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Staatsschulden - Krise? - Druckversion

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Staatsschulden - Krise? - MZPTLK - 13.04.2015

(13.04.2015, 14:08)DerC schrieb: Diese Einschränkungen sind auch mit ein Grund warum heute z. B. das Niveau in der Breite auf der Langstrecken so schlecht ist. Durch Sozialabbau, Reallohnverluste etc. haben zu viele zu viel Druck im Berufsleben, um die nötigen Umfänge/Trainingsbelastungen bewältigen zu wollen und zu können.

Für die Schwimmer wirkt sich eine Sache noch stärker aus: Die Kommunen werden so kaputt gespart, dass sie die Bäder nicht mehr finanzieren können oder wollen. Für die LeichtathletInnen ist der Sparwahn aber auch schon schlimm genug.

Wenn ich jetzt weiter schreibe, sieht das fast aus wie ein Fall für den Jammertal thread. Aber nein, es ist doch  mehr der hilfreiche Zorn (siehe Schramms Pabstzitat im Kabarettfaden). Man muss den Zorn nur eben auch umsetzen - mindestens in Wahlentscheidungen.
Du schreibst sehr viel Richtiges, aber der Zug ist vor vielen Jahren abgefahren.
Die fetten Jahre sind vorbei, wir haben jahrzehntelang über unsere Verhältnisse gelebt.
Warner gab es schon seit Ende der siebziger Jahre: Miegel, Martin... ich könnte viele nennen,
die auch sogar in den Massenmedien jedem, der Ohren hatte oder lesen konnte, reinen Wein eingeschenkt haben.
Die Wähler haben es nicht hören wollen, verdrängt und diejenigen gewählt - also mehr oder weniger alle Parteien -
die ihnen auf Pump auf Kosten der Zukunft das Blaue vom Himmel geliefert haben.

Darum hat das hat aber auch gar nichts mit Sparwahn und willkürlichem Kaputtsparen zu tun.
Der Wahnsinn, die kaputtmachende Schuldenmacher- Politik war vorher.
Früher haben die Wähler und die Politiker Geld(= Schulden) beschlossen,
jetzt ist Ende der Fahnenstange.


Wahlentscheidungen?
In Griechenland wollten die Wähler kürzlich Geld beschliessen, indem sie eine Regierung wählten, die die Schulden weg- und Geld irgendwie herbeizaubern sollte.
Aber es wollen sich nicht mehr so recht dumme Gläubiger finden.

Berlin hatte vor über 10 Jahren die Bundesrepublik vor dem Bundesverfassungsgericht auf Alimentation verklagt, weil sie sowas von pleite waren.
Erfolglos, und dann hat sogar die mitregierende PDS/Linke jahrelang die Sparkröten geschlucktBlush(würg!).

Die Zukunft ist jetzt, und wir zahlen schon seit Jahren  den Preis.
Und der Preis wird in den kommenden Jahren immer mehr erhöht.
Hat nix mit Jammertal zu tun, das ist und wird Fakt.

Oder man sperrt alle Reichen ein, damit sie nicht weglaufen können und plündert sie.Idea Fahne Big Grin
Und dann gehr der ganze Durchlauf von vorne los....


RE: Studium in den USA und Englischkenntnisse - DerC - 13.04.2015

(13.04.2015, 16:33)MZPTLK schrieb: Du schreibst sehr viel Richtiges,
Das aus deinem Mund! Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Nicht nett ist aber, dass ich "undefined" heiße??
Edit: Seltsam, jetzt heiße ich im Zitat wieder richtig?! Lag vielleicht an der Software?
nein, das liegt am freundlichen mod, der unermüdlich kaputte Zitate repariert
(13.04.2015, 16:33)MZPTLK schrieb: aber der Zug ist vor vielen Jahren abgefahren.
Die fetten Jahre sind vorbei, wir haben jahrzehntelang über unsere Verhältnisse gelebt.
Sehe ich komplett anders. Da bist du möglicherweise ein wenig den Manipulationen der Meinungsmacher auf denLeim gegangen.

