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Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - Druckversion

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RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - icheinfachma - 06.05.2017

Ich habe mal das ganze Interview rausgesucht und finde das hier sehr interessant:
Zitat:Schließen die Europäer auf zu den Sprintern aus Übersee?In Europa und insbesondere in Deutschland wird seit zehn, zwölf Jahren konsequent gegen Doping gekämpft. Dadurch sind wir methodisch weiter als die Länder, die immer noch dopen oder erst vor kurzem damit aufgehört haben.Wächst dieser Vorteil in dem Maße, in dem die internationale Dopingbekämpfung, etwa auf Jamaika, fortschreitet?Da kann ich nur Ja sagen. Ich schätze, dass sie auf Jamaika methodisch nicht viel besser sind als wir.

http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/sprint-trainer-bauer-mit-unserem-training-bekommt-man-keine-muskelberge-11009640.html


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - dominikk85 - 07.05.2017

(05.05.2017, 10:36)icheinfachma schrieb: Ja, man merkt oft auch, dass man die beste Trainingsmethodik und Technikdidaktik anderen Leuten erklären kann - es gibt welche, die verstehen es und können es umsetzen und die meisten können die physiologischen, biomechanischen oder pädagogischen / didaktischen Überlegungen nicht nachvollziehen, die hinter der Trainingsmethodik stehen. Am Ende ist die gute Trainingsmethodik das eine, aber man muss als Trainer auch einfach bestimmte Dinge von Natur aus mitbringen: ein Händchen für die Technikvermittlung, einen Blick für richtige und falsche Bewegungen bzw. die Fähigkeit unwesentliche und wesentliche Fehler zu unterscheiden, eine gewisse Intelligenz / Logik / Rationalität, um die naturwiss. Ansätze zu verstehen und sinnvoll einzusetzen und natürlich eine große Clevernes und Kreativität, die man v.a. für das Entwickeln eigener Trainingsmethoden und -mittel verwendet. Und natürlich muss man bereit sein, sich permanent selbst zu evaluieren und sich eigene Trainingsfehler eingestehen bzw. die Möglichkeit in Erwägung ziehen, selbst nicht alles richtig zu machen und dementsprechend aufgeschlossen gegenüber anderen Trainingsansätzen zu sein. All das sind Qualitäten, die man nur bedingt oder gar nicht erlernen kann, da nützt die beste Ausbildung nichts.

Fähigkeiten in mentalem und Motivation/Aufbauen sind auch wichtig. Athleten sind ja keine Roboter die man programmieren kann.


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - Gertrud - 07.05.2017

Zitat:Vor allem, welcher Kniewinkel, beim Initialbodenkontakt vorliegt. Ist das Knie stärker gebeugt beim Bergablauf, ist der Quadrizeps stärker beteiligt. Aber mit vollkommen gestreckten Knien bergab zu laufen, dürfte dem Meniskus als Stoßdämpfer des Knies nicht so sehr gefallen? Mit gebeugtem Knie kann das Knie besser nachgeben und so der Quadrizeps dem Meniskus Belastung abnehmen.

Es geht hier um die exzentrische Arbeit. Wenn er bei der konzentrischen Arbeit in den Endwinkeln beteiligt ist, müsste er bei der exzentrischen ebenfalls greifen. Es kommt sicherlich auf die Neigung an.

Gertrud


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - icheinfachma - 07.05.2017

(07.05.2017, 09:18)Gertrud schrieb:
Zitat:Vor allem, welcher Kniewinkel, beim Initialbodenkontakt vorliegt. Ist das Knie stärker gebeugt beim Bergablauf, ist der Quadrizeps stärker beteiligt. Aber mit vollkommen gestreckten Knien bergab zu laufen, dürfte dem Meniskus als Stoßdämpfer des Knies nicht so sehr gefallen? Mit gebeugtem Knie kann das Knie besser nachgeben und so der Quadrizeps dem Meniskus Belastung abnehmen.


Es geht hier um die exzentrische Arbeit. Wenn er bei der konzentrischen Arbeit in den Endwinkeln beteiligt ist, müsste er bei der exzentrischen ebenfalls greifen. Es kommt sicherlich auf die Neigung an.

Gertrud

Ja, aber wenn man das Bein durchstreckt, anstatt bereits leicht gebeut aufzusetzen, bekommt doch der Meniskus einen wesentlich heftigeren Stoß ab oder?


