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ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - Druckversion

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RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - DerC - 24.08.2015

(24.08.2015, 09:12)Atanvarno schrieb: @DerC
Wobei man die Möglichkeit, dass es in anderen Ländern genauso schlimm oder schlimmer als in RUS und KEN ist, nicht zum Anlass nehmen sollte die dortigen Fälle nicht Ernst zu nehmen oder Seppelts Ergebnisse grundsätzlich in Frage zu stellen.
Was ist denn jetzt an Seppelts Ergebnissen zu Kenia eigentlich so sensationell? Wie o. a. nach den Schlagzeilen hätte ich deutlich mehr erwartet.

Iirc hattest du das hier schonmal verlinkt:

The Good, The Bad, and The Interesting From the Sunday Times Doping in Athletics Data
Nach der Auswertung ist es schon sehr auffällig, wie schlecht Kenia in der ARD Berichterstattung wegkommt. Und in der Kenianischen Domäne Marathon sind relativ die wenigsten auffälligen Blutwerte.

Warum schaffen es die Türkei und die Ukraine so wenig in den Focus, obwohl sie prozentual die häufigsten Werte nach Russland bieten?

Vielleicht deswegen: Türkei ist halt wichtiger Natopartner, dem man fast alles verzeihen kann, und die Ukraine darf ja eh seit dem Konflikt nur noch verzerrt dargestellt werden. Teufel

Die sache mit dem unbekannten toten kenianischen Läufer ist ein wenig so, als würde man versuchen, mithilfe eines toten 50m Diskuswerfers alle deutschen Werfer anzugreifen. Den Aufschrei kann man sich vorstellen.

(24.08.2015, 09:12)Atanvarno schrieb: Die Wahl der Ziele k a n n durch eine Agenda getrieben gewesen sein, aber ein Treffer war es trotzdem.
Wäre ein Treffer bei deutschen WerferInnen nicht irgendwie noch viel interessanter gewesen?

Bringt uns zu einer weiteren Frage: Warum zielt man in erster Linie auf bestimmte Ausdauerdisziplinen von bestimmten Individualsportarten?

Kurze Zwischenbilanz: Was die ARD bietet, ist Berichterstattung a al Staatsfernsehen und in den letzten Jahren nicht nur im Sport  immer mehr dazu geworden. Das ist aber genau das, was der ÖR laut Rundfunkstaatvertrag und seiner Konzeption nicht tun soll.

Und das ist auf D bezogen der viel größere Skandal.

Gruß

C


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - Clutch - 24.08.2015

Ich bezweifle doch sehr, dass die Berichterstattung so sehr von politischen Gründen abhängt. Die ARD kritisiert doch auch Amis, insbesondere bei der Schwimm-WM z.B., und verheimlicht ja auch nicht die Sperren von Gatlin oder Gay. Genauso wenig habe ich den Eindruck, dass man gegenüber der Türkei besonders milde in der Berichterstattung ist. Da kam schon Kritik auf, bspw. bei den Nationenwechseln, welche bei den Türken ja häufig vorkommen.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - DerC - 24.08.2015

Die zwei Länder die in der Dopingberichterstattung ARD/Seppelt bzgl LA am häufigsten erwähnt wurden, waren Russland und Kenia.

Die Türkei wurde angesichts Häufigkeit und Bedeutung der Fälle offensichtlich geschont, z. B.  Asli Cakir Alptekin deren 1500 m Gold von London aberkannt wurde (und das jetzt leider an die nicht völlig unverdächtige Landsfrau Gamze Bulut geht).

Insbesondere ist das Schonen von Ukraine und Türkei auffälliig, weil deren AthletInnen ja auch der EM direkte Konkurrenz darstellen. Da sollte eigentlich ein großes Interesse an Aufklärung bestehen.