Es ist zugegebener maßen auch alles nicht ganz unkompliziert und viele volkswirtschaftliche Konzepte sind umstritten. Aber ohne ein wenig Ahnung von Ökonomie geht es nicht. Leider haben Leute wie Schäuble oder Merkel davon zu wenig, das Hauptproblem in der Demokratie ist aber womöglich, dass die Wähler das Wissen nicht haben.

Der Fehler, den viele machen, ist den Staatshaushalt mit einem Privathaushalt zu vergleichen bzw. private Schulden mit Staatsschulden. Das ist aber ein Vergleich, der an fast allen Ecken und Enden unpassend ist. (kann ich auf Anfrage gerne erläutern, warum das nicht passt). Auch etwas hinkend, aber besser passend, ist der Vergleich mit einem großen Unternehmen. Viele sehr erfolgreiche Unternehmen haben (zeitweise) große Schulden. Es ist sehr oft notwendig, um Investitionen zu finanzieren, die später Gewinne bringen werden.

Deutschland hat als Staat KEIN Schuldenproblem - jetzt nicht, und auch auf absehbare Zeit nicht.

Auch ein Land wie Japan hat - obwohl stark verschuldet  - kein ernsthaftes Problem mit Schulden. Ergänzung: Ernsthaft verglichen mit den problemen a la Portugal oder Griechenland.

Das liegt an der Bonität, an dem Vertrauen, was "der Markt" in die zukünftige Wirtschaftsleistung dieser Staaten hat.

Ein Staat muss - damit es wirtschaftlich läuft - immer wieder Schulden machen, jedenfalls in unserem Geldsystem.

Das ist für breit aufgestellte, wirtschaftlich starke Volkswirtschaften auch kein Problem. Es kommen immer wieder bessere zeiten, in denen kann man dann weniger Schulden machen, schulden begleichen etc.

Auch wenn das in der Vergangenheit nicht immer perfekt funktioniert hat, so ist die Idee, dass Staaten antizyklisch agieren müssen, dennoch grundsätzlich richtig.

Derzeit kriegt D das Geld fast zum Nulltarif, teilweise gab es sogar negative zinsen - eigentlich ideal um neue Schulden aufzunehmen.


(13.04.2015, 16:33)MZPTLK schrieb: Das hat aber auch gar nichts mit Sparwahn und willkürlichem Kaputtsparen zu tun,
Der Wahnsinn, die Schuldenmacher- Politik war vorher.
Früher haben die Wähler und die Politiker Geld(= Schulden) beschlossen,
jetzt ist Ende der Fahnenstange.
Nö, zumindest nicht für D, also es ist Geld und Bonität genug da, D müsste nicht so sparen. Hierzulande ist die Sparpolitik ja teils Ausdruck von Dummheit/Unfähigkeit, teils Mittel zum Zweck um gewisse Klientel zu bedienen oder machtpolitische Ziele zu erreichen.

Wichtig ist wie bei fast allen politischen Fragen: Cui bono?
Wem nützt die Sparpolitik?

Bei den Kommunen ist es natürlich so, dass die Macht sich hin zur Zentrale verteilt, wenn Kommunen chronisch pleite sind. Wenn die Kommunen nur handlungsfähig sind, wenn sie von Ländern oder Bund Nothilfen bekommen, haben bund und Länder mehr Macht. Wer das Geld verteilen kann, hat die Macht.

Ähnlich ist es in der EU. Griechenland kann nicht mehr die Politik machen, die vom Volk gewählte Regierung möchte. Über die Finanzen kann Deutschland stärker als in dem normalen Procedere im Mehrebenensystem EU in der griechischen Politik mitbestimmen.

Es ist eine neue Form von Wirtschaftsimperialismus. Das Perfide daran ist, dass die weniger produktiven Länder in der Währungsunion gerade durch die deutsche Politik gar keine Chance haben, an das Niveau heranzukommen. Die deutschen Löhne sind gemessen an der Produktivität viel zu niedrig. Das kann die Union auf Dauer nicht aushalten. Es betrifft auch nicht nur Griechenland, sondern auf Dauer auch andere, deutlich stärkere Länder.

