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Hallen-WM Tag 1, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - Druckversion

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RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - Atanvarno - 01.03.2018

(01.03.2018, 23:26)vedo schrieb: Falls ihr tatsächlich eingebläut wurde, hinten zu bleiben, hat man vielleicht einfach nicht mit einem solch langsamen Anfangskilometer gerechnet [...] aber genau das ist ja einfach das Problem beim taktieren, dass davor nicht bekannt ist, wie das Rennen letztendlich genau verlaufen wird und man dann eben auch situationsbedingt selbst Entscheidungen treffen.

Da muss ich dann aber jo498 Recht geben: unwahrscheinlich war es nicht, dass es genau so einen Rennverlauf geben wird und man einen Plan dafür parat haben sollte.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - Jo498 - 01.03.2018

(01.03.2018, 22:57)dominikk85 schrieb: Koko ist natürlich noch Jung, aber sie ist diese saison zweitbeste über 3k und auch letztes jahr war sie outdoor bereits 3.
Dazu muss man natürlich sagen, dass in der Halle manche so wenige Rennen laufen, dass man aus den Listen nicht so viel schließen kann. Hassan ist 8:34 auf einer 250m-Bahn gelaufen (als einziges Rennen vor der WM überhaupt, auch etwas eigenartig) und Muir 8:37 in einem gemischten Rennen, Obiri und Worku 8:38 bzw. 8:39.

Eine der größten Stärken Klosterhalfens ist m.E. solo ohne Pacer Bestzeiten zu laufen und ein relativ hohes Tempo noch weiter (wenn auch graduell) zu steigern (wie bei fast allen ihren Rekordläufen über 3k/5k der letzten 3 Jahre). Das zeigt eigentlich auch eine große mentale Stärke. Aber so gewinnt man halt nur, wenn man auf diese Art laufen kann und es auch macht. 1500m sind dafür eher zu kurz, 3000m an der Grenze, über 5000 geht es schon ziemlich gut (vgl. Ayana).
Und es ist auch Unsinn, dass sie langsam wäre. Nur halt nicht ganz so schnell wie z.B. heute die ersten drei, die auch alle bessere 800/1500m-Zeiten haben.
Ich kann das nicht beurteilen und es sicher auch nicht verkehrt, die 5000m schon mehr mit in den Blick zu nehmen, aber bei einer so jungen Athletin sollte man eigentlich doch auch noch mal schauen, was an Steigerung der Schnelligkeit drin ist, um Schlussrunden um/unter 60 sec. und vielleicht auch noch eine gute Sekunde Verbesserung bei der 800m-BL schaffen.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - vedo - 01.03.2018

(01.03.2018, 23:30)Atanvarno schrieb:
(01.03.2018, 23:26)vedo schrieb: Falls ihr tatsächlich eingebläut wurde, hinten zu bleiben, hat man vielleicht einfach nicht mit einem solch langsamen Anfangskilometer gerechnet [...] aber genau das ist ja einfach das Problem beim taktieren, dass davor nicht bekannt ist, wie das Rennen letztendlich genau verlaufen wird und man dann eben auch situationsbedingt selbst Entscheidungen treffen.

Da muss ich dann aber jo498 Recht geben: unwahrscheinlich war es nicht, dass es genau so einen Rennverlauf geben wird und man einen Plan dafür parat haben sollte.
Ja klar, sehe ich genau so, man konnte die Rennen der Anderen ja alle verfolgen. Eigentlich konnte man von keiner Läuferin erwarten, von vorne weg Tempo zu machen, also hätte man das in Leverkusen auf dem Schirm haben dürfen. Warum sie jetzt aber so gelaufen ist wie sie ist und danach gesagt hat was sie sagte und was ihr Trainer ihr genau vor dem Rennen erzählt hat, können wir aber jetzt natürlich auch nur vermuten. Anscheinend sieht er es aber anders als das Forum hier oder er hat einfach vergessen ihr die Variable "wenn es ganz langsam ist, darfst du doch vorne weg" mitzugeben. Ist ja auch kompliziert, wenn man für sie alles im Vorhinein bedenken muss Wink ‌.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - Gertrud - 01.03.2018

Zitat:Ist ja auch kompliziert, wenn man für sie alles im Vorhinein bedenken muss Wink ‌.