Ein Geoffrey Tarno wird posthum ausgebeutet, weil man keine großen Namen zu bieten hat oder an gewisse Namen nicht ran will oder darf. Seriöser Journalismus ist für mich etwas anderes.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - W. Kronhard - 24.08.2015

(24.08.2015, 10:50)Clutch schrieb: Ich bezweifle doch sehr, dass die Berichterstattung so sehr von politischen Gründen abhängt. Die ARD kritisiert doch auch Amis, insbesondere bei der Schwimm-WM z.B., und verheimlicht ja auch nicht die Sperren von Gatlin oder Gay. Genauso wenig habe ich den Eindruck, dass man gegenüber der Türkei besonders milde in der Berichterstattung ist. Da kam schon Kritik auf, bspw. bei den Nationenwechseln, welche bei den Türken ja häufig vorkommen.

Zuerst, lieber Arne Gabius ich bin sehr sehr Stolz auf Dich und dein Mut!!!!  Respeckt und Danke!!!!

Zu den Deutschen Medien: Aus meiner persönlichen Erfahrung ist das der allerletzte Journalismus, wenn man das so milde noch nennen mag.
Beispiel: Mich bat eine Journalisten aus einer bekannten Zeitschriftgebeten sie meinen Patienten vorzustellen, die sich vom Krebs befreit haben, obwohl die Medizin die aufgegeben hat. Jetzt Achtung! Das Thema war ihr fest vorgegeben: "Krebs. Spontane Selbstheilungen". 
Tut mir Leid, aber das ist nun mal das beste Beispiel. 
Hab ihr nachher berichtet, niemand ist bereit unter diesem vorgegebenen Titel auszusagen. Warum? Weil es die spontane Selbstheilung gar nicht gibt, aber gezielte Selbstheilungen schon. Dafür haben die Menschen viel über sich gelernt und gezielt, mit viel Energie, gegen die Zellenwucherung gekämpft. Ich habe sie nur aufgeklärt und im Kampf unterstützt. 
Auf mehrere meine Titel-Vorschläge zu diesem Thema, Wie "Gezielte Selbstheilungen beim Krebs", oder "Neue praktische Erkenntnisse über Selbstheilung bei Krebs" wo die Menschen bereit waren eigen Selbstheilung zu präsentieren, hat sie sofort abgelehnt. Sagte ich habe feste vorgaben und kann nichts verändern. Eine angeblich freie Journalistin kann den Titel zum Thema nicht verändern. Na sowas, freier Journalismus, freie Presse, meine Fresse.
Ein Fernsehsender bat mich die Telefonnummer ehemaliger Patienten zu geben, die wollten eine Reportage über spontane Selbstheilung machen. Habe 3 Namen mit Telefonnummern mitgeteilt. Seitdem haben wir, ich meine genannten Patienten nichts mehr von dem Sender gehört. 
Oder ein anderer Fernsehsender auch mit einem Festen Thema. Habe ein besseres vorgeschlagen. Auch nicht angenommen. Begründung: Ich entscheide es nicht. Das Problem sind die Chefredakteure, die weiter fest von oben gesteuert werden. 
Wenn das Thema einem Lobbiverband nicht passt, kommen sie nicht durch. Wir Menschen, genau so wie die Kranke spielen dabei überhaupt keine Rolle. 
Wie man so sieht ein sehr freiees und demokratisches Land Deutschland.

Danke nochmal lieber Arne für Deine offene Empörung!!!!  
 
Für meine Offenheit danke ich mir selbst. Die Beschimpfungen dafür überlasse ich anderen.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - Atanvarno - 25.08.2015

Neues aus Kenia von Hajo Seppelt
http://lawm.sportschau.de/peking2015/nachrichten/LA-WM-Doping-Kenia,kenia190.html

- Athleten werden vorab über Kontrollen informiert
- Athletics Kenya vertuscht postive Proben gegen Bezahlung

Und Hajo Seppelt im Gespräch mit Arne Gabius
http://lawm.sportschau.de/peking2015/videos_audios/leichtathletik-wm-peking,lawmpeking144.html


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - DerC - 25.08.2015

(25.08.2015, 13:19) Atanvarno schrieb: Neues aus Kenia von Hajo Seppelt
http://lawm.sportschau.de/peking2015/nachrichten/LA-WM-Doping-Kenia,kenia190.html

- Athleten werden vorab über Kontrollen informiert
- Athletics Kenya vertuscht postive Proben gegen Bezahlung
Finde nur ich seltsam, dass da immer noch kein Name eines Athleten gefallen ist?