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - Gertrud - 07.05.2017

(06.05.2017, 19:46)icheinfachma schrieb:
Zitat:Schließen die Europäer auf zu den Sprintern aus Übersee?In Europa und insbesondere in Deutschland wird seit zehn, zwölf Jahren konsequent gegen Doping gekämpft. Dadurch sind wir methodisch weiter als die Länder, die immer noch dopen oder erst vor kurzem damit aufgehört haben.
http://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/sprint-trainer-bauer-mit-unserem-training-bekommt-man-keine-muskelberge-11009640.html

Es kann sein .... allein mir fehlt der Glaube, dass es de facto so ist. Es gibt Minidoping. Es gibt Substanzen, die noch nicht auf der Dopingliste stehen, aber ähnliche Effekte erzielen. Manche waren immer weiter als der Mainstream.
Zitat:Wächst dieser Vorteil in dem Maße, in dem die internationale Dopingbekämpfung, etwa auf Jamaika, fortschreitet?

Ich kann die Situation in der Tat nicht im Detail beurteilen. Es scheint wohl so zu sein, dass es nicht so viele nationale Kontrollen wie hier gibt. Was spricht dagegen, einen Bolt durch die WADA permanent testen zu lassen?
Zitat:Da kann ich nur Ja sagen. Ich schätze, dass sie auf Jamaika methodisch nicht viel besser sind als wir.

Hinsichtlich Bolt stimmt das sicherlich nicht und hinsichtlich des Unterbaus auch nicht. Wenn man unsere Kinderleichtathletik mit den methodischen jamaikanischen Ansätzen vergleicht, bestehen Welten dazwischen - vor allem in der Methodik und im schulischen Wettkampfwesen. Dagegen wird hier "Pillepalle" "trainiert"!  Thumb_down

Die Boltsche Methodik hat sich bisher zu unserer Methodik stark unterschieden im: Warm Up, sicherlich auch in den Drills, gravierend in der Sprinttechnik (Da sollte man schon genau hinschauen und nachforschen!!!), auch in der speziellen Wettkampfkraft und Strukturansteuerung und in der Dominanz von strukutellem Training.

Ich habe übrigens noch keine Hinweise auf ein Übermaxtraining gesehen oder gelesen. Ich halte eine Deckenschienenführung im Übermaxtraining hinsichtlich der Technik für sehr problematisch in der Ansteuerung der einzelnen Strukturelemente.

Gertrud


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - icheinfachma - 07.05.2017

(07.05.2017, 08:56)dominikk85 schrieb:
(05.05.2017, 10:36)icheinfachma schrieb: Ja, man merkt oft auch, dass man die beste Trainingsmethodik und Technikdidaktik anderen Leuten erklären kann - es gibt welche, die verstehen es und können es umsetzen und die meisten können die physiologischen, biomechanischen oder pädagogischen / didaktischen Überlegungen nicht nachvollziehen, die hinter der Trainingsmethodik stehen. Am Ende ist die gute Trainingsmethodik das eine, aber man muss als Trainer auch einfach bestimmte Dinge von Natur aus mitbringen: ein Händchen für die Technikvermittlung, einen Blick für richtige und falsche Bewegungen bzw. die Fähigkeit unwesentliche und wesentliche Fehler zu unterscheiden, eine gewisse Intelligenz / Logik / Rationalität, um die naturwiss. Ansätze zu verstehen und sinnvoll einzusetzen und natürlich eine große Clevernes und Kreativität, die man v.a. für das Entwickeln eigener Trainingsmethoden und -mittel verwendet. Und natürlich muss man bereit sein, sich permanent selbst zu evaluieren und sich eigene Trainingsfehler eingestehen bzw. die Möglichkeit in Erwägung ziehen, selbst nicht alles richtig zu machen und dementsprechend aufgeschlossen gegenüber anderen Trainingsansätzen zu sein. All das sind Qualitäten, die man nur bedingt oder gar nicht erlernen kann, da nützt die beste Ausbildung nichts.


Fähigkeiten in mentalem und Motivation/Aufbauen sind auch wichtig. Athleten sind ja keine Roboter die man programmieren kann.

Ja, mir ging es nur um die Frage inwiefern eine Trainingsmethodik abgekupfert werden kann oder man dafür Fähigkeiten mitbringen muss.


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - Gertrud - 07.05.2017

(07.05.2017, 09:45)icheinfachma schrieb: Ja, aber wenn man das Bein durchstreckt, anstatt bereits leicht gebeut aufzusetzen, bekommt doch der Meniskus einen wesentlich heftigeren Stoß ab oder?