Die Experten haben das natürlich von anfang an gewusst. Wie soll ein Land, das jahrelang von einer Junta ausgeplündert wurde, viele organisatorische Defizite hat und eine kaum vorhandene Inustrie, mit einem land wie D mithalten können?
Es war keine Panne, dass ein oder mehrer Länder ihre Daten frisiert haben. Das war gewollt. Aber zu welchem Zweck?

Dazu später mehr. Nur eins noch: Als die Wiederveinigung noch jung war, wurde die (ehemalige) DDR gerne wie ein Entwicklungsland dargestellt. De facto war diese Volkswirtschaft eher auf dem Niveau von Spanien.

Also war es klar, dass es viel Geld kosten würde - wer es gewagt hat, das zu sagen, wurde abgestraft (Lafontaine).

In der EU war das auch klar. Aber man wollte die Sympolopitik, man wollte den Frieden, nur wollte und will man dafür nicht das investieren, was notwendig wäre. Stattdessen gibt es Notkredite nur im Tausch gegen Teilentmachtung, Hilfen gegen durchsetzung von idiotischen neoliberalen Konzepten, die nur einem gewissen Klientel nützen.

Es hätte für jedes der Länder Spanien Portugal und Griechenland schon bei Eintritt in die EU eine Art "Marshallplan" geben müssen. Zusammen mit einer vernünftigen Finanzpolitik in Ländern wie D hätte man es schaffen können, die problem in einem viel kleineren Rahmen zu halten.  

Später mehr dazu. Vielleicht finde ich dann auch noch ein paar Links, in denen das besser erklärt werden könnte als ich das hier kann.

gruß

C


RE: Staatsschulden - Krise? - Atanvarno - 13.04.2015

Soviel Keynes, da muss ich doch mal ein wenig Hayek in den Raum werfen






RE: Staatsschulden - Krise? - MZPTLK - 13.04.2015

(13.04.2015, 17:32)DerC schrieb: 1. Sehe ich komplett anders. Da bist du möglicherweise ein wenig den Manipulationen der Meinungsmacher auf denLeim gegangen.

2. Es ist zugegebener maßen auch alles nicht ganz unkompliziert und viele volkswirtschaftliche Konzepte sind umstritten. Aber ohne ein wenig Ahnung von Ökonomie geht es nicht. Leider haben Leute wie Schäuble oder Merkel davon zu wenig, das Hauptproblem in der Demokratie ist aber womöglich, dass die Wähler das Wissen nicht haben.

3. Deutschland hat als Staat KEIN Schuldenproblem - jetzt nicht, und auch auf absehbare Zeit nicht.

4. Auch ein Land wie Japan hat - obwohl stark verschuldet  - kein ernsthaftes Problem mit Schulden. Ergänzung: Ernsthaft verglichen mit den problemen a la Portugal oder Griechenland.

5. Das liegt an der Bonität, an dem Vertrauen, was "der Markt" in die zukünftige Wirtschaftsleistung dieser Staaten hat.

6. Ein Staat muss - damit es wirtschaftlich läuft - immer wieder Schulden machen, jedenfalls in unserem Geldsystem.

7. Das ist für breit aufgestellte, wirtschaftlich starke Volkswirtschaften auch kein Problem. Es kommen immer wieder bessere zeiten, in denen kann man dann weniger Schulden machen, schulden begleichen etc.

8. Auch wenn das in der Vergangenheit nicht immer perfekt funktioniert hat, so ist die Idee, dass Staaten antizyklisch agieren müssen, dennoch grundsätzlich richtig.

9. Derzeit kriegt D das Geld fast zum Nulltarif, teilweise gab es sogar negative zinsen - eigentlich ideal um neue Schulden aufzunehmen10. ...zumindest nicht für D, also es ist Geld und Bonität genug da, D müsste nicht so sparen. Hierzulande ist die Sparpolitik ja teils Ausdruck von Dummheit/Unfähigkeit, teils Mittel zum Zweck um gewisse Klientel zu bedienen oder machtpolitische Ziele zu erreichen.

