Leichtathletikforum.com
U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - Druckversion

+- Leichtathletikforum.com (https://leichtathletikforum.com)
+-- Forum: Leichtathletikforen (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=1)
+--- Forum: Leichtathletik allgemein (https://leichtathletikforum.com/forumdisplay.php?fid=2)
+--- Thema: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 (/showthread.php?tid=5372)

Seiten: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - frbcrane2 - 16.07.2023

(16.07.2023, 21:50)longbottom schrieb: Aber ja, das sind alles Athleten, die schon Weltklasse-Ergebnisse erzielt haben. Von denen gibt es in Deutschland in der Altersklasse aktuell zu wenige. Assani, aber das war bis jetzt noch eine Eintagsfliege (was sich hoffentlich mit der Zeit ändert). Richter und Hummel in Ansätzen. Gürth auch ansatzweise, auch wenn Behauptungen bei Instagram, dass sie weiter als Krause in dem Alter ist, nicht stimmen, zumindest von der reinen Zeit her.

Dafür ist sie aber deutlich vor einer Lea Meyer im vergleichbaren Alter. Und auch, wenn ich mir mit der Prognose vielleicht die Finger verbrenne: Für mich ist Meyer in den Laufdisziplinen (m+w) die aussichtsreichste deutsche Kandidatin auf einen Top-Platz in Budapest, trotz Lückenkemper, Hartmann, Farken oder den 400-Hürdlern. Und das war keine, wo man das in den U-Klassen unbedingt erwarten konnte, dass sie mal 9:15 läuft und EM-Silber holt.
Über 800m ist Gürth schon schneller, als es Krause jemals war. Hängt also davon ab, wie man die Aussage interpretiert. Krafzik traue ich das Finale zu, wenn sie einen optimalen Lauf erwischt. Bei Lückenkemper stellt sich die Frage, ob sie diese Saison überhaupt schneller laufen wird? Seit zwei Monaten bringt sie konstant gute Zeiten, aber eine Steigerung ist nicht zu erkennen. Letztes Jahr lief sie 10.99 bei den DM und war danach nicht mehr schneller.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - runner5000 - 16.07.2023

(16.07.2023, 21:50)longbottom schrieb: Gürth auch ansatzweise, auch wenn Behauptungen bei Instagram, dass sie weiter als Krause in dem Alter ist, nicht stimmen, zumindest von der reinen Zeit her.
Dafür ist sie aber deutlich vor einer Lea Meyer im vergleichbaren Alter. 
Gesa ist im ein Jahr jünger mit einer 9:24 ins Olympiafinale gelaufen und ist dort mit einer 9:23 min Achte geworden. Heutzutage ist nichtmal sicher, dass man sich damit überhaupt qualifiziert.
In den zwei Jahren danach hat sie sich zeitlich nicht weiterentwickelt (9:37, 9:35). Sie ist trotzdem U23 Europameisterin geworden und 9. bei der WM in Moskau bzw. 5. bei der EM in Zürich geworden. Heutzutage unvorstellbar!
Danach kam dann in 2015 der Sprung auf 9:19 und direkt WM Bronze mit einer Hand am WM-Titel. Ebenfalls absolut ausgeschlossen acht Jahre später. Vier Jahre später musste schon eine 9:03 her für Bronze.
Gesa hat bzgl. der erreichten internationalen Erfolge stark von der damals noch rückständigen Entwicklung des noch recht jungen Hindernislaufes bei den Frauen profitiert und stark zur Entwicklung zu einer gleichwertigen Disziplin beigetragen.
Verschiebt man ihre Entwicklung 10 Jahre in Zukunft (also quasi Olivia) hätte sie keine WM-Medaille und wahrscheinlich auch einen EM-Titel weniger. 
Man wird sehen, ob Olivia die gleiche zeitliche Entwicklung nimmt wie Gesa und vor allem, ob sie die zwei Jahre Stagnation weglässt. Sie würde aber auch mit der gleichen Entwicklung mindestens auf Weltebene nicht so in Erscheinung treten wie Gesa damals. Aber sie könnte sich damit trotzdem in der europäischen Spitze etablieren und auch eine ernsthafte Gefahr für Lea darstellen. Das wird vielleicht schon nächstes Jahr passieren. Letztere ist übrigens vor vier Jahren 5. bei der U23-EM mit einer 9:55 min geworden. Da ist Olivia schon weit enteilt.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - aj_runner - 17.07.2023

(16.07.2023, 21:23)Gertrud schrieb:
(16.07.2023, 20:14)frbcrane2 schrieb: Vogel, Assani und Kienast sind große Talente, aber auch sehr verletzungsanfällig. 

