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Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Druckversion

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Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 07.09.2017

Ich sehe in den großen Gebieten "Technik und gesundes Übungsgut" die großen Herausforderungen, denen sich der DLV ganz stark stellen sollte. 

Wer die technischen Elemente nicht bis ins Detail kennt, kann niemals mit Verstand die richtigen Übungen anwenden und in ihrer Funktion richtig einschätzen. Ich habe selbst bei einer Fortbildung von oberster Stelle erlebt, dass Technikelemente nicht richtig gelehrt wurden. Ich stelle mir eine sehr offene Diskussionskultur vor, in der die technischen Details ganz präzise beleuchtet werden - auch in Verbindung mit Anwendung einer geeigneten strukturellen, nicht schädigenden Form.

Gertrud


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - ATP - 11.09.2017

Sehr geehrte Frau Schäfer,

ich kann Ihnen nur zustimmen! Sie haben mir vor einigen Jahren Ihre Emailadresse auf der Stabhochsprung/Hochsprung Konferenz in Köln gegeben weil wir uns ein wenig Austauschen wollten. Ihre Emailadresse von damals ist leider nicht mehr aktuell oder ich kann sie nicht mehr richtig lesen.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie per private Nachricht mit mir in Kontakt treten würden.


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 11.09.2017

(11.09.2017, 10:45)ATP schrieb: Sehr geehrte Frau Schäfer,

ich kann Ihnen nur zustimmen! Sie haben mir vor einigen Jahren Ihre Emailadresse auf der Stabhochsprung/Hochsprung Konferenz in Köln gegeben weil wir uns ein wenig Austauschen wollten. Ihre Emailadresse von damals ist leider nicht mehr aktuell oder ich kann sie nicht mehr richtig lesen.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie per private Nachricht mit mir in Kontakt treten würden.

Ich habe eine neue E-Mail-Adresse. Bis einschließlich Mitte Oktober bin ich wirklich stark eingedeckt. (Garten, Haus, Handwerkertermine: Rollläden, Heizung..., Wundrose gerade überstanden, lockeres Zahnimplantat gerade ersetzt, Wange marmoriert, Ehemaligen-Frauen-Nationalmannschaftstreffen in Marl, Training mit meinem Schützling...). Es ist durch meinen zweimonatigen schlimmen Keuchhusten alles liegengeblieben. Es kam in den letzten Monaten wirklich "dicke". Zum Glück bin ich hart im Nehmen. 

Wohnen Sie hier in NRW? In welchen Disziplinen arbeiten Sie? Ich bin gelegentlich in Köln. Vielleicht können wir uns auch mal danach treffen?! 

Gertrud


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - ATP - 11.09.2017

Vielen danke für die schnelle Antwort.
Würde die Konversation gerne aus dem öffentlichen Raum schieben. Wäre das ok wenn Sie mir eine Email schreiben? la-coach@gmx.de


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 04.10.2017

Ich halte es für dringend erforderlich, dass die richtigen Techniken von Grund auf und Jugend an bis in die Einzelheiten und die funktionellen Erfordernisse ohne OP bei Fortbildungen gelehrt werden. Wenn man sich z.B. die Absprungverhalten und Statiken unserer Protagonistinnen ansieht, dann sind OP die logische Konsequenz, wenn man sich Fußaufsatz und entsprechende Körperlagen in den einzelnen Phasen und zueinander ansieht. Das hält teilweise kein Gelenk lange aus. Die Gesamtkonzepte sollten in sich stimmig sein. Ich habe einiges davon katalogisiert. Bei Salman-Rath sind die letzten Schritte eine orthopädische Katastrophe!!! Das ist kein Meckern auf hohem Niveau. Es sind teilweise Basics, die fehlen!!!

Gertrud


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - aj_runner - 04.10.2017

(04.10.2017, 03:10)Gertrud schrieb: Bei Salman-Rath sind die letzten Schritte eine orthopädische Katastrophe!!! Das ist kein Meckern auf hohem Niveau. Es sind teilweise Basics, die fehlen!!!

Gertrud

Und wurde jetzt operiert:
http://www.leichtathletik.de/news/news/detail/flash-news-des-tages-ea9b99ecd1/


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 08.10.2017

(04.10.2017, 10:38)aj_runner schrieb:
(04.10.2017, 03:10)Gertrud schrieb: Bei Salman-Rath sind die letzten Schritte eine orthopädische Katastrophe!!! Das ist kein Meckern auf hohem Niveau. Es sind teilweise Basics, die fehlen!!!