11. Wichtig ist wie bei fast allen politischen Fragen: Cui bono?
Wem nützt die Sparpolitik?

12....dass die weniger produktiven Länder in der Währungsunion gerade durch die deutsche Politik gar keine Chance haben, an das Niveau heranzukommen. Die deutschen Löhne sind gemessen an der Produktivität viel zu niedrig. Das kann die Union auf Dauer nicht aushalten.

13. Als die Wiederveinigung noch jung war, wurde die (ehemalige) DDR gerne wie ein Entwicklungsland dargestellt. De facto war diese Volkswirtschaft eher auf dem Niveau von Spanien.


1. Wir sind alle Meinungsmacher, zum Beispiel in diesem Forum.
Ich schliesse nicht aus, dass ich mal jemand auf den Leim gehe, das hat sich mit den Jahren aber stark gelegt. Und was dieses Thema angeht, bin ich seit den späten siebziger und erst recht achtziger Jahren nicht nur sehr stark sensibilisiert, sondern habe auch beruflich damit zu tun.

2. Zumindest Schäuble hat Ahnung, er weiss viel mehr als er öffentlich kommuniziert.
Packte er aus, bräche eine Megapanik los, also 'hält er die Klappe', wie unser Schulden-Schmidt(1972-1982 Verdreifachung der Staatsschulden) öfter sagt.

3. Es ist aber mittlerweile auch sehr sehr egal, ob die da oben Ahnung haben oder 'Neolibs' oder Keynesfans sind, sie können eh nur wenigst ausrichten, denn der Anteil des Bundeshaushalts für Investitionen liegt bei unter 20%(2003: 35%), der Rest ist längst für Finanzierung der Vergangenheit(Schulden, Alimentation, etc.) verfrühstückt - mit steigender Tendenz, denn die impliziten Staatsschulden belaufen sich auf ein Mehrfaches der expliziten(offiziellen) von etwas über 2.000 Milliarden.

Eine grosse Gefahr tritt hinzu: Wir sind immer stärker exportabhängig. Wenn der Wind die Devisenschaukel in die andere Richtung pustet, sehen wir viel älter aus.
Und wenn die Fed die Zinsen erhöht, hat das auch in Europa Folgen.
Ich erspare mir, das durchzudeklinieren. Nur soviel: Viele Euroländer könnten ihre Schulden dann nicht mehr so bedienen wie bisher...

4. Das ist der Witz des Jahrhunderts! Japan hat 240% Staatsverschuldung bezogen aufs Bruttosozialprodukt. In den letzten 20/25 Jahren haben etwa 6,7 Keynesprogramme und auf nahe Null runtergeprügelte Zinsen  durch verschiedene Regierungen nicht nur nicht nachhaltig gewirkt, sondern haben die Quote hochgeschossen. Alles, um die chronische deflationäre Depression nicht zu schlimm werden zu lassen.
Die letzte Regierug hat nochmal einen kräftigen Keynes draufgesetzt und die Währung runtergequetscht, um zu überleben, anders kann man es nicht ausdrücken.
Wäre Japan nicht zu etwa 70-80% bei den eigenen Bürgern verschuldet, wäre Ende im Gelände.

5. Und schon sind wir bei der Bonität: da gibt es ja vor allem die Moodys, Standard & Poors und Fitchs, die sich bei der Finanzkrise nicht nur nicht mit Ruhm bekleckert haben, sondern m.E. kriminell gehandelt haben, indem sie Schrott viel zu hoch be-'wertet' haben.
Und jetzt kommt's: In den USA(die die letzten Jahre nur durch QE der FED überlebt haben) und in der Eurozone wurde vor einigen Jahren  laut darüber nachgedacht, eine staatliche Boni-Agentur zu gründenExclamationExclamationExclamation(damit man sich selbst Gefälligkeits-Gutachten ausstellen kann Big GrinBig GrinBig Grin). Man war der lustigen Ansicht, dass Moodys & Co. einige Staaten ungerecht schlecht bewertet hätten, woraufhin diese in Schwierigkeiten geraten seien. Ich frage mich schon sehr lange, warum zum Beispiel Frankreich immer noch eine sehr gute Bewertung hat...