Bei uns kommen zu wenige von den Talenten ganz oben an, weil einfach zu viele Ausfälle passieren. Man arbeitet hier in jungen Jahren oft in der Prophylaxe aus meiner Sicht nicht akribisch genug und somit fehlt einfach die strukturelle Feinarbeit.

Die Rechnung ist doch ganz einfach: Schmälere Basis an Talenten, weniger Erfolge. Es sei denn, man hütet und pflegt die "Wenigeren" entsprechend. Und dafür muss endlich der Hauptgrund für die Rückschritte und Stagnationen (und der frühen Abkehr von Leistungssport) angegangen werden: Das sind und bleiben die Verletzungen.
Man kann nur hoffen, dass das ständige "Nerven" von Getrud irgendwann seine Wirkung zeigt. Ich errinnere nur an die Diskussionen um Sosna.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - Sandmann - 17.07.2023

(16.07.2023, 21:42)Oliver schrieb:
(16.07.2023, 21:17)Atanvarno schrieb: Also schlechtestes Ergebnis aller Zeiten Sad
Das Ergebnis wäre noch schlechter, hätte man nicht eine Nation ausgeschlossen.

Das ist ein wichtiger Hinweis. Es wird häufig vergessen, daß die vielen russischen Medaillen inzwischen unter den anderen Verbänden aufgeteilt werden (Belarus dito, mit geringerem Effekt natürlich).


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - Gertrud - 17.07.2023

(17.07.2023, 06:32)aj_runner schrieb:
(16.07.2023, 21:23)Gertrud schrieb:
(16.07.2023, 20:14)frbcrane2 schrieb: Vogel, Assani und Kienast sind große Talente, aber auch sehr verletzungsanfällig. 

Bei uns kommen zu wenige von den Talenten ganz oben an, weil einfach zu viele Ausfälle passieren. Man arbeitet hier in jungen Jahren oft in der Prophylaxe aus meiner Sicht nicht akribisch genug und somit fehlt einfach die strukturelle Feinarbeit.

Die Rechnung ist doch ganz einfach: Schmälere Basis an Talenten, weniger Erfolge. Es sei denn, man hütet und pflegt die "Wenigeren" entsprechend. Und dafür muss endlich der Hauptgrund für die Rückschritte und Stagnationen (und der frühen Abkehr von Leistungssport) angegangen werden: Das sind und bleiben die Verletzungen.
Man kann nur hoffen, dass das ständige "Nerven" von Getrud irgendwann seine Wirkung zeigt. Ich errinnere nur an die Diskussionen um Sosna.

Danke, ich werde irgendwann mal ganz ausführlich darauf antworten. Momentan habe ich selbst einige Belastungen zu stemmen. 

Ich unterstelle nicht, dass man beim DLV total betriebsblind ist. Es gibt sicherlich offene Türen. Ich habe vor 30 (!!!) Jahren bereits in Mainz auf diese Misere im Kenntnisstand der TuT darauf massiv bei einem meiner Vorträge hingewiesen. Man hat mich damals seitens der TuT überhört.

Dann habe ich mein eigenes Ding ohne viel Reibungsverlust gemacht und mir unglaublich viel angeeignet. Ich habe in meinem Fundus fast alles umgekrempelt. Bis heute fahre ich zu neurophysiologischen unentgeltlichen Fortbildungen. Dort gab es einen Sport-Professor, dem ich bei einer anatomischen "Neuheit" die Jahreszahl genannt habe. Er hat mich bei seinem Vortrag immer wieder angeschaut und gedacht: "Wer ist diese in die Jahre gekommene Frau?" Ich möchte diese Leidenschaft, die mich seit Jahren antreibt, einfach empfehlen, damit wir unsere Schützlinge möglichst verletzungsfrei nach oben begleiten können.