Wenn man vorher ihre beste Art kennt, wie sie Bestleistungen herausläuft, kann man sie doch einfach so einstellen, dass sie ihr Rennen unabhängig von den anderen läuft. Das wäre aus meiner Sicht die naheliegende Lösung. Dann verstrickt man sich doch nicht in falsche Taktiken.

Gertrud


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - Jo498 - 02.03.2018

Es ist ja auch gar nicht so, dass Koko sich immer ungeschickt anstellte. Vielleicht macht ihr doch der Stress bei den Großereignissen noch etwas zu schaffen. Denn bei dem ersten größeren Sieg bei der Cross-EM 2015 hat sie sich erstmal defensiv an die Spitzengruppe gehängt und am Ende gewonnen. Bei der Junioren-WM 2016 mehrere Afrikanerinnen kaputtgelaufen, indem sie selber Tempo gemacht hat. Und in der DL in Birmingham den Pulk ziemlich lange ertragen und "mitgeschwommen".
Naja, die Erfahrung hilft vielleicht für die Zukunft (auch wenn der oben zitiierte Kommentar etwas verwirrend wirkt). Sie wird in der kommenden Saison sicher auch mehr DL o.ä. Rennen machen. In Deutschland kann sie fast immer vorweglaufen und wird kaum Taktik lernen können.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - vedo - 02.03.2018

(02.03.2018, 00:00)Jo498 schrieb: Denn bei dem ersten größeren Sieg bei der Cross-EM 2015 hat sie sich erstmal defensiv an die Spitzengruppe gehängt und am Ende gewonnen. 
Das war aber auch nur Bundestraineranweisung Tongue ‌: "Konstanze sollte vorne mitlaufen, selbst aber kein Tempo machen.“ (https://www.leichtathletik.de/news/news/detail/gold-bronze-gold-deutsche-u20-laeuferinnen-raeumen-ab/)
Die DL in Birmingham war vielleicht nicht von Anfang an ganz so schnell, aber trotzdem auch nicht langsam. Eher so wie in Dortmund, wobei in Birmingham der zweite Kilometer noch deutlich schneller war. Hat sich also gut angeboten zum mitschwimmen, weil gerade das Reinkommen in ein Rennen mit einem etwas langsameren, aber natürlich nicht ganz langsamen Startkilometer ihr in Vergangenheit eigentlich nicht schlecht gelegen hat.
Und bei der Junioren-WM war sie zwar sehr gut unterwegs, aber die Konkurrenz ist eben auch eine Andere. Da haben nach 3:04 und 2:56 eben immer noch zum damaligen Zeitpunkt sehr beeindruckende 2:47 für eine Medaille gereicht zum Schluss. Taktisch ist sie es eigentlich ähnlich wie gestern gelaufen.
Also ist alles jetzt nur bedingt mit einem taktischen WM-Rennen zu vergleichen leider. Wenn man Pacemakerinnen bei WMs einführen würde, hätte sie vielleicht auch gestern nicht ungeschickt ausgeschaut.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - dominikk85 - 02.03.2018

Wobei es vielleicht nicht schlecht ist das sie mal was anderes probiert hat. Imo sollte sie ihr tempo laufen. Was bedeutet nicht auf  teufel komm raus von vorne, wenn das rennen eh schnell ist sollte sie sogar eher an 3-4. Position laufen (weiter hinten aber nicht unbedingt), ist es dagegen langsam sollte sie eher nach vorne gehen und moderat tempo machen. Ich glaube ihr unterdistanz speed ist mit 1:59 auf 800 relativ ausgereizt, im kurzen spurt kann sie noch etwas stärker werden, aber wenn es langsam ist wird es immer schnellere geben.

wenn sie aber ihr tempo läuft haben viele andere auch nicht mehr den spurt, selbst wenn sie mit mühe dranbleiben.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - aj_runner - 02.03.2018