6. Der Staat muss keine permanenten und/oder überbordenden Schulden machen, wenn er ein vernünftiges Preis-/Leistungsverhältnis begründet und aufrecht erhält. Historische Beispiele gibt es zuhauf. Zum Beispiel haben die USA nach 1945 sukzessive vor allem kriegsbedingte Schulden abgebaut.
Sogar bei deutschen Kommunen gibt es einige positive Beispiele, und das hat nichts mit plötzlicher Ansiedelung von DAX-Konzernen zu tun.

7/8. Keynes würde im Grab rotieren bis er glüht, wenn er erleben müsste, was heute alles in seinem Namen verbrochen wird. Antizyklische Konjunktursteuerung ist eigentlich nie von Niemandem infrage gestellt worden(nur das Timing in konkreten Fällen), aber die Politiker haben fast immer 'vergessen', dass in Hochs zurückgezahlt werden sollte.
Dazu passt auch wunderbar die Nummer mit dem Soli: der wurde ja schon zweckentfremdet, er soll jetzt - auf ewig? - prolongiert werden, für welche Zwecke auch immer. Das kommt einer Bankrotterklärung gleich.

9. Aha! Da haben wir's! Neue Schulden aufnehmen, aber nicht an die Rückzahlung der alten denken. Dann ist ja alles klar, keine Fragen mehr.

10. Selbstverständlich. Aber ich verrate Dir ein Geheimnis: Wenn die Banken und Versicherungen(also wir Bank-und Versicherungskunden) den Staat nicht finanzieren würden, wäre Schluss. Da die das mittlerweile oft nicht mehr aus freien Stücken tun(Vertrauensschwund in die Bonität), sondern per staatlichem Machtmonopol und EZB dazu gezwungen werden(können), muss man ihnen eine gewisse Marge/Profitrate einräumen, die sich aber nur lohnt, wenn das Geld nicht zu den Unternehmen oder den Konsumenten fliesst, sondern im Inzucht-System bleibt. Das ist ja auch der entscheidende Grund, warum die Inflation trotz Gelddruckens gesunken ist.
Eigentlich sollte man ja annehmen, dass es den Staat freut, wenn seine Gläubiger pleite gehen. Aber wegen der verräterischen, unheilbringenden Publizität und vor allem der Domino-Gefahr hält man in der Wagenburg zusammen. Böse Zungen sprechen auch von Mafia.

Cui bono? Darum geht es schon länger nicht mehr in der Hauptsache. Es geht ums nackte Überleben, um die Verlängerung des Todeskampfes.

12. In einer immer mehr globalisierten Welt ist es immer weniger von Bedeutung, wie produktiv ein Land, eine Volkswirtschaft ist, sondern ob die Produkte und Dienstleistungen seiner Unternehmen auf dem bösen Weltmarkt konkurrieren können und wie gross die Gewinnmarge dabei ist.
Die DDR hatte 1990/91 auch fröhlich weiter Autos produziert, noch nicht einmal die eigenen Werksangehörigen wollten sie haben, geschweige der böse (Welt-)Markt.
Die Löhne sind mal zu niedrig oder manchmal auch zu hoch.
Im Fall DDR war es prinzipiell egal, wie hoch oder niedrig sie waren, der einzige Unterschied bestand bei über 80% der Betriebe darin, dass sie bei höheren Löhnen (etwas) schneller pleite gingen.
Ein relativ schlaues Beispiel ist VW, man führte flexible Beschäftigungsmodelle ein mit u.a. Kurzarbeit und 2/3 Stellen, um die Leute nicht arbeitslos gehen zu lassen und sie als eingearbeitete Produktive im Betrieb halten zu können.