Gertrud
Und wurde jetzt operiert:
http://www.leichtathletik.de/news/news/detail/flash-news-des-tages-ea9b99ecd1/

Das Problem vieler Trainer ist das mangelnde Wissen über die Integration von Vorbedingungen. Man übernimmt ungefiltert irgendwelche eingefahrenen Übungen, wobei Leistungssteigerungen zwar erfolgen, aber eben als Pyrrhussieg mit vielen Verletzungen und Operationen. 

Es war lustig gestern und heute. Meine ehemaligen Nationalmannschaftskameradinnen haben eine kurze Einführung in meinem Keller und im schuleigenen von mir mitkonzipiertem Kraftraum erhalten. Sie waren fasziniert, dass ich jede Übung unter die Lupe genommen habe und meinten, dass ich "an die Front müsse". In den 60er Jahren war ein derartiges Übungspotential nicht einmal in den Ansätzen üblich - geschweige denn in der heutigen von mir propagierten Spezifik. Vielfach wird aber auch heute noch dieses Übungsgut der früheren Jahre durchgeführt. Ich halte für ganz wichtig, dass die technischen Elemente erst einmal ganz präzise an die heutigen Trainer kommen, damit man diese Vorbedingungen einbeziehen kann. 

Nehmen wir mal Claudia Salman-Rath! Sie wird auf Dauer enorme Strukturprobleme bekommen, wenn sie weiter einen derartigen Anlauf durchführt, der in ihrer Leistungsklasse enorme Kräfte in unangemessener Technik produziert. Die Kräfte potenzieren sich unheimlich und überschreiten strukturelle Grenzwerte. Wenn dann im Krafttraining dazu auch noch so unpräzise gearbeitet wird, ist der OP-Termin nicht weit. 

Gertrud


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 10.10.2017

Auch das Bankdrücken hat seine orthopädischen Klippen. Man hat eine Infraspinatus-Athrophie im Schultergelenk bei starker Abduktion mit Adduktion verbunden festgestellt, kann aber die Gründe nicht erklären. Es trifft wohl vor allem die exzentrische Variante. Es umfasst im Grunde ganz genau das Bankdrücken. Inwieweit man das durch AR ausgleichen kann, ist wohl noch nicht untersucht worden. Zudem kommt beim Bankdrücken das Schlingern des Oberarmkopfes gegen das Labrum hinzu, was sehr oft eine Bizepssehnenläsion nach sich zieht. Bei dem anfälligen Gelenk ist folglich höchste Vorsicht und Präzision Voraussetzung für eine lange verletzungsfreie Dauer vonnöten. Ich kann immer nur wieder warnen, die aus der Schwerathletik ungefilterten Kraftübungen in unsere Disziplinen einfach nur zu übernehmen. Es sollte vom Wissen her schon mehr vorhanden sein, als nur ohne Hintergrundwissen in der Schwerathletik abzukupfern. Wenn man einigen Trainern/ Athleten die Übungen beidbeinige TKB, Umsetzen, Reißen, Kreuzheben und Bankdrücken wegnimmt, haben sie keine Alternativen mehr!!!  Wink  Genau das ist der Punkt.

Wir können auch nicht einfach nur die Technikdisziplinen mit Gewichten versehen, ohne die Klippen zu umschiffen. Das gilt vor allem für den Speerwurf!!!

Gertrud


RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Gertrud - 10.10.2017

Erst einmal muss ich sagen, dass ich es gut finde, dass Athletinnen und Athleten öffentlich über ihre Verletzungen sprechen. So kann man sich in die Lage versetzen und auch Verbesserungen und Kommentare dazu geben. 

http://www.leichtathletik.de/news/news/detail/cindy-roleder-hausaufgaben-machen-und-titel-in-berlin-verteidigen/
Ich habe mir mal die aus meiner Sicht relevanten Sätze herausgesucht.

