auch nicht. Nimmt man die 0.2s aus dem WLV Artikel, so ist man ziemlich genau bei 99%. Zudem sagt auch Yohan Blake, dass sein Trainer ihm folgendes empfohlen hat: "take it easy on the turn, and fly down the straigh". Abschließend würde mich dann aber doch einmal interessieren, was sich seit 2000 so sehr verändert hat, dass man grundlegende Änderungen in der Energiebereitstellung der Sprinter hat. Genau diese würde es m.M.n. nämlich benötigen, wenn man plötzlich 200m "Vollgas" laufen könnte.
RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - lor-olli - 26.08.2015 Nicht vergessen: Kurven kann man nicht im "Vollgas" laufen! Ich denke das es sich hier um ein Missverständnis handelt, welches man bei genauer Betrachtung aber recht simpel erklären kann: Niemand kann die 100m in einer Kurve genau so schnell laufen wie die 100m gerade, immer bezogen auf den Top-Speed. In der Kurve müssen die Fliehkräfte im Zaum gehalten werden und man sollte sie mit größtmöglicher Geschwindigkeit aber nicht mit dem maximalen Krafteinsatz laufen, das ist dann natürlich ein Kompromis. Die 100m kann man nur "maximal bolzen" hier macht jede Zurückhaltung langsamer, in der Kurve ist die Geschwindigkeit von 100% Krafteinsatz zu 95% Krafteinsatz kaum unterschiedlich, denn je mehr Kraft in den Sprint (Abdruck) gelegt wird, desto größer die Kräfte die man kompensieren muss - "verpulverte" Energie! Kann man leicht selbst herausfinden, 150m laufen und zwar zuerst ca. 80m auf der Geraden und dann mit vollem Speed in die Kurve, Ergebnis ist, dass man das Tempo nicht ganz halten kann, man spürt die Kräfte die einen nach außen treiben überdeutlich, je mehr pure Kraft reingesteckt wird desto deutlicher. Das Rezept für den optimalen 200m Lauf lautet also: maximales Tempo in der Kurve (dazu reicht es die Kraft hoch dosiert, jedoch nicht maximal einzusetzen) aber immer noch einen "leichten Schritt" zu behalten. Maximales Tempo ist also nicht der Topspeed, den man über die 100m erreicht, sondern die maximale, aber gleichzeitig sinnvolle Geschwindigkeit in der Kurve. Vergleicht man 100m Zeiten mit Start und zwar einmal durch die Kurve (wie bei 200 Starten, aber die Zeit nach 100m nehmen) und einmal der übliche 100m Sprint, ergibt sich eine Zeitdifferenz, die bei den guten Kurvenläufern geringer ausfällt. Der Topspeed lässt sich theoretisch zwischen 60m und 100m (bei den Besten) erreichen, die ersten 30m sind vom Speed her nahezu gleich, die Differenz ergibt sich allein durch den unterschiedlichen Top-Speed. Ideal ist es also mit dosierten Krafteinsatz (95%-98%) die Kurve möglichst schnell zu laufen, aber nicht alle Reserven zu verpulvern indem man 100)% Kraft hineinlegt, die aber kaum Geschwindigkeitsgewinn bringen. Die meisten Sprinter entwickeln dafür ein Gefühl, dennoch sieht man das Problem immer wieder in Staffeln bei weniger erfahrenen Kurvenläufern… Bolt ist übrgens kein so guter Kurvenläufer - das erkennt sogar ein Laie (hat natürlich auch etwas mit der Körperlänge und seinem Laufstil zu tun)
RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - dht - 26.08.2015 @lor-olli: Die Beschreibung triffts sehr gut auf den Punkt. Würde ich so unterschreiben. Um auf die ursprüngliche Aussage von Reus zurückzukommen würde ich vermuten, dass man auch diese schnell falsch verstehen kann. Hat er alles gegeben, d.h. mit maximalem Krafteinsatz schon durch die Kurve oder hat er unter Berücksichtigung der Kurve die dort für ihn optimale Geschwindigkeit erreicht, konnte diese aber einfach nicht lange genug aufrecht erhalten. Zweiteres hätte dann nicht mit der Einteilung bzw. dem "effizienten Kurvenlauf" zu tun, sondern liegt wirklich einzig und allen an fehlenden Tempoläufen. RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - runny - 26.08.2015 (26.08.2015, 18:35)dht schrieb:(26.08.2015, 17:22)runny schrieb: Ich bleibe dabei - möglichst schnell läuft man 200m, wenn man von vorne bis hinten so schnell läuft wie es einem möglich ist. Mit Vollgas meine ich so schnell es einem möglich ist, ich ging davon aus das sei erkenntlich. Die hohen "Schonzeiten" überraschen mich doch etwas, würde das aber wie du auch erwähnst zu einem großen Teil auf die Kurve schieben. Zusätzlich ist aber noch zu beachten, dass nicht nur die Körpergröße z.B. bei Bolt eine Rolle spielen sondern auch einfach die viel größere Schrittlänge bei schnellen Sprintern (faszinierend finde ich die Schrittlänge von Rodgers bezogen auf seine Größe!), die sie man nunmal nicht in der Kurve ideal ausnutzen können. Ich denke hier sind wir uns soweit alle einig - worum es dann letztendlich geht ist, was ein Trainer seinem Athleten auf den Weg geben sollte auf den 200m. Und hier teile ich die "take it easy on the turn" Philosophie nicht. 