13. Die DDR hatte sich in den Achtzigern als eine der 10 stärksten Industrienationen der Welt hingestellt.
Mir liegen Aussagen und Expertisen von Günter Mittag, dem langjährigen Wirtschaftsminister, vom Vizepräsidenten der Staatsbank, vom Wirtschafts-Staatssekretär Schalck-Golodkowski und von Schürer, dem Leiter der staatlichen Planungskommission vor, wonach die Zahlen erstens gefälscht und zweitens geschönt waren. Unappetitliche Details möchte ich dem geneigten Leser ersparen.
Ein paar Monate nach dem Fall der Mauer waren die 'Werte' eh Makulatur, weil der de facto-Umtauschkurs bei 1:4 bei angekommen war und immer schlechter wurde. Da gab es die meisten DDR-Betriebe noch.
Aber der Wind des Weltmarktes wehte eiskalt und unerbittlich, und die Folge war das Ende von über 85% der Firmen.
Elf Aquitaine musste fürn Appel und ein Ei einspringen, weil sonst niemand die ineffiziente und teilweise marode 'Plasteelaste'-Fabrik haben wollte.
Das Bahnnetz der DDR war marode ohne Ende, es gab massenhaft Langsamfahrstrecken.
Ganze Stadtteile wie Dresden-Neustadt(Innenstadt) waren unbewohnbar wegen Baufälligkeit, usw usf...

Ich möchte Dir nicht allzuviele Schmerzen bereiten, darum höre ich jetzt auf.


RE: Staatsschulden - Krise? - DerC - 13.04.2015

(13.04.2015, 21:36)MZPTLK schrieb: Ich möchte Dir nicht allzuviele Schmerzen bereiten, darum höre ich jetzt auf.
Was mir Schmerzen bereitet ist vielleicht nicht das, was du erwartest. Aber dazu vielleicht später mehr, was ich jetzt auf die schnelle schriebn würd, würde dir zu viel schmerzen bereiten. Nur so viel: mit dem Eigenen Nichtwissen konfrontiert zu werden könnte schmerzhaft sein, aber heilsam. Gerade auch für dich.

Die berufliche Perspektive kann auch zu problematischen Scheuklappen führen. In weiten Teilen liest sich dein Beitrag für mich so, als hättest du welche auf.

Also ich fang mal von hinten an.

(13.04.2015, 21:36)MZPTLK schrieb: 13. Die DDR hatte sich in den Achtzigern als eine der 10 stärksten Industrienationen der Welt hingestellt.
Das entsprach sicher nicht der Wahrheit. Widerspricht aber nicht meiner Einschätzung, weil ein Land wie Spanien auch bei weitem nicht zu den 10 stärksten Industrienationen gehörte. Ich bleibe dabei, dass der Vergleich mit Spanien in erster Näherung in Ordnung ist.

Wenn du meinst, dass die DDR eher mit einem Entwicklungsland vergleichbar war: Selbst deine Beschreibung spricht dagegen – ein marodes Bahnnetz ist besser als in weiten Teilen gar keins.

Und nein, die Frage nach dem Nutzen für wen sollte in der Analyse immer gestellt werden. Gerade im Bezug auf die deutsche Einheit ist das sehr interessant. Einige Profiteure sind leichter zu identifizieren als andere. Einigen ging es mehr um Macht und Ruhm, anderen mehr ums Geld. Einige haben von den Phasen des Schönreden profitiert, andere von denen des Schlechtredens. Die Geschicktesten verdienen in jeder Phase.

Gruß

C


RE: Staatsschulden - Krise? - DerC - 14.04.2015

(13.04.2015, 21:36)MZPTLK schrieb: 12. In einer immer mehr globalisierten Welt ist es immer weniger von Bedeutung, wie produktiv ein Land, eine Volkswirtschaft ist, sondern ob die Produkte und Dienstleistungen seiner Unternehmen
auf dem bösen Weltmarkt konkurrieren können und wie gross die Gewinnmarge dabei ist.
Möglicherweise verstehst du nicht, was ich mit Produktivität meine.
Produktivität ist gerade ein Faktor für die Konkurrenzfähigkeit. Länder mit sehr hoher Produktivität können auch bei hohen Löhnen noch konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt sein.