An alle die meinen, Koko hätte mit einer anderen Taktik besser abgeschnitten:
> die Top 3 sind bei jedem Rennverlauf deutlich besser als sie. Wahrscheinlich haben die sogar ein 8:25-Niveau
> die drei dahinter sind von der SB her in einem Atemzug mit ihr zu nennen, die haben aber mehr Rennvarianten drauf
> ob Platz 5 oder Platz 7 - geschenkt, mehr war nicht drin, auch wenn Dibaba ein gleichmäßig hohes Tempo von vorne gelaufen wäre
> dass sich auch andere auf auf den Saisonhöhepunkt hin steigern, sollten wir akzeptieren und die ewigen Vergleiche zu Rennen zuvor in der Saison nur bedingt aussagefähig sind
> Seid nicht traurig, sie hat einen super Job gemacht, andere sind halt auch gut

Zur Einschätzung der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit von Koko:
> Was Koko auszeichnet ist, dass sie in gleichmäßig schnellen Rennen super Leistungen bringt und das von 800 m bis zum Cross (bei der Hallen-EM letztes Jahr hatte sie den Vorteil, dass es mit Muir nur eine starke Konkurrentin gab). 
Ich kennen nur erfolgreiche Rennen von ihr, die sie so gelaufen ist
> Deshalb sagt eine Sub2 ichts über ihre Spurtfähigkeit aus
> Muir, Dibaba und Hassan sind den ersten Kilometer nicht auf Bahn 2 gelaufen. Ich habe beinahe einen Lachkrampf bekommen, als sie es in einem 3:15er Tempo nicht schaffte, an Obiri vorbeizulaufen. Muir kann auch langsam von vorne.
> Dass sie sich am Start hinten einsortieren musste hat nichts mit fehlender Schnelligkeit zu tun, sondern mit einer fehlenden konsequenten Laufweise

Und jetzt komme ich zu meiner Kritik und die ist an den Trainer gerichtet:
> warum wird sie in der Vorbereitung nur in Rennen geschickt, wo sie Tempo bolzt?
> 1 x gegen Dibaba hätte gereicht, warum zwei 1.500er nach dem gleichen Muster. In Dortumung (Meeting) und Torhun hätte sie taktisch mehr lernen können
> warum läuft sie eine DM nicht wie Muir bei den engl. Meisterschaften: die ersten beiden Kilometer als Lokomotive für die anderen in 6 Min. und dann hinter raus eine 2:45?
 => Liegt es vielleicht daran, dass der Trainer sich mit Rekordversuchen und einem DR besser feiern lassen kann als mit Rennen, die sich auf internationale Rennverläufe vorbereitet?


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - beity - 02.03.2018

Ich finde die Kritik an der Renngestaltung von Konstanze etwas zu hart. Hinterher ist immer leicht zu kritisieren.Also sie hat wirklich nicht eine Medaille verschenkt.
Da waren big four im Rennen, wo man davon ausgehen musste, das die, Form vorausgesetzt, vor ihr liegen könnten.
Von vornherein laufen wie sie es in Dortmund gemacht hat? Da wären zumindest 5 mitgekommen.
oder egal was ist, nur reagieren wenn vorne die Post abgeht und dann auf den letzten 400 ein/zwei einsammeln und so auf Platz 5 kommen?
Sie hat anders entschieden. Ob jetzt 5,6 oder 7 Ist nicht ganz sooo wichtig. Hat bestimmt was gelernt.
Ich persönlich finde mich bei „Empfehlungen“ eher bei Atanvarno wieder. Vielleicht wirklich versuchen, die ganzen Ratschläge auszublenden. Der Schuss geht los und dann genau das machen, was das Gefühl einem dann vermittelt. Seinem Instinkt zu folgen erfordert natürlich auch Selbstbewusstsein. 
Aber um nachzuvollziehen was einem Athleten vor und auch im Rennen so den Kopf geht ist für viele der Kommentatoren nicht so einfach, da ihnen die persönliche Erfahrung auf etwas höherem Niveau fehlt.
Die psychische Komponente ist wirklich nicht einfach und ich fand den Auftritt von Konstanze wirklich ganz okay.


RE: Hallen-WM, Birmingham 01.-04.03.2018 (Przybylko Bronze 2,29m) - beity - 02.03.2018

@aj_runner
weitestgehend Zustimmung.
Allerdings sehe ich das Rennen in Dortmund nicht als Fehler.  Wink
Zu sehen, ich kann von vorne in einem Steigerungslauf in der Halle 8:36 laufen....das gibt schon mal Sicherheit, läuferisch gut dabei zu sein und keine Angst haben zu müssen wenn es mal konstant schnell wird.