200m sind möglich in maximalem Tempo - die Strecke halte ich einfach für zu kurz um es "langsam" anzugehen. Die Gefahr wenn man sich in der Kurve schont ist nunmal, dass man nicht alles ausschöpft was einem möglich ist. RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - MZPTLK - 26.08.2015 Leute, hört auf Lor-Olli. Nicht mal Doping-Monster können 200 Meter volle Pulle laufen, auch wenn es so aussieht. Nicht verwechseln: - Volle Pulle von der Anstrengung her(falsch) - Volle Pulle von der Geschwindigkeit/Zeit her(richtig) RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - dht - 26.08.2015 (26.08.2015, 19:15)runny schrieb: Und hier teile ich die "take it easy on the turn" Philosophie nicht. 200m sind möglich in maximalem Tempo - die Strecke halte ich einfach für zu kurz um es "langsam" anzugehen. Die Gefahr wenn man sich in der Kurve schont ist nunmal, dass man nicht alles ausschöpft was einem möglich ist. Hier gebe ich dir insofern Recht, als das die Gefahr den Lauf bzw. die ersten Meter zu verbummeln definitiv besteht. Ich persönlich habe allerdings die Vermutung, dass sowas in der Regel bei Athleten auftritt, die auch mangelnde Erfahrung haben. Sowohl was das Kurvenlaufen angeht, als auch die 200m im allgemeinen. Oftmals erlebe ich, wie "durchschnittliche" Athleten (22.5 aufwärts) über die 200m zu viel Respekt vor der Strecke haben. Da ist es natürlich verlockend die ersten Meter zu langsam anzugehen, wenn man Angst hat hinten zu sterben. Andererseits gibt es auch absolut unbedarfte 100m Sprinter, die einfach mal die 200m laufen wollen und die ersten hundert Meter dann so angehen, wie sie es von den 100m gewohnt sind. Da kommt dann der von lor-olli erwähnte Effekt ins Spiel, dass unnötig viel Energie verpulvert wird, während der Ertrag nur minimal ist. Ich denke man muss also differenzieren, was für einen Typ Athlet ich vor mir hab. Entsprechend unterschiedlich sollte der Trainer seine Athleten instruieren. Was meine persönliche Erfahrung angeht, so hat mich die Einteilung in die 4 Phasen deutlich weiter gebracht und entspricht auch dem, was ich für mich als optimal erachte. Wobei diese Einteilung natürlich auch eine Frage des Trainings war, da man erst das richtige Gefühl für den Kurvenlauf entwickeln muss. Hier ging also Theorie gewissermaßen Hand in Hand mit der Praxis. e/: Bezüglich Schonzeit bzw. Zeitverlust durch die Kurve womöglich auch ganz interessant: http://speedendurance.com/2010/05/20/tyson-gay-2010-manchester-19-41-splits/ Die 200m auf der GERADEN ist Gay damals sicher voll angegangen. 9.88 im Mai bei einer im August gelaufenen SB von 9.78 bei identischem Wind lassen zumindest darauf schließen. Die letzten 100m waren dafür aber auch recht dürftig. Hier wäre interessant, was er mit Kurve für split times hatte. Die 200m SB aus dem Jahr lag übrigens bei 19.72 bei +0.1, womit wir wieder bei den vermuteten 0.2 bis 0.3s Zeitverlust durch die Kurve sind. RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - -running- - 26.08.2015 (26.08.2015, 12:01)Atanvarno schrieb:Vorallem lese ich den Artikel auch so: Besser nicht Vollgas... Und entspanntes Laufen(26.08.2015, 10:52)runny schrieb: Auf 200m gibt es keine Renntaktik. Wenn man möglichst schnell laufen will, läuft man Vollgas von vorn bis hinten. Zitat: Denn wenn er seine Kraft nicht auf den ersten 100m verpulvert hat, ist eine Zeit von unter 10,0s über 100m mit fliegendem Start relativ leicht möglich RE: 200m - Taktisch oder Vollgas? - Piroschka - 26.08.2015 Es ging nicht darum, dass man in der Kurve rein von der Zeit die ersten hundert Meter so schnell läuft wie einen 100m-Sprint, sondern explizit darum, dass die Kurve eben nicht mit Anschlag gelaufen wird, sondern knapp darunter. Das ist von der Energiebereitstellung, wie es hier schon anklang auch verständlich. Das Schwierige daran ist halt das richtige Maß zu finden, so dass es am Ende zeitlichen Ertrag bringt. Es geht also darum, dass man zum Ende des Rennens weniger langsam wird als es im Fall des vollen Anrennes wäre und man mehr als das was man am Anfang verliert hinten wieder heraus bekommt. Denn das man langsamer wird, ist ja unbestritten bei jedem so. Die Frage ist eben nur, wie stark der Geschwindigkeitsabfall ist und wie lange man seine eigene Höchstgeschwindigkeit halten kann. Da kann es halt für die Endzeit besser sein, diese wohlmöglich erst gar nicht zu erreichen, wenn dies zu viel Energie kostet. |