Sind die Löhne bei hoher Produktivität zu niedrig, steigt der Export stark an. Die niedrigen Löhne sorgen für  niedrige Binnennachfrage, es entsteht eine Exportabhängigkeit und ein Ungleichgewicht, was wir denke ich beide für gefährlich halten.


RE: Staatsschulden - Krise? - Atanvarno - 14.04.2015

(14.04.2015, 00:12)DerC schrieb: Sind die Löhne bei hoher Produktivität zu niedrig, steigt der Export stark an. Die niedrigen Löhne sorgen für  niedrige Binnennachfrage, es entsteht eine Exportabhängigkeit und ein Ungleichgewicht, was wir denke ich beide für gefährlich halten.
Die BCG schreibt aehnliches
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RE: Staatsschulden - Krise? - DerC - 14.04.2015

Hallo

ich habe heute voraussichtlich leider zu wenig Zeit hier viel weiter zu schreiben, morgen kann es auch eng werden. Ich werde aber versuchen, die Liste noch abzuarbeiten. Denn es ist ein wichtiges Thema, und bei kaum einem anderen Thema wird so viel durch Lügen, Halbwahrheiten und Angstpropaganda manipuliert.

Es gibt viele Kritiker der kontraproduktiven Austeritätspolitik. Die kommen auch aus verschiedensten Lagern und sind keinesfalls alle sozialistische Träumer. Es sind etliche international renommierte Wirtschaftswissenschaftler dabei.

Man muss weg von der Idee der Alternativlosigkeiten kommen. Es gibt extrem selten nur einen alternativlosen Lösungsweg. Man braucht sehr viel Propaganda, um einen falschen Weg als den einzigen gangbaren zu verkaufen.

Politik heisst nicht nur Krisenmanagement und sich angeblichen Sachzwängen beugen. Es geht darum, wie wir leben wollen. Es geht um Gestaltung.

Die deutsche Regierung hätte gerade wegen der wirtschaftlichen Stärke unseres Landes mit den größten Spielraum bei der Gestaltung im vergleich zu allen (noch) demokratischen Regierungen auf der Welt. Leider tut man so, als ob es diese Spielräume nicht gebe und betreibt so eine Politik, die für die Europäische Einheit sowie für die Mehrheit der Menschen in Europa und auf der ganzen Welt schädlich ist.

"There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning."
Warren Buffett

Wenn man es auf einen Punkt verkürzen will, ist es das.  Das ist der Hintergrund. Bei politischen Entscheidungen muss sich jeder für eine Seite entscheiden - für die wenigen reichen oder die vielen nicht so reichen Menschen. Und dass dieser Krieg entschieden ist, sehe ich noch nicht. Auch wenn es gerade in den wohlhabenderen Ländern schon einmal besser aussah für die "arme" Seite.

Gruß

C


RE: Staatsschulden - Krise? - MZPTLK - 14.04.2015

(13.04.2015, 23:55)DerC schrieb: 1. Nur so viel:  mit dem Eigenen Nichtwissen konfrontiert zu werden könnte schmerzhaft sein, aber heilsam. Gerade auch für dich.

Die berufliche Perspektive kann auch zu problematischen Scheuklappen führen. In weiten Teilen liest sich dein Beitrag für mich so, als hättest du welche auf.

2. Widerspricht aber nicht meiner Einschätzung, weil ein Land wie Spanien auch bei weitem nicht zu den 10 stärksten Industrienationen gehörte. Ich bleibe dabei, dass der Vergleich mit Spanien in erster Näherung in Ordnung ist.