Ja, aber das LP greift nicht nur ab 180°.

Gertrud


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - icheinfachma - 07.05.2017

@ Gertrud: So ähnliche Gedanken hatte ich auch, als ich diese Zeilen gelesen habe. Ich habe mir die letzen Jahre versucht, ein Bild davon zu machen, was in den USA üblich ist an Trainingsmethodik, was dort in der Trainerausbildung so gelehrt wird, wie der Tenor auf den amerikanischen Websites zum Thema Trainingsmetodik ist und was man an Übungsvideos auf Youtube findet. Im Vergleich dazu habe ich viele Sprint-Lehrbücher aus Deutschland gelesen und auch intensiv ausgearbeitet und Rahmentrainingspläne von hießigen Trainern gesehen.

Die Aussage, dass man in Amerika / Karibik nicht weiter sei, hat sich mir dabei überhaupt nicht bestätigt, sondern ganz im Gegenteil scheint man dort
-im biomechanischen / technischen Bereich
-trainingsphysiologischen / trainingsplanerischen Bereich
-sportpsychologischen Bereich
weiter zu sein als wir.

Ich weiß außerdem, dass es etliche Trainer in Dt. gibt, die das absstreiten, jedoch ohne sich jemals mit der amerikanischen Methodik intensiv auseinandergesetzt zu haben.


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - icheinfachma - 07.05.2017

(07.05.2017, 09:52)Gertrud schrieb:
(07.05.2017, 09:45)icheinfachma schrieb: Ja, aber wenn man das Bein durchstreckt, anstatt bereits leicht gebeut aufzusetzen, bekommt doch der Meniskus einen wesentlich heftigeren Stoß ab oder?

Ja, aber das LP greift nicht nur ab 180°.

Gertrud


Wiemann schreibt von 150°, Sie hatten glaube ich mal 140 oder 145° irgendwo erwähnt. Aber ist es nicht so, dass der Quadrizpes intensiv mitarbeitet? Ich merke z.B. meine Tempoläufe eigentlich nur im Quadrizeps. Ich habe aber auch eine schlechte Flughöhe, sodass ich ein Stück vor meinem KSP mit etwas stärker gebeugtem Knie lande. Ohne eine höhere Flughöhe kann ich nicht unter mir mit relativ gestrecktem Bein landen. Ist die Flughöhe denn nicht v.a. von der vertical spring stiffness abhängig und somit für leistungsschwächere Sprinter, Mittelstreckenläufer und Nachwuchsathleten so ein Sprintstil gar nicht möglich?


RE: Gründe für den Aufschwung des deutschen Frauensprint - Gertrud - 07.05.2017

(07.05.2017, 09:56)icheinfachma schrieb: @ Gertrud: So ähnliche Gedanken hatte ich auch, als ich diese Zeilen gelesen habe. Ich habe mir die letzen Jahre versucht, ein Bild davon zu machen, was in den USA üblich ist an Trainingsmethodik, was dort in der Trainerausbildung so gelehrt wird, wie der Tenor auf den amerikanischen Websites zum Thema Trainingsmetodik ist und was man an Übungsvideos auf Youtube findet. Im Vergleich dazu habe ich viele Sprint-Lehrbücher aus Deutschland gelesen und auch intensiv ausgearbeitet und Rahmentrainingspläne von hießigen Trainern gesehen.

Die Aussage, dass man in Amerika / Karibik nicht weiter sei, hat sich mir dabei überhaupt nicht bestätigt, sondern ganz im Gegenteil scheint man dort
-im biomechanischen / technischen Bereich
-trainingsphysiologischen / trainingsplanerischen Bereich
-sportpsychologischen Bereich
weiter zu sein als wir.

Ich weiß außerdem, dass es etliche Trainer in Dt. gibt, die das absstreiten, jedoch ohne sich jemals mit der amerikanischen Methodik intensiv auseinandergesetzt zu haben.

Deutschland hat sich im Sprint in den letzten 20-30 Jahren wie eine "Eisenbahnschiene" bewegt. Ich habe die Wattenscheider Sprintkonzepte "hautnah" damals miterlebt. Erst jetzt forscht man wohl intensiv. Man kann ruhig mal Fehler zugeben. Nur dadurch verbessert man sich. Keine/r kann für sich in Anspruch nehmen, alles sofort richtig zu machen. 

Alter schützt vor Klasse nicht - siehe Ana Botha mit W. van Niekerk. Sie strotzt im Alter nur so vor Energie und Wissensfreude.

Gertrud