"Die Verletzung ist aus vielen Kleinigkeiten entstanden. Ich hatte leichte Dysbalancen zwischen links und rechts, zwischen der Innen- und Außenseite. Das kommt ein bisschen durchs Hürdenlaufen. Auch in der Beweglichkeit gab es Mängel. Der Rücken war nicht stabil und ich hatte vermutlich über längere Zeit eine Blockade."
Zitat:Meine Frage ist: "Was macht das medizinische Team, wenn bei den gemeinsamen TL die Athleten nicht akribisch untersucht werden?"  Wenn Dysbalancen bei Weltklasseathletinnen auftauchen, macht mich das schon sehr stutzig auch hinsichtlich des Übungsgutes. Gerade im Hürdenlauf, bei dem gehörige Links-Rechts-Verschiebungen entstehen und somit die Gelenke enorm belastet werden, sind Vorsichtsmaßnahmen die erste "Trainerpflicht"!!!
Wenn der Ischiasnerv überstrapaziert wird, liegt es an der fehlenden segmentalen Beachtung und natürlich auch am Lateralungleichgewicht. Ich würde mir wünschen, dass Trainer/innen sich diese Gedanken vorher machen und nicht immer nur reparierend. - Der DLV sollte in Zukunft vermehrt Trainer/innen als Muktiplikatoren einsetzen, die das Wissen um die Schnittstelle Theorie und Praxis beherrschen und keinen "orthopädischen Schrott" abliefern!!! Man kann sicherlich nicht alles wissen, aber etwas mehr als Basics sollte sich schon in den Trainerköpfen befinden. Thumb_up

"​Ich war bei vielen Ärzten, Physiotherapeuten und Osteopathen. Aber der Nerv hat einfach das Bein ausgeschaltet. Er ließ keine maximalen Sprints zu. Dann kam ein Punkt, an dem klar war, dass der Körper eine Auszeit braucht. Es ist Sport und eine Verletzung gehört zu einer Karriere dazu."  
Zitat:Auch die Wechselwirkung von Belastung und Entlastung sollte im Training eine sehr  große Rolle spielen. Ich bevorzuge nicht den Weg, immer volle Pulle zu gehen und dann bei Meldung des Körpers eine lange Auszeit einschieben zu müssen. Ich agiere antizipierend. Den Satz, dass eine Verletzung dazugehört, unterstreiche ich so absolut nicht!!! Wenn allerdings alle drei Protagonisten (Freimuth, Schrader und Roleder) verletzungsbedingte Auszeiten hatten, kann man leicht auf dieses Fazit kommen.  Wink

"Außerdem stand und steht verstärkt Rückenmobilisation auf dem Programm, genauso Stabilisationsübungen. 
Es geht um Kleinigkeiten, wie Fußheber ins Training einzubauen. Auch meine Nahrungsergänzung habe ich etwas angepasst. Das ist wie Hausaufgaben machen."
Zitat:Das ist wirklich der Witz des Tages, dass z.B. Fußheber erst jetzt ins Trainingsprogramm aufgenommen werden. Das gehört in jedes Sprintprogramm - und zwar von Anfang an!!! - Der Rücken hat beim Hürdenlauf sehr viel abzufedern. Wenn die autochthone segmentale Muskulatur nicht funktioniert, geht die Belastung natürlich auf diese Strukturen und eben auch auf den Ischiasnerv, der übrigens vier unterschiedliche Verlaufsformen hat. Die Hausaufgaben hätte  sich C. Roleder längst erarbeiten müssen. Deshalb gilt aus meiner Sicht immer wieder das harte Fazit: "Nicht die Medaillen geben mir Auskunft über die Übungsgutqualität des Trainers, sondern die Anzahl der Verletzungen und OP der Probanden!!!  - Ich habe mich schon bei Freimuth sehr gewundert, dass man die Rhythmisierung im Weitprung (Kadenz) erst so spät ins Programm genommen hat. Das sind für mich Basics bei Schülern. Wie will ich Kraftübungen konzipieren, wenn die Technik fundamental nicht adäquat trainiert und ins Kraftprogramm transferiert wird???

Gertrud



RE: Technik und gesundes Übungsgut - die Herausforderungen für den DLV - Solos - 10.10.2017

(10.10.2017, 06:40)Gertrud schrieb: Man hat eine Infraspinatus-Athrophie im Schultergelenk bei starker Abduktion mit Adduktion verbunden festgestellt, kann aber die Gründe nicht erklären. Es trifft wohl vor allem die exzentrische Variante. Es umfasst im Grunde ganz genau das Bankdrücken.

Wer hat das wie und bei wem festgestellt? Wie immer wäre eine Quellenangabe wünschenswert, um das Zustandekommen der hier in den Raum gestellten Behauptungen nachvollziehen zu können.
Was bedeutet "bei starker Abduktion mit Adduktion" verbunden? Meinem anatomischen Verständnis nach sind das gegensätzliche Bewegungen.
Ergänzend sei der Hinweis erlaubt, dass bei der korrekten Ausführung der Übung Bankdrücken weder die Adduktion noch die Abduktion stark ausgeprägt ist.