Das Bewegungsschulen unserer TuT muss einen breiten Rahmen bekommen. Ich habe beim DLV-Hürden-Lehrgang in Kaiserau gemerkt, dass keiner der anderen TuT auf die unglaubliche Innenrotation bei Hawa Jalloh geachtet hat. Ich habe nur gesagt: "Wie lange soll sie so durchkommen?!" Ich sehe auch die Verletzungen bei Malaika Mihambo in dem vernachlässigten Kontext, auch den vierfachen Bänderriss von Wester. Das sind Inhalte, die auf das "Tablett" gehören. Man kann die Statik, die nicht der Norm entspricht, sanft korrigieren, allerdings nicht mehr alles nachholen, was im Kindesalter vernachlässigt worden ist. Dazu kann "Chirurg" den fachlichen Hintergrund sehr gut geben.

Wir müssen Kinder und Jugendliche in jeder Hinsicht "stark machen". Der DLV sollte in einigen Maßnahmen umschwenken, damit er auch solche wertvollen Menschen wie Harald Schmid integriert, sein Wissen nutzt und damit man nicht 40 bis 50 Jahre auf die Verbesserung des DR im 400m-Hürdenlaufes warten muss:

https://www.kicker.de/ich-war-halt-ziemlich-schnell-harald-schmid-wird-65-918919/artikel

"Dabei war Schmid ein Autodidakt, der sich in kein Trainingsschema pressen ließ. Diese ausgeprägte Individualität war auch der Grund, warum er keinen Funktionärsjob im Deutschen Leichtathletik-Verband übernehmen wollte. "Ich war gewohnt, meinen eigenen Weg zu suchen", sagte Schmid. "Wenn ich etwas mache, will ich es mit Hingabe machen und keine Kompromisse eingehen. Das hätte nicht zu mir gepasst.""

Gertrud


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - Delta - 17.07.2023

Interessanterweise habe ich den Eindruck, dass die U23 DM die Athleten eher behindert hat in der Vorbereitung. Da wäre ein Termin ab15-25.6 deutlich besser gewesen. Die Griechen hatten die Meisterschaft 1 Woche vor der EM. Die Schweiz hat die Meisterschaft im September damit sich die Athleten für die EM vorbereiten konnten. Da war Null Druck um noch irgendwelche Limiten oder ähnliches zu erzielen.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - longbottom - 17.07.2023

(16.07.2023, 23:20)runner5000 schrieb: Gesa hat bzgl. der erreichten internationalen Erfolge stark von der damals noch rückständigen Entwicklung des noch recht jungen Hindernislaufes bei den Frauen profitiert und stark zur Entwicklung zu einer gleichwertigen Disziplin beigetragen.
Verschiebt man ihre Entwicklung 10 Jahre in Zukunft (also quasi Olivia) hätte sie keine WM-Medaille und wahrscheinlich auch einen EM-Titel weniger. 

Sicher hat sie gerade am Anfang ihrer Karriere davon profitiert, dass die Disziplin noch jung war. Sie hat sich aber mit dieser Disziplin mit entwickelt. Zumindest die Doha-Medaille hätte sie auch mit der aktuellen Leistungsdichte holen können (immer natürlich von ihrer Tagesform und der ihrer Konkurrenz abhängig). Ist ja auch noch nicht so lange her. Die ganz starke Pulverisierung der vorangegangenen Weltrekorde ist gestoppt.

Die aktuelle Bestmarke stammt von 2018 also sogar von vor Krauses zweitem Bronzelauf. Danach hat man sich auf einem Level eingepegelt, in dem Zeiten knapp über 9 Minuten weiterhin Weltklasse darstellen. Dass die Zeiten noch einmal derart purzeln, dass Gürth bei (rein theoretisch) einer vergleichbaren Entwicklung mit Krause in ähnlichem Alter deutlich weiter weg von der Weltspitze wäre, glaube ich nicht. Dazu hat sich die Disziplin inzwischen zu sehr etabliert.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - longbottom - 17.07.2023

(16.07.2023, 22:48)frbcrane2 schrieb: Krafzik traue ich das Finale zu, wenn sie einen optimalen Lauf erwischt. Bei Lückenkemper stellt sich die Frage, ob sie diese Saison überhaupt schneller laufen wird? Seit zwei Monaten bringt sie konstant gute Zeiten, aber eine Steigerung ist nicht zu erkennen. Letztes Jahr lief sie 10.99 bei den DM und war danach nicht mehr schneller.