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - Atanvarno - 25.08.2015

Es gibt auch ernstzunehmende kenianische Stimmen, die ein Dopingproblem im Land sehen

Zitat:Longtime pillars of the track community, such as Kemboi’s former coach Moses Kiptanui, are continuing to speak out. Kiptanui, a three-time world steeplechase champion, is stepping away from coaching altogether because of his frustration with the situation.
“The problem is that the number of athletes is huge now,” Kiptanui told France’s L’Équipe Magazine in an article published last week. “Now, only the very best of them have the chance to go abroad to run and thus make money. It’s why they are ready to do anything to make their mark, in particular doping.”

Moni Wekesa, a Kenyan professor who was the head of an independent task force in Kenya that recently investigated the severity of the problem, agreed that banned substances were far too easy to procure.
“In this country, there is more EPO being consumed by athletes than by the ill,” he told L’Équipe.
Quelle

Allerdings und damit hat C Recht:  Die von der ARD vorgelegten Fakten betreffen nur kenianische Athleten der zweiten und dritten Reihe. Außer Behauptungen zwielichtiger Ärzte hat Seppelt nichts, was kenianische Topathleten direkt inkriminiert (ganz im Gegensatz zur Situation in Russland, wo es Video- und Tonaufnahmen von dopenden Spitzenathleten und -trainern gibt).
Auch in der Blutdatenbank sind kenianische Spitzenathleten im Gegensatz zu dem Eindruck, den einige Medien erwecken wollen, unter den verdächtigen Athleten gemessen an der Gesamtzahl der Spitzenathleten eher unterrepräsentiert.

Zur Aussage von Wekesa: Auch da ist nicht klar, wieviel EPO von Einheimischen konsumiert wird und wieviel von den hunderten (tausenden?) ausländischen Spitzenathleten, die ihre Trainingslager in Kenia absolvieren.
Auch Seppelt ist in seiner Doku zunächst mit einem europäischen Amateurläufer zu einem kenianischen Arzt gegangen, nicht mit einem Kenianer.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - Rolli - 25.08.2015

(25.08.2015, 18:35)Atanvarno schrieb: Auch Seppelt ist in seiner Doku zunächst mit einem europäischen Amateurläufer zu einem kenianischen Arzt gegangen, nicht mit einem Kenianer.

Also? Nach der Logik kann auch ruhig behaupten... ALLE europäische Amateure dopen mit EPO. OK... fast alle.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - mic.now - 25.08.2015

(25.08.2015, 18:35)Atanvarno schrieb: Auch Seppelt ist in seiner Doku zunächst mit einem europäischen Amateurläufer zu einem kenianischen Arzt gegangen, nicht mit einem Kenianer.

Ich persönlich finde das als ziemlich schwachen Hinweis. Ich würde mal behaupten, dass man (nach einiger Suche) in den meisten Ländern der Welt in einer Apotheke Epo bekommt, wenn ich flehend danach frage.


RE: ARD: Geheimsache Doping - Im Schattenreich der Leichtathletik - gera - 26.08.2015

nun hat es Kenia bei der WM  2 x mit Doping erwischt .
Trotzdem wird es wohl weiterhin einige geben, die

- die Dopingrecherchen der ARD für schlecht recherchiert halten

- den Journalisten Stimmungsmache vorwerfen

- das Ganze für aufgebauscht halten

- sogar evtl. für politisch motiviert halten.

Mit einem geschlossenen Auge sieht man noch etwas, schließt man beide, will man nichts sehen.