3. Wenn du meinst, dass die DDR eher mit einem Entwicklungsland vergleichbar war...

4. Und nein, die Frage nach dem Nutzen für wen sollte in der Analyse immer gestellt werden. Gerade im Bezug auf die deutsche Einheit ist das sehr interessant. Einige Profiteure sind leichter zu identifizieren als andere. Einigen ging es mehr um Macht und Ruhm, anderen mehr ums Geld. Einige haben von den Phasen des Schönreden profitiert, andere von denen des Schlechtredens.  Die Geschicktesten verdienen in jeder Phase.
1. Lass doch Unterstellungen und Polemik weg, das hat noch nie wirklich weiter gebracht.
2. Kann man so sehen, aber es gab schon starke Unterschiede. Ich fand zum Beispiel das Bildungssystem in der DDR unter den herrschenden Voraussetzungen vergleichsweise gut. Und vor allem der Stellenwert und die Förderung von Frauen und Familien war hoch angesiedelt, da kann sich Deutschland heute mehrere Scheiben von abschneiden.
3. Entwicklungsland ist was ganz anderes als die DDR.
4. Viele halbseidene, drittklassige und kriminelle Profiteure haben sich die 'Wende'-Jahre zunutze gemacht.
Vom gescheiterten Landratskandidaten aus dem Westen, der zur richtigen Zeit in der 'richtigen' Partei war und zum Provinz-Staatssekretär aufsteigen konnte über Horden von Versicherungs-Betr....., äh Vertretern bis zu die die Treuhand, die Beschäftigten und die Steuerzahler abzockenden Subventionsbetrügern, usw.
Das ändert(e) aber alles sehr wenig an der Gesamtentwicklung.
Man bedenke, dass trotz über 1.500 Milliarden Subventionsgeldern aus der alten BRD seit November 89 über 2 Millionen in den Westen gegangen sind.


RE: Staatsschulden - Krise? - MZPTLK - 14.04.2015

(14.04.2015, 00:12)DerC schrieb: Möglicherweise verstehst du nicht, was ich mit Produktivität meine.
Produktivität ist gerade ein Faktor für die Konkurrenzfähigkeit. Länder mit sehr hoher Produktivität können auch bei hohen Löhnen noch konkurrenzfähig auf dem Weltmarkt sein.

Sind die Löhne bei hoher Produktivität zu niedrig, steigt der Export stark an. Die niedrigen Löhne sorgen für  niedrige Binnennachfrage, es entsteht eine Exportabhängigkeit und ein Ungleichgewicht, was wir denke ich beide für gefährlich halten.


Demnach war die DDR jahrzehntelang extremst konkurrenzunfähig, denn es dauerte zum Beispiel 10 Jahre, bis die 'hochproduktiven' Autowerke dem kaufwilligen DDR-Bürger einen Trabbi liefern konnten.
Ein Beweis für mangelnde Produktivität war vor allem auch die Innovationsfähigkeit, der 1990er Trabbi basierte zu 80, 90 % auf der Technologie von etwa 1960. Ich könnte dazu sehr aufschlussreiche Dinge erzählen, die auch sehr mit konkreten Personen zu tun haben. Nicht nur, was die altgewordenen beratungsresistenten leitenden Ingenieure, sondern auch die Parteifunktionäre angeht.

Umgekehrt hilft hohe Produktivität noch nicht, Autos zu verkaufen.
Das hat nicht nur mit dem Preis, sondern mehr mit dem Preis-Leistungsverhältnis, dem Marketing, dem Wechselkurs und anderen Faktoren zu tun.
Würde sich die Fimenleitung nur an der einen Stellschraube orientieren, wäre der Laden sehr schnell pleite.
So gibt es zum Beispiel bei den grossen Exporteuren ein eigenes Devisenmanagement, um Schwankungen abzufedern.

Einfach zu sagen, dass der Export stark ansteigt, weil die Löhne bei hoher Produktivität zu niedrig sind, ist monokausal betrachtet. So kann man kein Unternehmen verantwortlich führen. Da war schon Schalck-Golodkowski viel weiter. das hat das Politbüro auch nicht kapiert.