Ich traue Krafzik auch das Finale zu. Ebenso Hartmann, und wenn die Form 100% stimmt und man etwas Glück hat, würde ich es auch bei Lückenkemper und den männlichen 400-Hürden-Sprintern nicht ausschließen. Wenngleich man natürlich auch sagen muss, dass von allen Disziplinen die Sprinter/Läufer bis 800 es am schwersten haben, das Finale zu erreichen, weil es die wenigsten Finalplätze gibt mit nur acht. Meyer kämpft um einen von 15, also immerhin fast das Doppelte.

Der Grund, warum ich Meyer als die Aussichtsreichste sehe, ist weniger die Finalchance (die aus genannten Gründen so oder so höher als die der Sprinter aber eben nicht völlig vergleichbar ist), sondern dass sie für mich sehr großes Potential andeutet. Im ersten Hindernisrennen des Jahres gleich mal eine 9:20, im zweiten läuft sie fast im Alleingang knapp über 9:30, dabei den letzten Kilometer in 3 Minuten und das in großer Hitze und obwohl sie einen Tag vorher in ähnlicher Hitze schon einen recht schnellen 5000er gelaufen ist. Sie ist noch etwas unter dem Radar, weil ihre Zeiten nicht so ins Auge stechen wie die von Hartmann, aber ich glaube, dass sie eine Menge reißen kann. Wie gesagt, wenn ich mir damit jetzt die Finger verbrenne, ist es halt so.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - aj_runner - 17.07.2023

Zitat:Der Grund, warum ich Meyer als die Aussichtsreichste sehe, ist weniger die Finalchance (die aus genannten Gründen so oder so höher als die der Sprinter aber eben nicht völlig vergleichbar ist), sondern dass sie für mich sehr großes Potential andeutet. Im ersten Hindernisrennen des Jahres gleich mal eine 9:20, im zweiten läuft sie fast im Alleingang knapp über 9:30, dabei den letzten Kilometer in 3 Minuten und das in großer Hitze und obwohl sie einen Tag vorher in ähnlicher Hitze schon einen recht schnellen 5000er gelaufen ist. Sie ist noch etwas unter dem Radar, weil ihre Zeiten nicht so ins Auge stechen wie die von Hartmann, aber ich glaube, dass sie eine Menge reißen kann. Wie gesagt, wenn ich mir damit jetzt die Finger verbrenne, ist es halt so.

Es gibt noch ein weiteres Argument: Auch wenn Olivia Gürth bei der DM wahrscheinlich nicht mehr voll durchgezogen hat. Eine Läuferin mit 9:25-iger so zu distanzieren, zeigt, dass es da in Richtung 9:10 bzw. sogar darunter gehen kann.


RE: U23-EM 2023 (Tag 4) - Espoo, 16.07.2023 - frbcrane2 - 17.07.2023

(16.07.2023, 22:39)Befürworter schrieb: Die U20 und die U18 haben meines Erachtens insgesamt mehr Talente als die U23 mit einer in etwa vergleichbaren Zahl von Jahrgängen. Die werden sich zwar nicht alle weiter verbessern und durchkommen, dafür sind dort eine Handvoll Sportlerinnen und sogar Sportler, die es eventuell sogar in die Weltspitze schaffen könnten. Ich erspare denen lieber eine namentliche Nennung, denn die Rolle als personifizierte Hoffnung der deutschen Leichtathletik ist bestimmt nicht ideal für die Persönlichkeitsentwicklung :-). Meine Vorfreude auf die U20-EM ist jedenfalls groß.
Die U20 hat mehr Talente, der DLV macht es diesen Talenten aber auch deutlich schwerer. Sie sollen bei der Junioren-Gala performen, vier Wochen später bei den DM und drei Wochen später folgt ihr dritter Höhepunkt EM. Für mich klingt das nicht nach optimaler Vorbereitung, deshalb befürchte ich, daß einige durch den dummen Quali-Modus des DLV nicht in bester Form antreten werden.